Die Wanderung

Dieser Text ist eine Fortsetzung dieser Geschichte, die ich im April hier auf dem Blog veröffentlicht habe.

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Zwei Wochen war das geheime Treffen in der Sonora-Wüste nun her und alle Teilnehmer befanden sich wieder auf englischem Boden.
Mallory alias M kümmerte sich um das Tagesgeschäft als Chef des MI6, Merlin hatte irgendetwas davon gemurmelt, dass der aktuelle Jahrgang Gin noch abgefüllt werden musste und war dann weiß Gott wohin verschwunden und er selbst hockte in einem zugigen Landhaus irgendwo in Norfolk, das definitiv schon bessere Zeiten gesehen hatte, hörte dem Rauschen der nicht weit entfernten See zu und wartete. Und beim Warten fluchte er still vor sich hin.

Er verfluchte seinen Chef, der ihn zu dieser Untätigkeit verdammt hatte und er verfluchte den glatzköpfigen Merlin, der sich bei ihm melden und ihn mit Infos zu einem Gegner versorgen sollte, der im Vereinigten Königreich für unglaublich großen Schaden sorgen würde, wenn sie ihn nicht aufhalten könnten-
Oder zumindest hatte das dieser Merlin behauptet und M schien ihm, warum auch immer, zu glauben, obwohl er nicht viel mehr Informationen preis gegeben hatte.

Als er sich gerade einen Tee überbrüht hatte und mit der heißen Tasse in beiden Händen vor die Haustür getreten war, um kurz frische Luft zu schnappen, rumpelte ein altersschwacher Kombi den Feldweg zum Cottage hinauf und der Mann, der am Steuer saß, hob grüßend die Hand.
Sein Name war Sam Welsh, er verwaltete einige der alten Gemäuer in den Norfolk Broads, kannte sich wie kein Zweiter in der rauen Gegend aus und er vermutete, dass Sam in einem früheren Leben entweder beim britischen Geheimdienst oder in der Armee gedient hatte.

„Nen guten Morgen Mr. Bond!“
„Guten Morgen Sam! Na, alles klar daheim?“
„Aber klar Sir. Ich hab Nachricht von unsrem gemeinsamen Freund. Er will sich heute Abend um 23 Uhr an der alten Wasserpumpe am Rand des Wet Woodland mit Ihnen treffen…“
Sam nannte nie irgendwelche Namen und sagte immer nur genau so viel, wie nötig war.
„Finde ich das denn im Dunkeln?“
„Aber klar. Ich habe Ihnen den Weg auf dieser Karte markiert und so lange der Himmel klar bleibt, sollten Sie keine Probleme kriegen.“
Bevor Bond noch irgendetwas erwiedern konnte, hatte Sam ihm eine Karte in die Hand gedrückt und war wieder in sein Auto gestiegen.
Dann tippte er sich grüßend an eine imaginäre Mütze, wendete den Kombi und fuhr langsam davon.
Bond ging mit der Karte zurück ins Haus, um sie genau zu studieren und sich die nötige Ausrüstung für seine nächtliche Wanderung zusammenzusuchen.

Einige Stunden später wanderte eine dunkel gekleidete Gestalt mit einem Rucksack auf dem Rücken und einer Mütze tief in die Stirn gezogen zügig durch die verwachsene Landschaft.
Wenn ein anderer Mensch unterwegs gewesen wäre und genau hingehört hätte, hätte er die Gestalt leise vor sich hinbrummeln hören können:

„Klarer Himmel, das ich nicht lache! War ja klar, dass es ausgerechnet heute Abend regnen muss!“
Verstimmt schaute er in den tief verhangenen, dunklen Himmel, an dem weder Mond noch ein einziger Stern zu sehen war.
Bond hatte keine wirkliche Sorge, die Wasserpumpe zu verfehlen und auch der Regen machte ihm im Prinzip wenig aus, aber diese ganze Unternehmung ging ihm gegen den Strich, schon seit er mit M nach Mexiko geflogen war, auch wenn er nicht genau sagen konnte, wieso das so war.
Durch seine Grübelei achtete der erfahrene Agent nicht mehr genau auf den Untergrund, der vor ihm lag und bevor er sich versah, sank er bis zum Knie in einem versumpften Erdloch ein und schlug der Länge nach hin.

„VERFLUCHTE SCHEIßE!!!!!“

In einem Gebüsch rechts von Bond raschelte es und er hörte ein leises Kichern.
„Mensch Gareth, hast DU nicht behauptet, er wäre einer Deiner Besten? Wie soll er denn gegen die Organisation von Joseph Morningstar bestehen, wenn er nichtmal gradeaus laufen kann?“
„Nun übertreib mal nicht Hamish! Es ist dunkel und mit Nachtsichtaugen sind meine Agenten nunmal nicht ausgerüstet.“
Bond meinte auch bei der zweiten Stimme einen leicht amüsierten Unterton heraushören zu können.
„Na gut, dann komm! Helfen wir ihm mal auf, bevor er noch komplett durchweicht oder sich ein rheumatisches Fieber einfängt.“

Nun kamen zwei Männer langsam auf Bond, der immer noch auf dem Bauch am Boden lag, zu.
Doch bevor einer der Beiden Bond an der Schulter berühren konnte, rollte sich dieser behänd auf den Rücken, seine Walther PPK im Anschlag.

„Hände hoch Arschloch!!!“

Erschrocken hob der Mann, der eben noch über Bond gelästert hatte, die Hände.
„Hey, ich bin’s Merlin! Nicht schießen, ich bin einer von den Guten!“
Hinter ihm tauchte nun auch M, Bonds Boss auf.
„Lassen Sie den Scheiß Bond und nehmen Sie die Waffe runter! Wir müssen dringend reden.“

Bond sicherte seine Waffe, rappelte sich auf und entfernte sich schnell ein paar Schritte von dem Schlammloch.
„Was gibt’s denn? Darf ich nun endlich mal erfahren, um welche Hirngespinnsten es bei der ganzen Sache geht!?!“
M seufzte und runzelte die Stirn. Bond war in der Tat einer seiner besten Agenten, aber er war nicht gerade mit viel Geduld gesegnet und so recht konnte er ihm das in diesem Fall nicht verdenken.

„Merlin hat herausgefunden, dass ein Großindustrieller namens Joseph Morningstar sich an der Queen rächen will und deswegen ganz Großbritannien lahm legen wird, wenn sein Plan aufgeht.
Wir wissen leider immer noch nicht WIE, aber eine Attacke steht wohl unmittelbar bevor.
Daher habe ich entschieden, dass Sie zusammen mit Merlin ins Hauptquartier nach London zurückkehren und soch dort erst einmal von Q mit der neuesten Ausrüstung ausstatten lassen, während wir weiter die neuesten Informationen analysieren, um Morningstars Ziel zu lokalisieren und ihn dann zu stoppen.
Merlin wird an Ihrer Seite bleiben und zeitgleich alle Ressourcen seiner Organisation nutzen, um seinerseits herauszufinden, was Sache ist.“

Sofort brauste Bond auf. „Dafür mussten wir im Dunkeln durch die Walachei latschen? Und wieso soll ich denn nun plötzlich mit diesem Glatzenpeter gemeinsame Sache machen. Ich arbeite lieber allein.“
M’s Ton, als er dem Agent antwortete, war eisig und liess keinen Zeifel daran, wer der Chef war: „Weil ICH es sage und Merlin Sie im Ausseneinsatz sehen wollte….sonst noch Fragen?“
Betont jovial schlug ihm dieser Merlin auf die Schulter, zwinkerte Bond zu und meinte dann:
„Mach Dir keine Sorgen mein Freund. Bond und ich werden das Kind schon schaukeln und wenn ich ihm erstmal Galahad und Eggsy vorgestellt habe, wird er sich schon locker machen.

„Können wir jetzt gehen? Ich hab nasse Füße und die Nase voll von dieser Nachtwanderung.“
Ohne eine Antwort abzuwarten und weiter auf Merlin und M zu achten, stapfte Bond los in Richtung Cottage, wandte seinen Blick genervt gen Himmel, der nun aufgeklart und sternenklar war und brummte:
„Macht Prinz Eisenherz auch bei dem Einsatz mit? Ist doch wirklich nicht so fassen. Fehlt nur noch, dass Q mir Excalibur andrehen will…“

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Dieser Text ist für das Gemeinschaftsblogprojekt von Poe und mir entstanden; das Thema ‚Mach was…mit Sternen‘.
Die Geschichte wurde von Figuren aus verschiedenen Spielfilmen inspiriert. Eine Urheberrechtsverletzung ist damit nicht beabsichtigt!
Gesamter Text © Herba für ‚Unkraut vergeht nicht…oder doch?‘
Bitte nicht ungefragt zitieren oder weiterverwenden!!!

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