Reizthema Diversität in Medien – eine Leseempfehlung

Meine beiden Bloggerkolleginnen Miss Booleana und Nettebücherkiste haben gestern auf ihren Blogs Posts zum ‚Reizthema Diversität in Medien‘ veröffentlicht.
Und weil ich die beide so interessant fand, möchte ich gern auf meinem Blog darauf aufmerksam machen.

Miss Booleana liefert mit einem allgemeinen Post unter dem Titel ‚Reizthema Diversität in Medien – Marketing oder Offenlegung von Bias?‚ einen, wie ich finde, guten und auch fundierten Überblick über bestimmte Begriffe und das Thema ganz allgemein.
Während sich Nettebücherkiste in ihrem Post ‚Reizthema Diversität – Repräsentation in der Amazon-Serie „The Wheel of Time“‚ speziell auf eine bestimmte Serie beziehungsweise ihre Erfahrungen mit dem dazugehörigen Fandom bezieht.
Und natürlich sagen auch Beide ihre Meinung zum Thema, bleiben dabei aber durchaus ausgewogen, jedenfalls empfand ich das beim Lesen so.

Interessiert? Dann schaut doch mal vorbei!!!!

Und wer sich nun fragt, wie ich zu Diversität stehe: ich bin dafür und halte Repräsentation für extrem wichtig!
Jeder, egal ob Erwachsene(r) oder Kind/Jugendliche(r) braucht Vorbilder, muss sehen, dass da jemand, der so ist ‚wie ich‘ den ‚Job‘ machen kann, den die jeweilige Person gerne hätte.
Wir brauchen alle Vorbilder, mit denen wir uns identifzieren können. Dass das alles gar nicht so einfach ist, sieht man ganz gut daran, dass die ewigen Rollenmodelle von ‚männlich‘ und ‚weiblich‘ scheinbar nicht tot zu kriegen sind und wir Frauen machen immerhin die Hälfte der Weltbevölkerung aus.

Durch Theaterproduktionen wie zum Beispiel ‚Jane Eyre‚ und ‚Treasure Island‚ weiß ich, wie gut es funktionieren kann, wenn man Rollen ausserhalb der Publikumsvorstellung (und Vorlage) besetzt.
Da sind die Hauptdarsteller eigentlich zu alt, aus Männern werden Frauen, die Hautfarbe ’stimmt plötzlich nicht mehr‘, etc.. Und es funktioniert – wenn man sich darauf einläßt.

Wenn man es legitim findet, dass im Fernsehen ein Ist-Zustand unserer Gesellschaft gezeigt wird, sprich dass mir ein Mitri die Nachrichten vorliest und kein Horst.
Das Wetter für morgen wird mir von Özden oder Katja vorhergesagt und nicht von Heinz und die Tagesthemen kommen von Zamperoni und nicht von Müller, Meier oder Schulze.
Und da sind wir nur bei den Namen und Geschlechtern und nicht bei den Hautfarben, aber auch da tut sich – Gott sei Dank – wenigstens ein bißchen was.

Serien wie zum Beispiel ‚Die Rosenheim Cops‘ (die ich im übrigen sehr gerne wegen der Urigkeit sehe), wirken mit dem mehr oder minder rein weißen Cast dagegen schon sehr aus der Zeit gefallen und fallen (mir zumindest) auf.

Hingegen beweisen Produktionen wie die letzte Neuinterpretation von ‚In 80 Tagen um die Welt‚, dass Diversität sehr wohl machbar ist, ohne, dass das Endprodukt leidet.
Ganz im Gegenteil wirkte die alt bekannte Geschichte so viel frischer auf mich und vereinte gekonnt alte und neue Ansätze in der Geschichte.
Auch ‚The Equalizer‘ funktioniert zum Beispiel für mich mit dem Tausch der Geschlechter und ehrlich gesagt mag ich die weibliche Form, die ihre Familie mit ihrem ‚Job‘ unter einen Hut bringen muss, sogar ein wenig lieber, als den einsamen Wolf aus dem Film.

Schwieriger wird es für mich persönlich bei Figuren, die ich relativ gut kenne, für die es viele Referenzpunkte in Romanvorlagen oder vorangegangen Produktionen gibt und mit denen ich mich eingehender beschäftigt habe.
Bin ich der Meinung, dass man Figuren wie Miss Marple, Poirot oder James Bond erfolgreich mit dem jeweils anderen Geschlecht inszenieren könnte? Absolut!
Und schon allein wegen dem Zirkus, den Teile der Bond-Fanbase veranstaltet haben, als es plötzlich hieß ‚007 wird im nächsten Film eine Frau‘ (von James Bond, stand im Originalartikel, der das aufbrachte, im übrigen nie etwas, aber wer achtet schon auf solche Feinheiten 😉 ), sollte man es vielleicht wirklich mal versuchen.
Aber würde mir persönlich das in den genannten Fällen auch gefallen? Könnte ich mich wirklich auf eine Miss Herculete Poirot oder auf Jane Bond einlassen?
Hand aufs Herz! Es würde mir zumindest schwer fallen. Einfach weil ich zu den Genannten so ein festes Bild im Kopf habe, das sich eben auch aus dem jeweiligen Geschlecht speist.

Niemand ist perfekt, niemand ist wirklich farbenblind – davon bin ich fest überzeugt. Aber ich halte es für wichtig, sich das immer mal wieder bewußt zu machen und daran zu arbeiten, dass unsre soziale Prägung und unsre Vorurteile nicht die Oberhand gewinnen und unser Tun und Handeln bestimmen.
Das ist Arbeit und manchmal sicher schwierig und auch schmerzhaft, aber eben auch wichtig!

Eine kurze Bitte zum Schluss: Kommt mir jetzt bitte nicht mit ‚das haben wir immer schon so gemacht‘ oder ‚aber früher…‘!!!
Denn wie fragte ich vor kurzem mein Gegenüber bei einer Diskussion zum Thema Sprache bzw. Gendern:
‚Heißt das, Du spitzt jetzt den Besenstil da an und gehst vor die Tür, um das Essen für die nächsten Tage zu jagen? Schließlich haben das die Männer früher ja auch so gemacht!‘
(Nicht zum Nachmachen empfohlen, weil wenig zielführend. Aber beim eigenen Aluhut im Haus gehts manchmal nur noch mit Humor und einer Prise Sarkasmus!).

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18 Antworten zu Reizthema Diversität in Medien – eine Leseempfehlung

  1. freiedenkerin schreibt:

    Das gefällt mir an Serien wie Greys Anatomy und Law&Order SVU so gut, dass da seit etlichen Jahren schon Diversität gezeigt wird.
    Liebe Grüße!

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  2. Miss Booleana schreibt:

    Vielen Dank, dass du das Thema aufgreifst! Und vielen Dank für die Verlinkung. 🙂
    Thema Fanrage: kenne ich ja auch zur Genüge. Ich durfte das neulich erst wieder „üben“ nicht in Fanrage zu verfallen als mein Lieblingsanime Cowboy Bebop als Realserie umgesetzt wurde. Hätte ich einiges zu meckern gehabt? Sicherlich. Aber vielleicht habe ich im Laufe der Zeit doch was dazugelernt. Es fiel mir leichter als früher einen kühlen Kopf zu bewahren. Mal gucken, ob ich meine Ranrage weiter im griff habe …

    Davon abgesehen Farbenblindheit – das wird halt auch sehr unterschiedlich wahrgenommen. Ich habe auch in den Büchern von Reni Eddo-Lodge und Tupoka Ogette (Exit racism) gelesen, dass es u.U. gar nicht gewollt ist Hautfarbe nicht zu sehen, weil es den jahrhundertelangen und noch nicht abgeschlossenen Kampf gegen Rassismus unterschlagen würde und den Fakt leugnet, dass es unterschiedliche Hautfarben gibt. Das war für mich mit großem Umdenken verbunden, da ich bis dahin immer dachte, dass farbenblind sein im Kontext von Hautfarben etc. was unumstößlich gutes wäre. Letzten Endes muss man wahrscheinlich adaptieren je nach den Bedürfnissen der Menschen mit denen man umgeht. Mache ich das immer richtig? Unwahrscheinlich. Wie du ja auch oben schreibst. Aber es ist wohl ein lernprozess…

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  3. Wortman schreibt:

    Ich sag ja nichts dagegen, wenn es in Serien oder filmen bunter zugeht. Was mich ärgert ist die Tatsache, dass man alles umwerfen will. Jane Bond, Kevin Croft, Chloe Pierrot oder die Doktorin gehen bei mir überhaupt nicht. Die bekommen bei mir auch keine Chance sich zu profilieren. 😉 Ich bin zufrieden mit den Originalen.

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  4. Servetus schreibt:

    I frequently find when there’s a particular casting that I didn’t expect or that questions my assumptions, I learn something more about the work in question.

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  5. nettebuecherkiste schreibt:

    Vielen Dank hierfür!

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  6. Pingback: Reizthema Diversität – Repräsentation in der Amazon-Serie „The Wheel of Time“ | nettebuecherkiste

  7. Herba schreibt:

    @freiedenkerin: Das stimmt, ich kenne die beiden Serien zwar nicht so gut, aber die habe ich aus den Folgen, die ich gesehen habe, auch als eher divers im Kopf.

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  8. Herba schreibt:

    @Miss Booleana: Sehr gerne!
    Ich denke, zwischendurch ein wenig Fanrage ist durchaus normal, gerade, wenn einem etwas sehr am Herzen liegt. Aber muss das wirklich in Beleidigungen und Beschimpfungen ausarten. So weit sollte man sich doch wirklich im Griff haben, wenn man erwachsen ist, denke ich…

    Das geht mir auch so, aber nachdem ich zum ersten Mal gelesen hatte, dass Farbenblindheit nicht immer gut ist, fand ich das ziemlich plausibel, denn es gibt nunmal diese Jahrhunderte lange Geschichte von Benachteiligung, Gewalt, etc..
    Ich denke, wenn jeder langsam ein Bewußtsein für solche Sachen entwickelt und wie Du schon sagst, dem Gegenüber zuhört und mehr darauf eingeht, was die jeweilige Person braucht, wäre vieles leichter…
    Die Hoffnung stirbt zuletzt *seufz*

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  9. Herba schreibt:

    @Wortman: Ich glaube nicht, dass irgendjemand alles umwerfen will 😉
    Wie gesagt, mit Jane Bond zum Beispiel hätte ich vermutlich auch erstmal Probleme

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  10. Herba schreibt:

    @Servetus: Yes, something like that can be such a enrichment. But one has to be open for that I guess.

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  11. Herba schreibt:

    @Nette: Nichts zu danken. Ich finde es toll, dass ihr dieses Eisen angefaßt habt. Sowas kann ja auch mal schnell nach hinten losgehen.

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  12. Wortman schreibt:

    Jane Bond wäre für mich der Grund zum boykottieren 🙂

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  13. nettebuecherkiste schreibt:

    Ja, glücklicherweise hab ich mir bisher keine Trolle damit eingefangen 😉

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  14. Herba schreibt:

    @nettebücherkiste: Ich offe, dass das so bleibt!

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  15. Esther schreibt:

    Jane Bond wouldn’t be such a problem for me, but then again, I am not so invested in that character. If done well, I think any character can be cast different (yes, even John Thornton and Mr Darcy!). It can be very surprising and interesting to make ‚white‘ stories more diverse but it would also be nice if more (main stream) stories were allowed to be told from more diverse backgrounds.

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  16. Herba schreibt:

    @Esther: ‚…it would also be nice if more (main stream) stories were allowed to be told from more diverse backgrounds.‘ This!!!

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  17. Moin Herba,

    Deinen toller Beitrag fand Erwähnung in meiner Rubrik Blog-ge-„switch“-er. Ich hoffe, es ist für Dich okay.

    Gruß
    Andreas

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