Harriet – Der Weg in die Freiheit (Originalversion)

Maryland, 1849:
Araminta „Minty“ Ross (Cynthia Erivo) ist Sklavin auf einer Farm, durfte jedoch den freien Schwarzen John Tubman (Zackary Momoh) heiraten. John hat Kontakt zu einem Anwalt aufgenommen, um Mintys Besitzer Mr. Brodess (Mike Marunde) zu beweisen, dass Minty, ihre Mutter (Vanessa Bell Calloway) und ihre Geschwister eigentlich frei sein sollten, weil das Brodess verstorbener Vater so verfügt hatte.
Doch Brodess will davon nichts wissen und sein Sohn Gideon (Joe Alwyn) verfolgt Minty mit seinem Hass.
Schließlich flieht Minty und wird als Harriet Tubman zu einer wichtigen Säule der Untergrundorganisation ‚Underground Railroad‚, die Sklaven befreit…

Harriet Tubman dürfte einer der bekanntesten Namen im Zusammenhang mit Skalvenbefreiung in den USA überhaupt sein.
Trotzdem hatte ich mich bisher relativ wenig mit ihr beschäftigt und mich daher sehr auf den Film gefreut, auch wenn ein Unterhaltungsfilm natürlich keine Dokumentation oder gut recherchierte Biographie ersetzen kann.
Leider konnte ich ‚Harriet – Der Weg in die Freiheit‘ nicht im Kino sehen, daher hat es dann auch bis Ende des Jahres gedauert, bis ich die Muse dazu hatte.
Und ich muss sagen, dass mich die Britin Cynthia Erivo als Harriet wirklich begeistert hat. Obwohl sie so eine kleine Frau ist, strahlt sie wahnsinnig viel Kraft und Durchhaltevermögen aus und ich denke, dass das auch die echte Harriet mit diesen Eigenschaften gesegnet gewesen sein muss, sonst hätte sie sicher nicht so erfolgreich tun können, was sie tat.
Gleichzeitig habe ich beim Anschauen aber auch ihren Schmerz und ihre Verletzlichkeit gespürt, die Harriet ebenfalls immer mit sich herumgetragen haben muss.
Schließlich war ihr sehr bewußt, dass sie, ihre Mutter und ihre Schwestern im Gegensatz zu ihrem Vater Ben (Clarke Peters) nicht frei, sondern Sklaven waren. Ihre Schwestern wurden verkauft wie Vieh und auch Minty sollte verkauft werden, als sie für den Besitzer zu ‚aufsässig‘ wurde.
Ebenfalls großartig spielt Joe Alwyn den Sohn von Mintys Besitzer, der einfach nicht von Minty lassen kann und sie unbarmherzig verfolgt. Ob aus Hass oder Liebe oder aus dem Wissen heraus, sie zu besitzen, läßt der Film für ich offen und bietet so für den jeweiligen Zuschauer eigenen Raum für Interpretationen.
Neben den Schauspielern – der ganze Cast ist stimmig zusammengestellt – hat mir aber auch die Bildsprache des Film, der Soundtrack und die Kostüme gefallen, die Minty in ihrem zweiten Leben als Harriet trägt.
Und ich fand es sehr gut, dass der Film Gewalttaten gegen Sklaven oder allgemein Farbige nur andeutet, die Gewalt, Ungerechtigkeit und den Schrecken, der daraus entstand, aber meiner Meinung nach dennoch gut transportiert.
Erstaunlich fand ich die Tatsache, dass Harriet nach einer Kopfverletzung wohl immer wieder ‚Anfälle‘ hatte, die sie für Botschaften von Gott hielt. Auch das hat der Film für mein Dafürhalten gut inszeniert. Harriet wird nicht als wunderlich oder verrückt dargestellt, sondern als besondere Frau, die sie ja auch war.
Gern hätte ich noch mehr über Harriets Wirken im amerikanischen Bürgerkrieg erfahren, dieses Kapitel ihres Lebens wird im Film nur ganz kurz angerissen, aber ich kann verstehen, dass die Macher sich eher auf ihre Tätigkeit als Skalvenbefreierin konzentriert haben. Trotzdem muss auch das ein spannender Teil ihres Lebens gewesen sein.
Insgesamt halte ich ‚Harriet – Der Weg in die Freiheit‘ für absolut sehenswert. Ein Biopic, das berührt, ohne ins Kitschige abzugleiten und die wichtige Geschichte einer bewundernswerten, tapferen Frau erzählt, die für Menschen in den USA (aber nicht nur dort), ein Vorbild sein sollte.
Es sollten viel mehr Geschichten über nicht-weiße Identifikationsfiguren Einzug in unsere (Pop)Kulutr halten! Und bitte filmisch so gut (oder noch besser) umgesetzt, wie hier!

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Ein englischer Trailer

Ein deutscher Trailer

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7 Antworten zu Harriet – Der Weg in die Freiheit (Originalversion)

  1. Servetus schreibt:

    I agree with everything you say here. Like you, I was impressed with how the film dealt with the issue of her „visions“ (were they the result of a traumatic brain injury, which is what we say today in history classes). I also think the film did really well with portraying the figure of Gideon Brodess — about whom practically nothing is known. I found that character drawn believably but without exaggeration. (And Joe Alwyn was good in the role, as we have discussed before — every time I see him I am a little more impressed.) And i liked that they didn’t hide that Harriet herself could be brutal when she had to be.

    re: Harriet Tubman in the Civil War: I think the issue is that most of her participation was more in the line of nursing and spying than it was in actual military operations and those things are harder to put on film. The Combahee Raid was an exception rather than typical. But it makes for great cinema!

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  2. Esther schreibt:

    Dieser Film steht auch noch auf meiner Liste, hatte ich ja fast wieder vergessen. Werde ich mir bestimmt noch anschauen, vorallem wenn ich jetzt so lese, dass es auch noch ein guter Film ist.

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  3. Herba schreibt:

    @Servetus: Yes, Alwyn is really good in this and a great opponent for Erivos Harriet. It will be really intersting to watch how his carrier will progress over the next years.

    From some professional reviews I’ve got the impression she did a lot of fighting in the war, so thanks for the clarification.

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  4. Herba schreibt:

    @Esther: Ich finde es lohnt sich und gut unterhalten habe ich mich auch gefühlt.

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  5. nettebuecherkiste schreibt:

    Klingt gut, werd mal die Augen danach offenhalten 🙂

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  6. Herba schreibt:

    @Nette: Ja, das dürfte echt was für dich sein 🙂

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  7. Pingback: Krimis und ich | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

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