Das Treffen

Sein Gesicht verriet nichts von der grimmigen Angespanntheit, die er in sich trug.
Zurück auf mexikanischem Boden fühlte er sich nicht gerade wohl, denn bei seinem letzten Besuch war in Mexico City ein halber Häuserblock explodiert und die Parade zu den Feierlichkeiten zum Tag der Toten ordentlich durch einen Helikopter in Unordnung gebracht worden, der trudelnd über die Menge gebraust und fast abgestürzt war.

Mallory erinnerte sich vermutlich auch noch ganz genau daran, schließlich war er der Boss und mußte für alles, was im Feld schief lief, den Kopf hinhalten, vor allem wenn solch ein Vorfall an die Öffentlichkeit drang und Schlagzeilen produzierte.

Zum Glück war dieses Mal die Wahrscheinlichkeit eines internationalen Zwischenfalls gering, denn er brauste nur in Begleitung von Mallory in einem vollklimatisierten Land Rover, der durch seine matt olivgrüne Farbe gut getarnt war, durch die Sonora-Wüste, um sich in einem abgelegenen Tal mit einem geheimnisvollen Verbündeten zu treffen, der laut Mallory wichtige Informationen mit ihnen teilen wollte.
Was er von diesem Treffen hielt, spielte keine Rolle, denn er schuldete Mallory einiges und wenn er ihn dabei haben wollte, fühlte er sich verpflichtet, den Anordnungen seines Bosses ausnahmsweise einmal Folge zu leisten und ihn zu diesem ominösen Treffpunkt am Arsch der Welt zu begleiten.

Das gleichmäßig hohe Tempo des Wagens und der Anblick der vorbeiziehenden Riesenkakteen beruhigte ihn in seiner Angespanntheit.
Die Saguaros lieferten wirklich einen majestätischen Anblick und er fand es beruhigend, dass es Lebewesen auf der Erde gab, die unter Umständen 200 Jahre alt werden und ein normales Menschenleben ohne Probleme überdauern konnten.
Außerdem kümmerte es diese großen Pflanzen keinen Deut, welche Machtspielchen sich die Menschen gerade mal wieder ausdachten. Sie standen einfach da, wuchsen, vermehrten sich und starben irgendwann und das war es.

Und auch wenn ihm mittlerweile klar war, dass er nie so ein ereignisloses Leben führen, sondern bis zu seinem letzten Atemzug der bleiben würde, der er war, freuten ihn die Gedanken daran.
Ja, sie mußten ihm sogar ein kurzes Lächeln entlockt haben, denn Mallory sah ihn nun von der Seite an und fragte:
‚Was gibt’s denn da zu schmunzeln?‘
‚Ich dachte gerade über das Leben der Riesenkakteen nach…‘
Und wo jeder andere vermutlich weiter nachgefragt oder aus Unverständnis den Kopf geschüttelt hätte, nickte der ehemalige SAS-Mann Mallory und murmelte:
‚Ich verstehe…‘

Er entschloss sich dazu einen weiteren Vorstoss zu wagen, um endlich zu erfahren, wen und warum sie bald treffen würden:
‚Wollen Sie mir nicht endlich sagen, mit wem wir uns treffen?‘
Mallory schüttelte den Kopf.
‚Nein, wir sind nämlich da!‘
Durch die Frontscheibe sah er einen anderen Land Rover, der neben einem besonders großen Saguaro und im Schutz einer Felsformation geparkt war und aus dem nun ein Mann ausstieg, auf dessen Glatze sich das helle Licht der Wüste spiegelte.
Er hielt den Wagen an und stieg zusammen mit Mallory aus, der auf den anderen Mann zuging und ihm freundschaftlich auf die Schulter klopfte.
‚Hamish, mein Freund! Gut, Dich mal wieder zu sehen!!!‘
‚Gareth, altes Haus! Ich wünschte, wir hätten uns unter besseren Umständen treffen können!‘

Genervt trat er von einem Fuß auf den anderen und hüstelte schließlich gekünstelt.
‚Ich störe ja nur ungern, aber würde mir endlich mal jemand erzählen, was ich hier soll?!‘
Mallory schaute ihn leicht schuldbewußt an.
‚Natürlich, natürlich! Darf ich vorstellen, das ist mein alter Freund Hamish, Deckname Merlin.
Er arbeitet für eine geheime Organisation und hat mich kontaktiert, weil es einige besorgniserregende Entwicklungen gibt, die…‘

‚Merlin???‘
Vermutlich war ihm nun die Skepsis ins Gesicht geschrieben. Was war das nur für ein dämlicher Deckname? Noch dazu wo dieser Merlin nicht gerade kampferprobt aussah. Und von welcher geheimen Organisation, die dem MI6 offensichtlich nicht feindlich gesonnen war, war hier die Rede?

‚Ja, Merlin. Namen aus der Zeit von King Arthur haben bei uns Tradition. Mehr darf ich nicht sagen, sonst müßte ich Sie leider umbringen!‘
Von wegen umbringen! Der sah aus, als wüßte er nicht mal wo an einer Glock vorne und hinten war.
Und hatte die Glatze ihm grade zugezwinkert?
Nun bekam er wirklich schlechte Laune. Wollte Mallory ihn verarschen?!?!

‚Und mit wem habe ich das Vergnügen?‘ wollte dieser Merlin nun wissen.
Er musterte ihn von oben bis unten und erwiderte dann auf seine gewohnte Art und Weise:
‚Mein Name ist Bond. James Bond!‘

* * * * * * * * * * * * * * * * *

Dieser Text ist für das Gemeinschaftsblogprojekt von Poe und mir entstanden; das Thema ‚Mach was…mit Kakteen‘.
Die Geschichte wurde von Figuren aus verschiedenen Spielfilmen beziehungsweise durch ein Gespräch über Crossovers inspiriert. Eine Urheberrechtsverletzung ist damit nicht beabsichtigt!
Gesamter Text © Herba für ‚Unkraut vergeht nicht…oder doch?‘
Bitte nicht ungefragt zitieren oder weiterverwenden!!!

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6 Antworten zu Das Treffen

  1. Pingback: Gemeinschaftsblogprojekt ‘Mach was!’ – Ergebnis #37 und neues Thema | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

  2. rina.p schreibt:

    Schöner Schreibstil. Ich konnte fast sehen, wie er an den Kakteen vorbei fuhr. 🙂

    Gefällt mir

  3. Herba schreibt:

    @rina.p: Danke schön. Das Ganze war etwas improvisiert, aber eigentlich bin ich mit dem Endergebnis auch ganz zufrieden 🙂

    Gefällt 1 Person

  4. rina.p schreibt:

    Auf jeden Fall – lässt sich sehr gut lesen und macht Lust auf mehr.

    Gefällt 1 Person

  5. Pingback: Die Wanderung | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

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