Arte zeigt am 1.2. die Dokuserie ‚Rottet die Bestien aus‘

 
 
Wie hängen Kolonialismus und Imperialismus mit Völkermorden und Überlegenheit der Weißen zusammen?
 
 

Regisseur und Drehbuchautor Raoul Peck (von ihm stammt unter anderem der Film ‚I am not your Negro‚) läßt die Geschichte des Kolonialismus Revue passieren, hinterfragt gleichzeitig wie Geschichte dargestellt wird und stellt die in unserer Gesellschaft tief verankerte Ideologie der weißen Überlegenheit an den Pranger.
Dabei schlägt Peck eine Brücke von der Ausrottung der amerikanischen Urbevölkerung über den Sklavenhandel bis zum Holocaust.
Sein Filmessay ist aufrüttelnd und zutiefst persönlich erzählt und beschäftigt mich auch Tage, nachdem ich die vier Folgen gesehen habe, noch sehr.
Zugegebenermassen liegt mir die Mischung aus Originalaufnahmen, nachgestellten Szenen, Animationen und alten Fotos und Zeitungsausschnitten nicht sonderlich, weil das alles stark fragmentiert wirkt und mir manchmal auch zu stark von einem Thema zum nächsten springt. An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir definitiv einen ausführlicheren Erzählstil gewünscht.
Aber die Erklärung der Zusammenhänge zwischen Kolonialismus, Genozid und weißer Vorherrschaft, halte ich trotzdem für durchaus gelungen.
Mir sind diese Zusammenhänge nicht neu, genausowenig wie die Tatsache, dass auch wir Deutschen Kolonialismus betrieben und in Afrika mindestens einem Genozid verursacht haben, vermutlich aber nur, weil ich relativ geschichtsinteressiert bin und beruflich schon mit einem kolonialen Archiv zu tun hatte.
Daher finde ich, dass über die historischen Fakten und genau die Zusammenhänge, die Peck in seiner Dokumentation thematisiert, nicht genug gesprochen wird.
Denn ich bin fest davon überzeugt, dass wir erst etwas ändern können, wenn wir verstehen, woher manche Dinge kommen, die wir ’schon immer so gemacht haben‘ (ein wunderbares Totschlagargument).
So manches, was Peck zeigt, egal ob es sich um nachgestellte Szenen mit Schauspielern handelt (unter anderem Caisa Ankarsparre, Richard Brake, Ettore D’Alessandro, Alex Descas, Josh Hartnett, Fraser James, und Aïssa Maïga) oder ob es um authentische Fotografien geht, ist schwer ertragbar und gewalttätig, auch wenn Peck in der Inszenierung nie zu graphisch wird.
Peck baut seine Dokumentation übrigens nach dem gleichnamigen Buch des schwedischen Autor und Literaturhistoriker Sven Lindqvist auf, das ich nun auf meine Leseliste gesetzt habe, weil mich interessiert, ob das Buch noch tiefer in die Thematik eintaucht, wovon ich eigentlich ausgehe.
Insgesamt halte ich ‚Rottet die Bestien aus‘ für sehenswert und würde mir wünschen, dass der Themenkomplex Eingang in die ein oder andere Schulstunde halten würde!

‚Rottet die Bestien aus‘ bei Arte (zur Zeit sind alle vier Folgen dort als Stream abrufbar)
‚Exterminate all the Brutes‘ bei HBO
Die Dokuserie im deutschen Fernsehen – Termine

Ein englischer Trailer

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5 Antworten zu Arte zeigt am 1.2. die Dokuserie ‚Rottet die Bestien aus‘

  1. aradaghast schreibt:

    Worth to be watched . But, je suis incapable de le regarder. Trop dur!

    Gefällt 1 Person

  2. Herba schreibt:

    @aradaghast: It sure is sometimes hard to watch.

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  3. Michele Marsh schreibt:

    I’ll seek this out. I studied colonialism in college so thus definitely sparks my interest

    Gefällt mir

  4. Herba schreibt:

    @Michele: Bits of it are a bit artsy for my taste, but it sure was an interesting watch, so go for it!

    Gefällt 1 Person

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