The Best of Enemies (Originalversion)

1971, Durham, North Carolina:
Die Menschenrechtsaktivistin Ann Atwater (Taraji P. Henson) kämpft für bessere Wohnbedingungen, doch ihre Bemühungen werden von der Stadtverwaltung ignoriert beziehungsweise sabotiert.
Als die Schule ihrer Tochter bei einem Brand so schwer beschädigt wird, dass sie eigentlich unbenutzbar wird, kämpft sie dafür, dass die Schüler auf die ‚weiße‘ Schule gehen dürfen.
Ihr schärfster Gegener bei ihrem Bestreben ist der örtliche KKK-Präsident C. P. Ellis (Sam Rockwell). Ein Richter, dem der Fall vorgelegt wird und der sich vor einem Richterspruch drücken will, kontaktiert er den Hochschullehrer und Berater Bill Riddick (Babou Ceesay), der ein Charrette-Verfahren auf die Beine stellt und die beiden befeindeten Lager an einen Tisch bringt…

Nachdem ich diese Woche nach den Nachrichten (Corona-Leugner, Brexit, Wähler-Unterdrückung in den USA) ziemlich deprimiert war, brauchte ich einen Film, der mir – zumindest kurzzeitig – den Glauben an die Menschheit zurückgibt und mich etwas aufbaut.
Meine Wahl fiel auf ‚The Best of Enemies‘, weil die Geschichte gut klang und ich sowohl Henson, als auch Rockwell gerne sehe.
Und beide sind großartig in ihren jeweiligen Rollen. Rockwell spielt den überzeugten Rassist, den ich mochte, obwohl ich seine Einstellung weder teile noch besonders sympathisch finde.
Und ich finde, dass sein C.P. perfekt zeigt, dass Rassisten, Antisemiten und ähnliche Menschen eben nicht immer als minderbemittelte, zutiefst unsympathische Proleten daherkommen, sondern eben auch sympathische Seiten haben können.
Nur macht das eben die Einstellung solcher Menschen nicht besser! Und sie relativiert sie auch nicht!
Aber ich finde es gut, dass C.P. diese Vielschichtigkeit als Figur mitbringt.
Hensons Ann ist eine Naturgewalt, die dauerhaft auf dem Kreuzzug gegen Ungerechtigkeit zu sein scheint, dabei stur vorgeht, aber nie ihre Menschlichkeit verliert.
Sie hilft Menschen, unabhängig davon, ob sie das immer unbedingt verdienen oder nicht. Sie sprüht vor Emotionen, ist warmherzig, wütend, abgespannt, amüsiert und noch vieles mehr und das spielt Henson wirklich ganz wunderbar und mit viel Tiefe.
Andere Figuren wie Riddick oder C.P.s Stellvertreter Floyd Kelly (Wes Bentley) wirken hingegen manchmal etwas schablonenhaft, sprich zu gut oder zu schlecht.
Aber letztendlich ist das verschmerzbar, weil die Geschichte, die einer wahren Begebenheit nachempfunden ist, berührt, aufwühlt und ein Stück weit dann auch froh macht.
Insgesamt halte ich ‚The Best of Enemies‘ für einen gelungen inszenierten Film, der eine Geschichte erzählt, die ein wenig Hoffnung macht, aber für meine Begriffe auch nicht zu viel verklärt, sondern gut zeigt, dass Menschen wie Ann und C.P. Ausnahmen sind und die Mehrheit der Menschheit nicht aus der eigenen Haut herauskann.
Außerdem ist es ein Film, der die Macht des Dialogs und des ‚Ich-gehe-in-den-Schuhen-meines-Gegenübers‘ zeigt, aber eben auch die Grenzen dieser Maßnahmen, wenn eine oder mehrere Parteien nicht offen für Logik, Wissenschaft und ähnliches sind. Keine Doku, keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern ein Unterhaltungsfilm, der unterhält, aber wie gesagt auch einen kleinen Funken positiver Energie mitbringt.
Mich hat er jedenfalls ein bißchen aufgemuntert und ich habe ihn für mich unter ’sehenswert‘ abgelegt.

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Ein englischer Trailer (einen deutschen habe ich leider nicht gefunden)

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8 Antworten zu The Best of Enemies (Originalversion)

  1. Servetus schreibt:

    I saw this, too, and I think Taraji P Henson is a really strong performer. As I remember from the reading I did at the time, the film strongly distorts events (I read the book of research it was based on, but I’ve forgotten the exact details now). I felt about this more or less how I felt about „The Green Book.“ And in the wake of the last year I have little patience for anything that makes the KKK look silly. I would have given the film a B- when I saw it (last fall), but I suspect the last year’s events would probably lower my opinion of it. It did bring awareness of this story to larger audiences, which is positive.

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  2. Herba schreibt:

    @Servetus: Too much focus on the white guy and his perspective?

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  3. Servetus schreibt:

    Yeah — the story ends up being about the transformation of the white guy at the hands of a Black person who makes it all better because the Black person is already so mature, having SUFFERED. (There’s a name for this kind of Black character: the „magical Negro.“) Meanwhile the story of the person who is actually suffering (and how they are suffering, and what their goals are) is minimized.

    I would never say that white people don’t have to work out how our racism affects our lives. I just think that it is not necessarily what the media world needs right now. The focus should be on the suffering and injustices of racism and not on how fixing them makes me feel better.

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  4. Herba schreibt:

    @Servetus: I saw it more as he finally budged because of the things his so called brothers did to his two white co-members of the charrette and not so much because of the kindness of Ann.
    But you are right, the lack of telling about the suffering people is obvious. We finally need stories that are written, directed and produced by the people who live through those stories!

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  5. Servetus schreibt:

    If I remember correctly, that detail didn’t happen, it was added by the filmmakers. The turning point in their relationship really is supposed to have come after they had a discussion about their kids in which it emerged that their children were all taking abuse at school for what they were doing.

    (As a Black friend of mine says all the time, „I am not your convenient opportunity for personal growth.“)

    I think the reason filmmakers often avoid more realistic stories is that they sometimes have a shaming effect on their audiences. But I’m starting not to care. After this summer, I had a very strong feeling of „if not now, when?“ Feel all the shame you like, but that has no bearing on the right of non-white people for legal and social equality in the US.

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  6. Herba schreibt:

    @Servetus: Oh boy. That is disappointing indeed. Not that I am happy when racists walk around and bully people.But I would prefer the crucial point of a movie that tells a true story is in fact true.

    YES!
    I saw a snippet of an interview with an german lawyer of color who does pro bono work for discriminated people. He told the story of a woman who was told she shouldn’t bother to think about racial insults because she was intelligent and strong and the lawyer said in the interview: ‚OF COURSE she should be insulted because…well she WAS insulted!‘. It’s her right to take legal action and the person who insulted her should have to feel some sort of consequence (even if the laws here for that kind of thing are not very efficient)

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  7. Servetus schreibt:

    And they’re much better in Germany than they are in the US. But the thing is that if people don’t press charges, nothing will change. Someone’s gotta do it and we shouldn’t make them into the bad guy for doing it.

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  8. Herba schreibt:

    Servetus: Absolutely. I only wish I would live in a country that had better laws to protect victims

    Gefällt 1 Person

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