Das Mehrgenerationenhaus wird renoviert – schnell mal ne neue Dachrinne

Den Vorgängerbeitrag ‚Das Mehrgenerationenhaus wird renoviert – neue Fenster braucht das Haus‘ findet ihr bei Interesse hier.
Und ein Bild zum Thema ‚Bad‘ kann man hier ansehen.

Anfang des Jahres haben wir festgestellt, dass unsre Dachrinnen an zwei Stellen löchrig sind.
Vor allem die Stelle vorne ist groß wie ein Fünf-Mark-Stück und da sie außerdem direkt da sitzt, wo die beiden vorderen Balkone am Haus angebracht sind, wird das Regenwasser, das ausläuft auch noch direkt an die Hauswand gedrückt.
Also war klar, dass wir uns recht schnell jemanden suchen sollten. Aber zwei Dachrinnen zu reparieren oder auszutauschen sollte ja nicht das große Problem sein.

Die zwei Firmen direkt bei uns im Ortsteil, die den entsprechenden Service anbieten, fielen durch, weil die beiden Chefs uns aus verschiedenen Gründen nicht sympathisch sind.
Aber durch Zufall entdeckte meine Schwester beim Vorbeifahren eine passende Firma im Nachbarortsteil, die im Netz gut bewertet wird und bei uns im Viertel auch schon einiges an Arbeit erledigt hat.
Also rief ich dort an und der Chef selbst wollte direkt am nächsten Tag bei uns vorbei kommen. Nett und schnell kam schonmal gut bei uns an.

Als der Firmenchef (im Folgenden Sepp genannt) am nächsten Tag pünktlich vor der Tür stand, zeigten wir ihm das Problem, er schaute sich die ganze löchrige Angelegenheit an und fragte dann, ob er sich das Ganze auch mal von oben anschauen könnte, um richtig beurteilen zu können, was nötig war: Reperatur oder Erneuerung.
Also krabbelte meine Schwester mit ihm über unsre ‚Ruckzucktreppe‘ (eine Treppe, die in der Treppenhausdecke über meine Wohnungstür versteckt ist und über die man auf den Dachboden und letztendlich aufs Dach gelangen kann) auf den Dachboden, während meine Mutter im Erdgeschoss warteten.
Sepp kletterte aufs Dach – meine Schwester blieb lieber auf dem Dachboden, schaute aber durch die Dachluke zu, was Sepp trieb – und nahm das Problem genau in Augenschein.

Und mir schwante schon Übles, nachdem die Beiden fast 20 Minuten verschwunden waren. Schließlich hatte ich ja unter anderem hier in meiner Vorgeschichte zur Renovierung schon vor Überraschungen gewarnt.

Als Sepp und meine Schwester schließlich wieder im Erdgeschoss auftauchten, kuckte der freundliche Handwerker etwas zerknirscht und teilte uns mit:
‚Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für Euch! Die gute ist, dass wir die Dachrinne flicken können, wenn ihr das wollt.‘
‚Und die schlechte?‘
‚Ihr braucht ein neues Dach, weil Wasser reinkommt. Die Dachsparren sind nass und auch das Dämmmaterial ist schon feucht.‘
Meine Schwester nickte zustimmend, Sepp hatte ihr die feuchten Sparren und das Dämmmaterial gezeigt.

Während meiner Mutter ein ‚Ach Du Schande!‘ herausrutschte, fiel mir nur ‚Gott sei Dank!‘ ein und dem Blick nach zu urteilen, den Sepp mir zuwarf, dachte der, dass ich ein Fall für die Klapse bin .
Später bestätigte er mir zumindest, dass das eine ziemlich ungewöhnliche Reaktion war. Aber meine Argumentation hat ihn dann auch beruhigt und überzeugt.
Denn mir war wirklich lieber, dass ein Handwerker das Ganze feststellt, bevor mir in meiner Dachwohnung das Wasser von der Decke kommt oder das Dach beim nächsten Sturm im Garten des Nachbarn landet…

Der geschäftstüchtige Sepp machte uns direkt ein Angebot und versicherte uns außerdem, dass er genug Material vorrätig hätte, um unser nicht ganz kleines Dach zeitnah zu erneuern, was in Zeiten von Corona nicht ganz unwesentlich ist.
Nachdem sich meine Schwester damit abgefunden hatte, dass die neuen Ziegel nunmal ‚Frankfurter Pfanne‘ heißen (‚Frankfurter kommen mir nicht aufs Dach!‘ ) und meine Mutter mit zwei Bekannten und einem Hausbesitzer aus der Verwandtschaft telefoniert hatte, die ebenfalls vor kurzem die Dienste von Sepp in Anspruch genommen hatten und die sehr zufrieden waren und ich ergoogelt hatte, ob das Angebot preislich halbwegs paßte, entschlossen wir uns dieses Mal keinen weiteren Kostenvoranschlag einzuholen, sondern direkt Sepp zu beauftragen.
Der sagte uns dann auch einen Start der Bauarbeiten um den 15.6. herum zu und versprach sich wieder zu melden, sobald er uns einen genauen Termin fürs Gerüst aufbauen nennen konnte.

Natürlich regnete es in den Wochen seitdem wir wußten, dass das Dach nicht mehr ganz dicht war, ausgiebig und häufig und meine Familie durfte sich in dieser Zeit öfter mal mein Gejammer deswegen anhören .
Mir tat wirklich jeder Tropfen weh und ein Freund bekam auf seinen Wunsch nach Regen für die Natur ein böses: ‚Sch**ß doch auf die Natur! Und denk lieber an unser undichtes Dach!‘ zu hören.

Durch die vermehrten Regentage verzögerte sich dann auch die Dacherneuerung um eine Woche, aber am 14.6. vermeldete Sepp, dass am Donnerstag (17.6) der Gerüstbauer anrücken würde.
Der Gerüstbauer scheint allerdings ein kleiner Chaot zu sein und vertröstete uns erst auf Freitag, dann auf Samstag und kam dann mit einem unbestimmten: ‚irgendwann nächste Woche oder so…‘ um die Ecke.
Das war dann der Punkt, an dem Sepp der Kragen platzte, was dazu führte, dass ich letzten Samstag ein Telefonat entgegen nahm und mir ein bestimmtes: ‚Wir kommen heute mittag noch vorbei!‘ entgegentönte.
Meine Frage ‚Ooooookaaaaaay! Aber wer ist denn da?‘ wurde mit einem lachenden: ‚Hier ist doch der Sepp!‘ beantwortet und ich war beruhigt.

Und am Samstag tauchte dann tatsächlich trotz Affenhitze ein Trupp aus Sepps Firma auf und fing an unser Haus einzurüsten.
Vorgestern wurde dann das restliche Gerüst gestellt und gestern flogen dann die ersten Ziegel vom Dach – was für ein Dreck und was für ein Zirkus.
Aber wie sagte meine Mutter gestern so schön: ‚So lange es nur ‚Rumms‘ macht und keiner dabei schreit, fliegen nur die Ziegel vom Dach und nicht die Handwerker! Und dann ist alles gut!‘

Die vier Jungs, die scheinbar nun für uns zuständig sind, sind wirklich fleisig, auch wenn die Verständigung etwas schwierig ist, weil drei von vier nur rudimentäre Deutschkenntnisse haben und jede Ansprache mit einem dicken Grinsen und einem freundlichen ‚Ja, ja!‘ beantwortet wird.
Scheinbar hatte sich aber schon herumgesprochen, dass Handwerker hier gut behandelt werden, es Kaffee und Kaltgetränke gibt, sie eine Toilette benutzen und außerdem bei uns im Garten Früh- und MiPa machen können und nicht im Auto essen müssen.
Von daher ist der ganze Trupp echt nett, wenn sie die Hausseite wechseln, wird bescheid gegeben, damit wir Fenster schließen können und die Baustelle wird nur aufgeräumt verlassen.
Außerdem durfte der Familienhund die ganze Truppe in Augenschein nehmen, damit er nicht ständig bellt, weil fremde Menschen auf dem Grundstück unterwegs sind.

Und als es gestern Mittag, gerade als die eine Hälfte des Daches abgedeckt und komplett ungeschützt war, anfing zu regnen packten die Jungs ganz fix die mitgebrachte Plane aus und als Sepp mit zwei weiteren Männern und noch mehr Planen auftauchte, war das meiste schon abgedeckt.
Danach wurde dann über den Feierabend weitergearbeitet, um das Dach so weit fertig zu machen, dass auch ein Unwetter nichts hätte anrichten können.
Und heute arbeiteten sich die Vier ganz vorsichtig um unsre Satellitenschüssel herum, nachdem ich ihnen mit Händen und Füßen erklärt hatte, dass ich weine, wenn was kaputt geht und wir dann keinen Fußball mehr kucken können .

So werden wir wohl trotz Lärm, Staub und Dreck und dieser eckligen Dämmwolle, die vom Dach muss, das Ganze gut über die Bühne kriegen und in circa 10 Tagen ein nagelneues Dach unser Eigen nennen können, das dann hoffentlich wieder für mindestens 40 Jahre dicht bleibt.

Wenn alles vorbei ist, teile ich dann vielleicht auch mal ein paar Bilder.

To be continued…

Sämtliche Posts zu dieser Reihe könnt ihr unter dem Tag ‚renovierung‚ nachlesen.

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14 Antworten zu Das Mehrgenerationenhaus wird renoviert – schnell mal ne neue Dachrinne

  1. Hedgehogess schreibt:

    Oh, auch das noch …!
    Aber ja, es ist besser, dass es jetzt aufgefallen ist, bevor noch Wasser in die Wände sickert und noch Schäden anrichtet.

    Und Glückwunsch zum Handwerksbetrieb!

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  2. Esther schreibt:

    Oh, wow, neues Dach! Aber läuft ja alles jetzt gut, so zu hören.

    Wir haben auch ein Loch in der Dachrinne aber die Leute die wir angerufen haben sind nie aufgetaucht! ‚Ja, wir kommen um 9‘ war es erst. Als um 11 Uhr niemand da war wurde gesagt, ‚Wir kommen um 13 Uhr.‘ Um 14 Uhr angerufen – ‚Wir sind fast fertig mit einer Not Situation, werden schnell da sein.‘ Anrufe nach 15.30 Uhr wurden nicht mehr beantwortet. Seufz…

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  3. Hariclea schreibt:

    Ich entschuldige mich mal furs Kichern beim Lesen 😉 Aber hrezlichen Gluckwunsch furs neue Dach, sehr wichtig und gut dass ihr su gute und seriose Handwerker gefunden habt und die auch bei der Sache bleiben. Ich habe sehr schlechte Erfahrungen gemacht mit Dachschaden in den Hausern wo ich gelebt habe, leider direkt unter dem Dach, also kenne die Probleme die sowas bringen kann! Wir hatten im Haus wo ich vor 3 Jahre gelebt habe Dachschaden und wir hatte das Gerust ungefahr 3 Monate drauf, von denen vielleicht 10 Tage Arbeit, aber nicht hintereinander und hauptsachlich Samstags fruhmorgens, wo die Arbeiter auf dem Gerust direkt vor meinem Bettzimmerfenster rumgewurstelt haben, alles andere als ideal. 🙂 Deshlab lebe ich jetzt im 4 Stock! Nie wieder unterm Dach hier 🙂 Aber bin generell beiendruckt mit dem Niveau der Handwerker, die ihr haben konnt, leider nicht der Fall hier 😦

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  4. Herba schreibt:

    @Hedgehogess: Ja, das sehe ich definitiv auch so. Ich hab zwischenzeitlich schon so manches Horrorszenario vorm geistigen Auge gehabt und bin froh, dass das zeitnah erneuert wird. Danke!

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  5. Herba schreibt:

    @Esther: Bis jetzt ja. Allerdings hat es heute den ganzen Tag stark geregnet und deswegen konnte nicht gearbeitet werden. Aber hoffentlich gehts morgen weiter.

    Wie doof ist das denn?! Und vor allem total unhöflich! Manche Handwerker…. :/

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  6. Herba schreibt:

    @Hariclea: Lachen ist gesund, dafür musst Du dich nicht entschuldigen 😉

    Danke, ich bin auch sehr froh, dass das scheinbar alles recht reibungslos klappt. Leider hat es heute mehr oder weniger den ganzen Tag geschüttet wie aus EImern, da konnte nicht gearbeitet werden. Aber hoffentlich geht es morgen bei halbwegs trockenem Wetter weiter.

    3 Monate Gerüst und nur 10 Tage Arbeit??? Das klingt wirklich übel! 😦 Da würde ich auch nie wieder unters Dach ziehen!

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  7. Servetus schreibt:

    I’m glad Sepp & Co have their act together!

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  8. Herba schreibt:

    @Servetus: Me too.
    I had several nightmares where water ran down the walls of my attic flat and a lot of big buckets were involved that had to collect rainwater which driped down from the roof….not funny at all!

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  9. Servetus schreibt:

    Uch.

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  10. Herba schreibt:

    @Servetus: It’s always great to be an overthinker with the talent for creating worst case scenarios *irony off*

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  11. Servetus schreibt:

    I have had a lot of horrible dreams lately, too. Little pieces of worry left in my brain. I hope yours have stopped or will stop soon.

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  12. Herba schreibt:

    @Servetus: It sure is hard to let go of all the worries you had for such a long time now, Hopefully your brain will figure it out soon.
    Thanks, the ones that included our roof are gone. Now I worry about the the bathrooms and the new windows. But thankfully not as bad as before

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  13. Servetus schreibt:

    When winter comes, you will be snug as a bug in a rug, I hope!

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  14. Herba schreibt:

    @Servetus: Hear! Hear!
    And before that I’ll sure write a few more blogposts about it 😉

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