Der ewige Gärtner

Justin Quayle (Ralph Fiennes), ein britischer Diplomat, der in Kenia stationiert ist, erfährt, dass seine Ehefrau Tessa (Rachel Weisz), eine Menschenrechtsaktivistin, ermordet worden ist.
Als er seine Frau identifizieren muss, erinnert er sich daran, wie er sie in London kennen und lieben lernte, wie sie recht schnell heirateten, dann gemeinsam nach Kenia gingen und sich dann langsam einander entfremdeten.
Trotzdem ist Justin entschlossen herauszufinden, wieso Tessa ermordet wurde und kommt dabei einer großen Firma auf die Spur, gegen die Tessa ermittelte…

Ich war eigentlich der Meinung, dass ich ‚Der ewige Gärtner‘ irgendwann kurz nach Erscheinen auf DVD gesehen hatte. Wieso ich mich allerdings weder an die Handlung, noch an die vielen bekannten Gesichter erinnern konnte, ist mir ein Rätsel.
Tja und wieso ich Ralph Fiennes als Justin Quayle vergessen habe, werde ich wohl nie ergründen….egal!

Der Film, der auf einem Buch von John le Carré basiert, wird als Politikthriller beworben, was für mich als Label nur teilweise stimmig ist.
Ich sehe den Film vor allem als Liebesgeschichte zwischen Tessa und Justin, die stürmisch beginnt und einen tragischen Verlauf nimmt.
Das liegt zum einen sicher an der ruhigen Erzählweise, die ohne viel Action oder Effekthascherei auskommt.
Man bekommt als Zuschauer eine Geschichte erzählt, die auf mehreren Ebenen zu berühren weiß und wird dabei nicht mit Verfolgungsjagden, Schießereien oder Gewalt bombadiert.
Und das funktioniert, auch wenn ich in Zeiten von CGI und Kunstblutorgien fast vergessen hatte, dass das möglich ist.
Und die Geschichte der vergessenen Menschen in Afrika ist einfach auch immer noch aktuell, während wir hier in Europa gerade scheinbar nichts wichtigeres zu tun haben, als darüber zu diskutieren, wie wir Menschen in Not am besten von uns fernhalten oder wieder loswerden.
Zum anderen liegt das an den beiden wunderbaren Hauptdarstellern Rachel Weisz und Ralph Fiennes, die großartig ihre jeweilige Rolle spielen und die Liebe zwischen Tessa und Justin greifbar machen.
Weisz ist die wütende Aktivistin, die unerschrocken und kompromisslos für andere Menschen einsteht, sich dabei mächtige Feinde macht und ein wenig die Verbindung zu ihrem Ehemann verliert.
Fiennes ist der stille, nicht sonderlich erfolgreicher Diplomat, der von einer ungewöhnlichen Frau gefesselt wird, sich unsterblich verliebt und dann mit ihrem Verlust klarkommen muss.
Die Verwandlung seiner Figur vom stoisch wirkenden Beamten, der sich mehr um seine Pflanzen als um seine afrikanischen Mitmenschen zu sorgen scheint, zum tatkräftigen Sucher der Warheit hat mir wahnsinnig gut gefallen.
Justin wird nicht von heute auf morgen zum unverwundbaren Held, sondern geht unbeirrbar auf den Spuren seiner Frau seinen Weg, wohl wissend, wie gefährlich dieser ist;
um kurz vor Schluss dann einen Satz seiner Frau zu widerholen, für den er, als sie ihn sagte, kein Verständnis hatte und den er nun nachvollziehen kann, um sich dann aber genau wie Tessa zuvor geschlagen zu geben und sich in das Unvermeidliche zu fügen.
Gefehlt hat mir bei Justin höchstens das übermächtige Gärtnern, das durch den Titel angedeutet wird. Ja, er kümmert sich um seinen Garten und nutzt das Gärtnern als Ausgleich zum Alltag, aber als übertrieben kam das nicht wirklich bei mir an.
Einen großen Gegenspieler, der plakativ als Bösewicht aufgebaut wird und an dem sich die Hauptfiguren reiben, gibt es hier übrigens nicht, auch wenn ein Boss der Firma (Gerard McSorley), gegen die Tessa ermittelt und ein hohes Tier aus dem Diplomatencorps (Bill Nighy) durchaus zum Feindbild taugen.
Doch letztendlich hat fast jede Figur aus dem Westen irgendwie Schuld auf sich geladen, die eine mit mehr, die andere mit weniger guten Argumenten.
In Nebenrollen findet man ebenfalls tolle Schauspieler wie Archie Panjabi, Pete Postlethwaite, Richard McCabe oder Donald Sumpter.
Gefreut habe ich mich übrigens sehr über den filmischen Abstecher nach Berlin, wo Anneke Kim Sarnau mitwirken und Ralph Fiennes mehrere Sätze Deutsch sprechen darf, das unglaublich authentisch klang.
Selbst das Hin- und Herspringen innerhalb der Handlung hat mir ausnahmsweise mal nichts ausgemacht, obwohl ich sonst eigentlich stringente Erzählungen lieber mag.
Aber hier macht es einfach Sinn, wenn Justin sich zurückerinnert und man viele Eindrücke aus seiner Sicht erzählt bekommt.
Für absolut gelungen halte ich auch Landschaftaufnahmen, Kameraführung und Hintergrundmusik und abgerundet wird das Ganze dann auch noch durch ein stimmiges Ende, das ich unglaublich passend fand, auch wenn es durchaus teilweise deprimierend ist.
Insgesamt war das für mich auf mehreren Ebenen ein großartiges Erlebnis und ich glaube nicht, dass ich dieses Mal den Eindruck, den der Film bei mir hinterlassen hat, vergessen werde!

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Ein deutscher Trailer

Ein englischer Trailer

Mein Begeisterung für den Film hat übrigens weder etwas mit diesem Lächeln, noch mit diesen Augen zu tun! Rein! Gar! Nichts!!!!

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26 Antworten zu Der ewige Gärtner

  1. Camassia schreibt:

    Diesen Film habe ich kürzlich (wieder)entdeckt und war genauso begeistert wie du. Klasse Schauspieler und eine interessante Geschichte. So selten heutzutage.
    Pete Postlethwaite überzeugt mich in jeder Rolle, das war wirklich ein Charakterkopf. Auch RF lebt diese Rolle. Sehr sehenswert!

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  2. Guylty schreibt:

    Schon lange her, dass ich den Film gesehen habe. Ich erinnere mich, dass ich ihn gut fand – aber dass ich irgendwie mit dem Ende keinen Frieden schließen konnte. (Ich weiß aber nun auch nicht mehr wieso… alles vergessen.) Vielleicht muss ich den nochmal gucken.

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  3. Herba schreibt:

    @Camassia: Oh, gut zu hören, dass ich mit meiner Begeisterung nicht allein bin.
    Schade, dass diese Art der Filme scheinbar so selten geworden ist 😦
    Über Pete habe ich mich auch sehr gefreut, den sehe ich immer gern und bei RF bin ich sowieso ganz bei Dir 🙂

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  4. Herba schreibt:

    @Guylty: Ich kann mir so gut vorstellen, wieso das so ist!!!! Und wundere mich ein wenig über mich selbst, dass ich damit kein Problem habe….
    Soll ichs DIr verraten oder magst du lieber selber nochmal schauen?

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  5. Guylty schreibt:

    Ich habe da so einen Verdacht, was das Ende angeht… aber lassen wir das lieber hier, nicht dass noch jemand hier mitliest und dann das Ende vorweggenommen wird 🙂

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  6. Nicole.G schreibt:

    Warum ist dieser Film an mir vorbeigegangen? Ich glaube wegen der Bezeichnung „Politthriller“, die schiebe ich lieber nach hinten. Werde aber nun danach Ausschau halten, ich meine, Netflix hat den sogar. Hast mich neugierig gemacht.

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  7. Uinonah72 schreibt:

    Soso, hat Dich Mr. Fiennes erwischt? Mir ging’s übrigens genauso. Hab den Film damals im Kino gesehen und war sofort begeistert. Die Kombination aus berührender Liebesgeschichte und Thriller ist einfach gelungen. Hat mich damals sofort zum RF Fan gemacht. Damals gab’s leider noch kein Medimops. Ich denke übrigens, den Gärtner muss man im übertragenen Sinne sehen… als jemand der nur seine kleine Welt sieht und alles weitere ausschließt…bis er durch den Tod seiner Frau aufwacht. Schön, dass Du dieses Juwel (wieder-)entdeckt hast 🙂

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  8. Herba schreibt:

    @Guylty: Dann lass ich Dir einfach wenigstens noch ein Dackelblick-Schmachtbild da 🙂

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  9. Herba schreibt:

    @Nicole: Mission accomplished :mrgreen:
    Für mich ist das definitiv kein richtiger Politthriller, du kannst es also durchaus mal einen Blick riskieren. Ich finde es lohnt sich!
    Leider gibt es den Film nur bei Amazon Video, Netflix hat ihn zur Zeit nicht im Angebot.

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  10. Herba schreibt:

    @Uinonah: Er schafft es immer mal wieder mich zu begeistern, aber vielleicht ist es diesmal etwas langlebiger/stetiger als bisher….mal abwarten 🙂
    Deine Interpretation stimmt sicher, ich hatte mir da nur noch mehr Versunkenheit erwartet, wenn der Film schon so heißt.
    In der nächsten Zeit wird es ganz sicher noch den ein oder anderen Blogposts zu Filmen mit Ralph Fiennes geben :mrgreen:

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  11. Uinonah72 schreibt:

    Ich hatte gleich nach dem Film auch das Buch von Le Carré gelesen. Das gab noch etwas mehr Hintergrund zum Geschehen. Solche Schmachtbilder habe ich übrigens auch noch auf dem PC. Ich bekomme gerade Lust den Film mal wieder anzuschauen, die DVD habe ich ja noch 🙂

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  12. Herba schreibt:

    @Uinonah: Ich hätte mir das Buch sicher auch beschafft, aber le Carre und ich haben eine schwierige Beziehung, daher lass ich das lieber 🙂
    Hihi, ich hab beim Film anschauen einige Screencaps gemacht, weil das einfach fstgehalten werden mußte ❤
    Mach das, Justin lohnt sich immer, würde ich grade mal sagen :mrgreen:

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  13. squirrel.0072 schreibt:

    🙂 Danke, dass Sie mich diesen sehr guten Film erinneren haben kÖnnen. Ich werde ihn noch einmal suchen, um zu sehen. Gute Nacht!

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  14. Herba schreibt:

    Hello Squirrel,
    thanks for the comment! You’re very welcome! I think it’ll be very worth a rewatch!

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  15. Guylty schreibt:

    wow, das ist tatsächlich höchst wirksam *puddle*

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  16. Herba schreibt:

    @Guylty: 😎
    Das hier finde ich gerade auch sehr anregend :mrgreen: Ein echter teaser!

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  17. Guylty schreibt:

    Ich muss sagen, dass trotz meiner ständig wachsenden Flugangst jetzt doch sehr deutlich der Wunsch reift, im August mal nach London zu fliegen…

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  18. Herba schreibt:

    @Guylty: Du hast Flugangst? Wow, dann Kudos für den Flug nach NZL!!!!
    Weil zwei Schnuckels auf einen Streich?

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  19. Guylty schreibt:

    Die Flugangst hat sich bei mir erst in den letzten 12 Monaten entwickelt, ausgelöst durch einen schrecklichen Flug letztes Jahr im Urlaub nach Kreta. Seitdem fühle ich mich in Flugzeugen nicht mehr wohl. Auf dem Urlaubsflug in diesem Jahr haben mir drei Stunden lang die Hände gezittert vor Angst und Anspannung. Alles ziemlich unschön, wenn man auf einer Insel lebt 😬. Aber nach London für „zwei Schnuckels“ würde ich mich dann doch noch mal überwinden.

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  20. Herba schreibt:

    @Guylty: Oh je, das klingt übel. Hast Du mal über ein Anti-Angst-Seminar zu dem Thema nachgedacht?
    Kann ich gar nicht nachvollziehen *pfeiff* 😉

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  21. Guylty schreibt:

    Ja, nach diesem Urlaub habe ich das zum ersten Mal in Erwägung gezogen. Ich muss unbedingt was dagegen tun, denn ohne Fliegen geht es hier nicht. Hab auch tatsächlich Flugangstseminare hier in Dublin gefunden. Nicht ganz billig – 200 € für einen Tag, aber letztendlich bin ich mir das selbst dann doch wert.

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  22. Herba schreibt:

    @Guylty: Wow, das ist echt happig, aber wenn es funktioniert sicher auch gut angelegt.

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