In der Leseflaute: FanFiction statt ‘richtige’ Bücher

Über meine totale Leseflaute habe ich ja nun in den letzten Tagen immer mal wieder gejammert und gestern bei einem Gespräch darüber dann festgestellt, dass es eigentlich nicht stimmt, wenn ich sage, dass ich gar nichts lese.

Ich lese zwar gerade keine Bücher (auch der neue Roman von Tina Folsom, der auf meinem Kindle schlummert, konnte daran leider auch nichts ändern) aber ich lese nach wie vor FanFiction.

Aktuelle verfolge ich gerade zwei Geschichten, die im Entstehungsprozess sind und wo es, wenn alles gut läuft, einmal die Woche ein neues Kapitel gibt.

Die eine heißt ‚So rot wie Blut‚ und ist eine freie Arbeit auf Deutsch, das heißt sie nimmt nicht direkt Bezug auf eine Serie, einen Film oder ein Buch.
Es geht um einen Serienkiller, der seit Jahren unbemerkt sein Unwesen treibt und nun einer jungen Privatdetektivin aufgefallen ist.
Die Geschichte ist wirklich spannend und ich mag den Schreibstil der Autorin, von der ich schon mehrere Geschichten gelesen habe, recht gern.

Die andere Geschichte bezieht sich auf die Fernsehserie Downton Abbey, heißt ‚A Girl in Black‚ und erzählt, was vielleicht passiert wäre, wenn Lady Mary Sir Richard Carlisle direkt nach dem Untergang der Titanic und bevor sie nähere Bekanntschaft mit Matthew Crawley machen konnte, kennengelernt hätte.
Auf Englisch und schön geschrieben, ist das richtig was fürs Herz und sehr lesenswert, auch wenn die Autorin meiner Meinung nach nicht immer ganz genau die Personen aus der Serie trifft.
Das finde ich aber in diesem Fall nicht so schlimm, weil mich die Story an sich so begeistert hat und ich wunderbares Kopfkino beim Lesen hatte.

Ich hatte mich hier schonmal ganz global-galaktisch (und vielleicht auch etwas wirr) zum Thema FanFiction geäußert und ich glaube auch erzählt, dass mir bis vor knapp zwei oder drei Jahren gar nicht bewußt war, was FanFiction eigentlich genau ist.

Durch das Kennenlernen einer sehr kreativen Fangruppe habe ich ganz viele tolle Geschichten entdeckt.
Zum Teil werden diese in Zeiten von Selfpublishing dann sogar als ‚richtiges‘ Buch veröffentlicht, so wie Northern Light.

Aber auch wenn es sie ‚nur‘ in irgendwelchen Foren zu lesen gibt, sind manche wirklich sehr gut geschrieben und unterhaltsam.
Es ist schwer dazu gute Beispiele zu finden, weil vieles für mich nur Sinn macht, wenn man die Serie/den Film, auf die die FanFiction Bezug nimmt, kennt, aber zum Beispiel die Geschichte ‚Was wäre wenn….?‘, die die Ereignisse von Agatha Christies Miss-Marple-Geschichte ‚Ordeal by Innocence‘ umschreibt, hat mir sehr gut gefallen.

Oder auch ‚Vorbereitung zu „Strike Back“ – wie es nicht in der Presse stand‘ fand ich herrlich und unterhaltsam, auch wenn die Autorin einen sehr eigenen Schreibstil hat.

Eine weitere FanFiction, die ich großartig finde ist ‚Laws of Attraction‘, eine moderen Version von Stolz & Vorurteil.
An ihr kann man leider auch sehen, was bei FanFictions öfter mal passiert:
Der Autor verliert den kreativen Schaffensdrang oder das Interesse an der Geschichte, hat zu viel anderes zu tun oder schlitterte in eine Schreibblockade und schon bleibt die Geschichte unvollendet und der Leser unbefriedigt zurück.
Darum finde ich es als Leser von FanFiction-Autoren sehr nett, wenn sie erst mit dem Veröffentlichen anfangen, wenn die Geschichte wirklich in trockenen Tüchern ist (und wenn sie dann noch ihre eigenen Ratschläge beherzigen würden… *pfeif*).

Leider kann ich euch andere tolle Beispiele für gute FanFiction, die ich schon gelesen habe, nicht zeigen, weil das Forum, in dem ich hauptsächlich lese, nur für Mitglieder einsehbar ist…

Als Leser von FanFiction finde ich es ganz wichtig, fair mit den kreativen Köpfen, die hinter den Geschichten stecken, umzugehen.
Denn auch, wenn man ’nur‘ Hobbyschreiber ist, hat man Zeit und Kreativität investiert und möchte nur ungern zerrissen werden, was nicht heißt, daß höflich formulierte und berechtigte Kritik nicht erlaubt sein sollte.

Ich war schon so oft über FanFictions dankbar, weil der Autor viel besser meinen Geschmack getroffen hat, als Drehbuchschreiber es je könnten und möchte sie darum, zumindest ab und zu, in meinem Lesealltag nicht mehr missen.

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3 Antworten zu In der Leseflaute: FanFiction statt ‘richtige’ Bücher

  1. Servetus schreibt:

    I hate it when I hear people run fanfiction down. It’s true it’s not all great literature, but that’s also true of great literature. Reading fanfiction has provided me with many happy hours of entertainment and comfort.

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  2. Herba schreibt:

    100 percent true for me too.
    I think there are good ones and bad ones but that is all a matter of taste and there are also good books and horrible books!

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  3. Pingback: Legenda 54: Stuff worth reading « Me + Richard Armitage

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