Berlin Station, Staffel 1 (Originalversion)

Der Amerikaner Daniel Miller (Richard Armitage) ist Analyst bei der CIA und ist in Panama stationiert, als der Whistleblower Thomas Shaw anfängt geheime Informationen über verschiedene CIA-Stationen preiszugeben.
Miller wird daraufhin von der Vorgesetzten Jemma Moore (April Grace) undercover nach Berlin geschickt, um Shaw zu enttarnen und unschädlich zu machen.
Wird Daniel Miller diese Aufgabe lösen können, ohne selbst ins Fadenkreuz von Shaw oder seinen neuen Kollegen zu geraten?

Nachdem die ersten beiden Folgen von ‚Berlin Station‚ kurz vor der eigentlichen amerikanischen Ausstrahlung Anfang September frei und legal im Netz gelandet waren, hatte ich hier stichpunktartig meine ersten Eindrücke gesammelt, die doch hauptsächlich positiv waren.

Vieles davon hat sich nach der ganzen ersten Staffel bestätigt und natürlich sind noch mehr Eindrücke hinzugekommen.
Zum Beispiel ist über die komplette erste Staffel eindeutig Berlin der Star der Produktion. Dabei haben die Macher aber nicht nur auf die Hochglanz-Hotspots gesetzt, sondern zeigen auch mal abgeranzte Ecken, die man als Otto-Normal-Serienkucker in amerikanischen Serien eher nicht erwartet.
Außedem haben die Macher wohl darauf geachtet, daß die Wege, die die Figuren zurücklegen, halbwegs stimmig sind, was mir als Nicht-Berlin-Insider aber natürlich eher nicht auffällt.
Mir hat der Look, der so entstanden ist, wirklich gut gefallen, eben weil so auch ein europäisch anmutendes Flair entstanden ist, der mir oft fehlt, wenn amerikanische Produktionen so tun, als wären sie gerade in Europa (oder das, was sie dafür halten?) unterwegs.

Das Erzähltempo ist gerade am Anfang sehr hoch. Es gibt sehr viele Personen, einzelne Szenen sind relativ kurz und es wird von einer Person zur anderen gesprungen. So entstand bei mir beim Anschauen einer Folge der Eindruck, daß immer wahnsinnig viel passiert.
Dieser Eindruck relativierte sich jedoch beim hinterher drüber nachdenken zu 90 Prozent und ich weiß immer noch nicht, ob mir diese Art der Erzählweise gefällt.
Dieses ambivalente Gefühl wird durch die Auflösung am Ende der Staffel noch verstärkt, allerdings möchte ich spoilerfrei bleiben, daher kann ich nicht mehr dazu sagen.
Außer vielleicht, daß ich nach dem ersten Schauen der Staffel dasaß und dachte ‚Wollt ihr mich verarschen!?!‘.
Dieses harte Urteil ist beim zweiten Anschauen etwas milder ausgefallen, weil ich doch einiges schlüssiger als vorher fand.
Ob das nun daran lag, daß die erste Aufregung vorbei war und ich wußte was kommt, oder ob es der Serie guttut, wenn man die Folgen ohne große Pausen anschaut (wie ich bei der zweiten Sichtung), weiß ich nicht.

Die Schauspieler sind meiner Meinung nach gut für die jeweiligen Rollen ausgewählt.
Richard Armitage wirkt als Daniel Miller kalt wie eine Hundeschnauze und absolut berechnend.
Gefühle kann Miller an- und ausknipsen wie es ihm gefällt und ich traue ihm keinen Millimeter über den Weg, was zeigt, wie genial Armitage das spielt.
Die ein oder andere Szene, die ich unter Fanservice verbuchen würde, gibt es auch, von daher habe ich aus der Sicht des RA-Fangirls oberflächlich wenig zu meckern.
Wenn man ein wenig tiefer geht, hätte man aus dem Talent, das Armitage besitzt meiner Meinung nach durchaus mehr machen können, wenn man Miller als Figur vielschichtiger angelegt hätte.
Rhys Ifans mag ich sehr gerne und ich hatte am Anfang echte Schwierigkeiten ihn als erfahrenen CIA-Agenten Hector DeJean zu verorten, weil ich ihn eher in die Ecke leicht verrückt, aber knuddelig stecken würde.
Zu meinem Erstaunen hat Ifans es aber dann doch geschafft, mich davon zu überzeugen, daß DeJean ein harter Hund sein kann.
Richard Jenkins als Chef der Berlin Station Stephen Frost ging mir mit seiner Mitleidsnummer ziemlich schnell auf den Keks – gut gespielt war es trotzdem – und Leland Orser mußte sich als Robert Kirsch erst meine Sympathie erspielen, was ihm aber auch schließlich gelungen ist, weil ich Kirsch Sprüche und seine Entwicklung mag.
Michelle Forbes als CIA-Agentin Valerie Edwards und Mina Tander als deutsche Spionin Esther Krug fand ich gut, wenn die Rollen der Beiden stellenweise so zickig wirken sollten, wie sie bei mir ankamen.
Wobei das jetzt vielleicht härter klingt, als ich es meine. Die Macher versuchen nämlich meiner Meinung nach durchaus starke Frauenrollen zu installieren, nur sympathisch sind diese mir gefühlsmäßig eben eher weniger.
Und um mal eine weitere Lanze für die Frauen zu brechen: die männlichen Figuren in der Serie sind mindestens genauso unsympathisch.

Allgemein habe ich mich in der Schauspielerriege über die gute Mischung des internationalen Casts und einige bekannte deutsche Fernsehgesichter wie Claudia Michelsen, Stephan Kampwirth, Daniela Ziegler (großartig als Golda Friedman) und Sönke Möhring (Minikurzauftritt) gefreut.

Leider kommt die Figurentwicklung innerhalb der Serie für mein Dafürhalten etwas kurz. Dieser Tatsache ist vermutlich auchg eschuldet, daß ich einige Entscheidungen, die die handelnden Personen treffen, nicht nachvollziehen konnte.
Etwas genervt haben mich zwischendurch auch die vielen kleinen Informationsschnipsel, die eingestreut werden und die öfter mal zu nichts führen.
Man darf gespannt sein, ob und was davon in die zweite Staffel einfließen wird! Aber wenn das alles im Sand verläuft, wäre ich schon ziemlich enttäuscht, von daher hoffe ich einfach darauf, daß die Macher etwas mehr in die Tiefe gehen.

Die Musik paßte recht gut zur Serie, auch wenn sei zum größten Teil einfach nicht mein Geschmack ist und auch visuell hat mich ‚Berlin Station‘ wirklich angesprochen.
Von daher würde ich auf jeden Fall eine Empfehlung zum Anschauen aussprechen und bin gespannt, wie die Serie beim deutschen (Netflix-)Publikum ankommt.

Dazu fällt mir noch kurz ein: Wer dazu in der Lage ist, sollte unbedingt die Originalsprachversion anschauen.
Jaja, ich weiß, das klingt immer ein wenig snobistisch, aber in diesem Fall glaube ich, daß durch die deutsche Synchronisation einiges an Kontext verloren gehen könnte.
In der Originalversion hat man es nämlich mit vielen verschiedenen Sprachen zu tun. Die CIA-Leute sprechen englisch, wenn sie in Berlin mit Deutschen sprechen deutsch und arabisch (oder mindestens einmal auch türkisch?) kommt auch vor.
In der deutschen Version ist das Meiste davon glatt gebügelt und nur die kleinen arabischen Stellen sind im Original mit Untertiteln zu hören.

‚Berlin Station‘ bei Netflix Deutschland

Ein englischer Trailer

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8 Antworten zu Berlin Station, Staffel 1 (Originalversion)

  1. Luscinnia schreibt:

    Tolle Rezension! Ich hab richtig Lust auf einen (lange überfälligen ;-)) Rewatch bekommen. Vielen Dank!

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  2. Servetus schreibt:

    I had that „wollt Ihr mich verarschen“ feeling off and on throughout — I am hoping for a higher plausibility level this series, but am not optimistic. And I shared your feeling that there are a lot of red herrings. I’m glad to know, though, that the series „feels“ good in German as well.

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  3. Hariclea schreibt:

    Interessant dass du durchaus positiver bist als ich es war beim Anschauen 🙂 Ich hatte ziemliche Probleme mit den chaotischen Storylines. Allerdings mochte is Esther und fand ihre Personlichkeit angebracht und gut zusammengestellt, die andere aber war viel zu zickig sogar fur ein normales Buro, noch weniger fur so einen Job, fand ich jedenfalls. Ich bin mir auch nicht sicher dass Daniel als so kalt angelegen war oder so rauskommt weil er nicht genung Material zum Aubau hatte…
    Hoffen wir in S2 sind einige Sachen besser geklart und Carakthere besser definiert… Obwohl es mir schon jetzt suspekt und unglaublich ist dass so manche wieder auftauchen was allzu unrealistisch ist.

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  4. Herba schreibt:

    @Serv: Not very optimistic too but we will see

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  5. Herba schreibt:

    @Hari: Scheinbar hat mich wirklich die zweite Sichtung gnädiger gestimmt.
    Ich glaube nicht, daß es am fehlenden Hintergrundmaterial für Daniel gelegen hat. Für Raymond zum Beispiel hat RA sich ja auch jede Menge aus den Rippen geleiert. Ich denke, Daniel sollte so kühl rüberkommen (der überlegene CIA-Agent, der immer die Ruhe bewahrt, auch wenn es in der ganzen Station zugeht wie im Hühnerhaus?).
    Dass manche Figuren wieder auftauchen, finde ich auf den ersten Blick auch megaunglaubwürdig und ich glaube eigentlich nicht, daß die Serienmacher sich dafür wirklich etwas Überzeugendes einfallen lassen, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren!

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