Follies (National Theatre London live)

Am vergangenen Donnerstag gab es endlich mal wieder Theater live im Kino meines Vertrauens und dieses Mal konnten wir sogar wieder Karten im Vorfeld kaufen und waren nicht auf die Abendkasse angewiesen – ein Wunder?! 😉

Gezeigt wurde ‚Follies‚, ein Musical von Stephen Sondheim und James Goldman, dessen Ursprungsinszenierung 1971 mit 7 Tony Awards ausgezeichnet wurde.

Bevor es los ging, sahen wir ein Einstimmungsvideo, das unter anderem Interviewausschnitte mit Sondheim selbst enthielt, der immer noch erstaunt ist, daß ein Musical ohne große Handlung so erfolgreich sein kann.

Und darum geht es:

Als das legendäre New Yorker Weissman-Theater 1970 geschlossen werden soll, läd Dimitri Weismann (Gary Raymond) zu einer großen Party ein. Unter anderem erscheinen auch die ehemaligen Revuetänzerinnen Sally (Imelda Staunton) und Phyllis (Janie Dee) mit ihren Ehemännern Buddy (Peter Forbes) und Ben (Philip Quast).
Und während viele der ehemaligen Tänzer und Sänger ihre alten Nummern ein letztes Mal zum Besten geben, verlieren sich die beiden Ehepaare in Erinnerungen an die gute, alte Zeit, die die Unzufriedenheit mit ihrem aktuellen Leben auf einen neuen Höhepunkt steigert….

Musicals gehören ja nun nicht unbedingt zu meinen liebsten Film- bzw. Bühnenwerken und ich habe ja durchaus auch schon die ein oder andere NTlive-Übertragung ausfallen lassen, wenn ich im Vorfeld das gefühl hatte, daß mich das so gar nicht interessiert, aber aus irgendeinem Grund kam mir das hier gar nicht in den Sinn und ich saß pünktlich treu und brav im Kino.

Besonders gut gefallen haben mir die Kostüme der Revuegirls, die die jungen Versionen der Tänzerinnen spielten, auch wenn die ein oder andere Kopfbedeckung doch ein wenig merkwürdig anmutete.
Ich fand, daß die Produktion das Flair dieser vergangen Zeit mit den glamourösen Bühnenstars genauso gut wie die Wehmut des Vergangenen vermittelt. Ich als Zuschauer wäre jedenfalls gerne in diese vergangene Zeit gereist, um den Revuegirls einmal wirklich in New York zuschauen zu können.

Das Enselmbe war meiner Meinung nach gut zusammengestellt und macht darstellerisch einen guten Job. Stimmlich war zwar keine Granate dabei, aber es gab auch keinen, der negativ aufgefallen wäre und auch tänzerisch wirkte alles authentisch.
Die Lieder sind eingängig und bis auf eine Nummer, die auf meine Ohren ein wenig schrill opernhaft wirkte, auch auf jeden Fall gut hörbar. Allerdings war kein Song dabei, der sich in mein Gedächtnis eingebrannt oder das Bedürfnis geweckt hat, ihn noch einmal zu hören.

Von den Hauptdarstellern ist Imelda Staunton der einzige Hochkaräter, aber ich muss sagen, daß sie mir von den Vieren am wenigsten gut gefallen hat, weil sie mir gerade zum Höhepunkt der Handlung zu übertrieben agierte.
Für ihre Martha in ‚Who’s afraif of Virginia Woolf‚ war das okay, bei ihrer Sally hat es mich leider gestört.
Und auch von den Figuren hat mich Sally am wenigsten berührt, auch wenn ich eigentlich Mitleid mit ihr hätte empfinden müssen, schließlich hat ihr Ben in jungen Jahren ziemlich übel mitgespielt.
Mein Mitleid ging allerdings nur an Buddy und Phyllis und ich war ziemlich erleichtert, daß Ben am Ende die Kurve bekommen hat!

Insgesamt war es ein nettes Theatererlebnis, das den Horizont der NTlive-Vorstellungen erweitert und mir gut gefallen hat, das ich definitiv aber nicht wiederholen müßte.

‚Follies‘ bei NTlive

Ein Trailer

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2 Antworten zu Follies (National Theatre London live)

  1. Servetus schreibt:

    My personal prejudice: Sondheim is much better when listened to on an audio-CD in my living room, with a bottle of wine, than watched on stage.

    Gefällt mir

  2. Herba schreibt:

    @Serv: *lol* I fear I haven’t that much experience with him and his music

    Gefällt 1 Person

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