We own this City (Originalversion)

Baltimore, 2003 – 2017:
In einer der gefährlichsten Großstädte Amerikas ermitteln die Polizisten der ‚Gun Trace Task Force‘, einer Sondereinheit des Baltimore Police Departments.
Die Mitglieder der Sondereinheit, die offiziell als Helden gefeiert werden, weil sie gegen das Verbrechen kämpfen, unterschlagen systematisch Geld und Drogen, fälschen Abrechnungen für Überstunden, fallen durch Polizeigewalt auf und führen illegale Durchsuchungen aus.
Dabei geraten sie schließlich selbst in den Fokus der US-Justiz…

Ich bin durch das Mitwirken von Josh Charles auf die sechsteilige Miniserie aufmerksam geworden, der den Polizisten Daniel „Danny“ Hersl spielt.
Und da mich das Thema interessiert und es einfacher ist, eine Miniserie zu schauen, als das gleichnamige englische Sachbuch* von Justin Fenton zu lesen, nach dessen Vorbild die Serie inszeniert wurde, habe ich mir vor kurzem die sechs Teile angeschaut.
Leider bleibt für meinen Geschmack bei der Inszenierung dieser interessanten und schockierenden, wahren Geschichte einiges zu wünschen übrig.
Zum einen finde ich hier die nicht-lineare Erzählweise nicht sonderlich zielführend. Gerade für Zuschauer, die kein Vorwissen haben, dürfte das Springen zwischen den verschiedenen Zeitebenen sehr verwirrend sein.
Und für Zuschauer, die wissen, was ungefähr passieren wird, weil sie die amerikanischen Nachrichten dieses Zeitraums verfolgt haben, macht diese Erzählweise auch wenig Sinn, weil sie ja sowieso wissen, wie das ganze ausgehen wird.
Anders als in anderen Produktionen wird dadurch hier auch keine Spannung erzeugt.
Ein wenig mehr Spannung hätte der Miniserie aber auf jeden Fall gut getan. Natürlich kann man keine wilden Verfolgungsjagden inszenieren, wo es keine gab, wenn man eine wahre Geschichte erzählen möchte.
Aber die vielen Szenen, in denen die Zuschauer Polizisten zusehen, wie sie andere Polizisten per Wanze belauschen, ziehen sich schon sehr.
Vielleicht auch, weil ‚We own this City‘ eben nicht ‚The Wire‘ ist, auch wenn bei beide Serien die gleichen Produzenten verantwortlich sind.
Nach Sympathieträgern sucht man bei den vielen Figuren auch fast vergeblich. Einzig Wunmi Mosaku als Bürgerrechtsanwältin Nicole Steele und Dagmara Domińczyk als FBI-Agentin Erika Jensen haben für etwas Sympathie bei mir gesorgt.
Schauspielerisch liefert der Cast allerdings durchaus ab. Allen voran Charles, als rassistischer und aggressiver Polizist Hersl und Jon Bernthal als Chef der Sondereinheit Wayne „Jenks“ Jenkins.
Das war zwischendurch schon gutes Kino, was da geboten wird. Mir ging aber nach spätestens drei Folgen das Machogehabe der Task Forceler ziemlich auf den Keks. In dieser Form kenne ich das zum Glück nur von unsrem Familienhund, wenn der seine fünf Minuten hat, einem anderen Rüden zeigen muss, wie männlich er doch ist und sich dafür in Pose schmeißt.
Für mich wirft die Serie vor allem die Frage auf, wie Korruption und dann auch noch in dieser krassen Form in einem Rechtsstaat geduldet, ja sogar stellenweise unterstützt, werden kann.
Die Antwort liegt für mich irgendwo zwischen Ignoranz und weißem Privileg, auch wenn viele der Task-Force-Angehörigen selbst PoC sind.
Gut gefallen hat mir, dass die Serie genau diese Ratlosigkeit, was die Ursachen angeht, transportiert und auch vermittelt, dass die Verurteilung einiger der Polizisten zwar ein Anfang ist, aber nur etwas bringt, wenn sich systemisch auf lange Sicht etwas ändert.
So würde ich ‚We own this City‘ als durchaus informative, aber nicht immer wirklich unterhaltsame Miniserie einordnen, die man meiner Meinung nach definitiv nicht gesehen haben muss – vor allem, wenn man (leichte) Unterhaltung sucht.

‚We own this City‘ bei HBO
‚We own this City‘ bei Sky Deutschland
‚We own this City‘ als Stream bei Prime Video (*Affiliate-Link)
Die Serie im deutschen Fernsehen – Termine

Ein englischer Trailer

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2 Antworten zu We own this City (Originalversion)

  1. Wortman schreibt:

    Ich wollte da eventuell auch mal reinschauen.

    Gefällt mir

  2. Herba schreibt:

    @Wortman: Na, da bin ich dann gespannt, wie Dir das gefällt.

    Gefällt mir

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