Montagsfrage: Autor*innen mit kontroversen Ansichten?

Ein neuer Montag und eine neue Montagsfrage von Antonia von ‚Lauter & leise‚.

Wer nicht weiß, was die Montagsfrage eigentlich ist, kann hier nachlesen und zur aktuellen Montagsfrage (mit Teilnehmerliste) geht es hier.

Antonia möchte wissen:
Wie gehst du damit um, wenn sich herausstellt, dass ein Autor, dessen Bücher du sehr schätzt, Auffassungen äußert, mit denen du nicht übereinstimmst?

Puh, was für eine interessante, aber auch schwierige Frage.
Im Normalfall beschäftige ich mich nicht wirklich viel mit den Autor*innen, die ich lese. Ich weiß also das, was der Verlag irgendwo im oder am Buch über die jeweilige Person preisgibt, aber das war es auch schon.
Und dass so ein Werbetext und nichts anderes ist das ja, natürlich nicht damit hausieren geht, wenn jemand irgendwie auffällig wird, dürfte klar sein.
Ich komme also erst gar nicht in die Verlegenheit, mir Gedanken darüber zu machen, ob ich das nun lese, oder nicht.

Anders sieht es aus, wenn ein/e Autor*in in seinen Büchern irgendwelche merkwürdigen Ansichten äußert oder mir durch versteckten Rassismus, Frauenfeindlichkeit oder ähnliches auffällt. Dann verschwindet die betreffende Lektüre ganz schnell von meiner Leseliste.

Und dann gibt es noch die (bei mir) seltenen Fälle wie JK Rowling. Sie fällt immer mal wieder durch diskriminierende Aussagen auf und ist so bekannt, dass ich das zwangsläufig mitbekommen habe.
Dadurch hat sie mich tatsächlich in ein gewisses Dilemma gebracht, denn sie schreibt mit ‚Strike‘ eine meiner Lieblingskrimiserien.
Ich habe mich also, zugegebenermassen eigennützig, erstmal dazu entschieden Autorin von ihrem Werk zu trennen und mir beim letzten Strike-Buch eine eigene Meinung darüber zu bilden, ob sie hier transfeindlich schreibt.
Was sie meiner Meinung nach im Übrigen nicht getan hat. Meine Bemerkung im entsprechenden Post zum Buch dazu:

„Nun noch ein kurzer Nachsatz zum Autor.
Ich habe lange überlegt, ob ich das überhaupt thematisieren soll, weil ich JK Rowling nicht auf ihren SocialMedia-Kanälen folge und daher nicht mitbekommen habe, wie genau sie sich in Bezug auf Trans-Menschen geäußert hat.
Ich habe allerdings diverse Tweets von Leuten in die Timeline gespült bekommen, die sich darüber ärgerten und daher kann ich mir gut vorstellen, dass das auch berechtigt war. Auch kann ich verstehen, dass man einen Autor nicht mehr liest, wenn er mit seinen Meinungen eine persönliche Grenzen überschreitet.
Ich habe mich dazu entschieden ‚Böses Blut‘ zu lesen, auch wenn es ein Beweis für Rowlings Trans-Phobie sein soll, weil ich mir eine eigene Meinung bilden wollte und die Serie sehr mag.
Und ich muss sagen, dass ich persönlich aus der Handlung keinerlei Vorbehalte gegen eine spezielle Bevölkerungsgruppe wahrgenommen habe. Allerdings bin ich auch nicht betroffen. Dies nur als kleine Randnotiz für alle Interessierten.“

Wie ich zukünftig mit ihr und ihren Büchern umgehen werde, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht.
Wäre die Reihe weiterlesen, aber nicht mehr darüber schreiben und das Buch nur leihen bzw gebraucht kaufen ein fauler Kompromiss? Ich weiß es nicht…..

Daher habe ich vermutlich auch Antonias heutige Frage nur ungenügend beantwortet, aber besser kann ich es grade nicht.

Wie geht ihr mit so etwas um?

Noch ein kurzer Nachsatz in eigener Sache:
Dieser Post war der erste bewußte Versuch zu gendern, weil ich persönlich ‚Autor‘ als Wort auffällig exklusiv finde.
Das ist nur ein Versuch, der sicher verbesserungswürdig ist. Außerdem wird sich das Gendern sicher erstmal nicht konsequent durch meinen Blog ziehen, aber sich damit in irgendeiner Form auseinanderzusetzen, halte ich für mich selbst für wichtig. Auch auf die Gefahr hin Leser zu verschrekcne.

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15 Antworten zu Montagsfrage: Autor*innen mit kontroversen Ansichten?

  1. Ich finde das ganze Genderthema ist ein massives erste Welt Problem. Wie hat das bloß in der Vergangenheitfunktioniert? Und das Trans neuerdings so thematisiert wird finde ich bei dem Anteil der (jetzt überlege ich gerade, ob ich betroffen schreiben darf, oder das schon weder abwertend ist) betroffenen doch eher lächerlich. Die sollen doch gerne leben wie sie möchten aber müssen sich dafür 99,5% der Bevölkerung anpassen indem sie die Sprache ändern, dritte Toilettenvarianten bauen (die anderen beiden sind immerhin grob für 50% der Bevölkerung), Stellenanzeigen ändern? Das hat für mich auch gerade nichts mit Toleranz zu tun, sondern eher mit Verhältnismäßigkeit. 😉

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  2. nomadenseele schreibt:

    „Außerdem wird sich das Gendern sicher erstmal nicht konsequent durch meinen Blog ziehen“

    Gott sei dank, sonst würde ich es nicht mehr lesen. Ich habe zwar ein Addon, welches das BinnenInnen genauso wie z. B. Autor und Autorinnen rausfiltert, aber grundsätzlich stehe ich dieser Ideologie feindlich gesinnt gegenüber.

    Ich boykottiere da ganz hart und selbst zu meinem eigenen Nachteil.

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  3. Herba schreibt:

    @Torsten: Puuuh, ja, es gibt sicher wichtigere Probleme. Und es haben viele Dinge in der Vergangeheit ohne unsere heutige Technik und Erkenntnisse funktioniert. Aber will ich dahin zurück? Eher nicht. Ich kann also eine gewisse Weiterentwicklung nicht beklagen.

    Sorry, falls das missverstädnlich formuliert war, aber die Gendervariante habe ich für diesen Post nicht wegen oder für Transmenschen gewählt, sondern weil ich persöblich das Wort ‚Autor‘ nicht inklusiv finde und damit Autorinnen ausschließe. Und da Frauen ja circa 50 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, wenn man vom klassischen biologischen Modell ausgeht, finde ich das jetzt nicht so ganz unwesentlich 😉

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  4. Herba schreibt:

    @nomadenseele: Das ist Dein gutes Recht, das sehe ich ganz gelassen und vollkommen ohne Missionierungseifer.

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  5. Das sollte auch keine Kritik an deinem Post sein aber für mich ist es irgendwie selbstverständlich, dass automatisch alle gemeint sind und es nicht nur um weibliche, transgender, männliche geht und das es gefühlt vielen heute fast mehr um solche Unterscheidungen als den Inhalt geht. Auch das ist nicht auf dich oder den Post bezogen, sondern ganz allgemein gemeint. 😉

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  6. Herba schreibt:

    @Torsten: Keine Sorge, ist auch nicht als Kritik bei mir angekommen. Ich wollte nur nochmal meinen gedanklichen Ausgangspunkt erklären. Das war von mir aber auch nicht böse oder missionarisch gemeint. Ich kann damit leben, wenn jemand mit Gendern nichts anfangen kann 🙂

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  7. Servetus schreibt:

    I think the issue for me is whether the problematic opinion is so penetratingly awful that I can’t not think about it while I’m reading. So in essence, I decide case by case. With Rowling, her remarks were horrible, but it’s not hard for me, insofar as I’m not consuming the newer material anyway. I used to turn on the HP movies for background noise sometimes, if they were on, but I don’t do that any more. i don’t think I could read anything I knew she wrote any longer without thinking about her views on transpeople, but she’s said other things in course of making that point that almost bother me more.

    I think it’s harder in cases where the questions are more abstract or mediated for me. Ismael Kadare would be an example of that. I was so excited when I discovered his work, but then when I read what he’s said about Islam / Muslims, I was horrified. At the same time, it’s been hard for me to really understand what’s been going on in Balkans except in very large terms (I know it well enough to explain it to students in an introductory history survey). In the end, I did stop reading his stuff. OTOH I have kind of tried to erase Peter Handke from my memory. I know very well how I felt / feel about Srebrenica. Genocides / nationalism / ethnic violence bother me more than issues around feminism. If I think people like me in some way are the ones disadvantaged (e.g., I read plenty of stuff that is mildly misognynistic) that bugs me less than human rights or equality issues. It also depends to some extent on how long ago stuff happened. Like: I enjoy Fontane even though I know he was an anti-Semite. That touches me directly but it was so. long. ago.

    re: gendered language: I think all we can all do is try to express ourselves better. What’s clear is that language changes and we change with it. Tricky in German as you have so many more options than we have in English, so many more opportunities to offend inadvertently.

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  8. Herba schreibt:

    @Servetus: All really plausible.

    Yeah, I learned over the last few weeks (in a work-related matter and privately on SM) how difficult the discussion about gendered language is and how bitter the discussion can be.
    On a personal note I can say that I didn’t like the gender star at first but now I find it very useful when I have to write to one of our customers and I am not able to determin from the name in front of me, if I am writing to a man or a woman (or a diverse person of course). So the gender star simplifies this a lot.
    Plus I know now how important representation is for so many people who are underrepresented right now. Or who get hurt by the use of our language. Who am I to insist on a hurtful or excluding language. But each to their own…

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  9. Servetus schreibt:

    I think that’s the issue: why would I hurt anyone in the name of upholding a principle of either grammar or (visual) aesthetics? Honestly, language doesn’t need me to defend it (which is pointless anyway — after 25 years of classroom instruction I can assure anyone that language will change [or not] no matter what i do about it). But people could need my help.

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  10. Wissenstagebuch schreibt:

    Mich macht es immer ein wenig betroffen, wie hart die Gendern-oder-nicht-Debatte auf beiden Seiten geführt wird. Ich lese sowohl Texte von Journalisten, die gendern und Journalistinnen, die es nicht machen. Dadurch ist mir tatsächlich erst am Ende deines Textes aufgefallen (als du es selbst angesprochen hast), dass du gegendert hast. Ändert für mich nichts am Lesespaß deines Artikels.

    Das Thema des Umgangs mit Autorinnen, die eine Meinung an den Tag legen, die man selbst ablehnt, finde ich spannend. Bei der ganzen Diskussion um JKR ist mir aber aufgefallen, dass viele Nutzer in der Hitze des Internetgefechts wohl gar nicht mehr mit von der eigenen Meinung abweichenden – betont konservativen und bestimmt auch provokanten – Aussagen umgehen können. Ich denke, der Umgang mit verschiedenen Meinungen innerhalb eines Diskurses ist ja etwas, das man über Jahre in verschiedenen Studiengängen erlernen kann, um dabei immer im Blick zu behalten, dass das Fortleben eines Diskurses auch ein Selbstzweck ist. Das trifft natürlich nicht auf strafrechtlich relevante Meinungsäußerungen zu – aber in dieser Hinsicht hat sich JKR ja nie geäußert, so wie ich gelesen habe.

    Ich finde es notwendig, Autor und Werk zu trennen – was könnte man alles nicht mehr lesen, wenn man nicht so vorginge und welche ein Rechercheaufwand ginge jeder Lektüre voran. Die Ansichten des Autors und den Hintergrund des Werkes sollte man dabei natürlich im Blick behalten – hilft ja auch immer bei der Interpretation. Ansonsten fielen historische Schriften ja in vielen Fällen raus.

    Wenn der Aspekt eine Rolle spielt, den Schreibenden nicht finanziell durch einen Buchkauf unterstützen zu wollen, kann man ja immer noch leihen/gebraucht erwerben. Außerdem: wenn es um den Bereich Fanfiction geht, trennt die Community doch auch stark Autor und Werk und ärgert sich gar, wenn der Autor im Nachhinein noch an seinem eigenen Werk „herumfuscht“.

    Ich bin da ganz bei dir, wenn dir die Krimis Freude bereiten und du dir zudem noch der öffentlich geäußerten Ansichten der Schreibenden bewusst bist, warum dann nicht lesen?

    Viele Grüße!

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  11. Herba schreibt:

    @Servetus: Well said. But I guess it’s not so much about an issue with the language but more about something else

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  12. Herba schreibt:

    @Wissensatagebuch: Das freut mich 🙂 Und ja, die Schärfe, die bei solchen DIskussionen schnell aufkommt, erstaunt mich auch immer wieder. Allerdings kann ich mich selbst auch nicht ganz frei davon spreche, dass ich mich bei solchen Diskussionen unter Umständen schnell ärgere :/

    Danke fürs Teilen Deiner Gedanken dazu. Das mit Leihen/gebraucht kaufen habe ich nun öfter gelesen und war ja auch mein Gedanke dazu. Gebraucht kaufen/leihen ist auch aus anderen Gründen nicht ganz unvernünftig, von daher…

    Viele Grüße zurück!

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  13. Servetus schreibt:

    Yeah. I used to give people the benefit of the doubt, but I don’t anymore. It’s definitely about something else.

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  14. Herba schreibt:

    @Servetus: Same here – sadly or happily I don’t know.

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  15. Pingback: Die Montagsfrage #128 – Wie gehst du damit um, wenn sich herausstellt, dass ein Autor, dessen Bücher du sehr schätzt, Auffassungen äußert, mit denen du nicht übereinstimmst? (Aequitas et Veritas) – Lauter&Leise

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