Bei uns sagt man: Spaschel!

In meiner Heimatstadt gibt es zwar nicht mehr viele Vollzeitbauern, dafür gibt es aber noch so einige Feierabendbauern, die sehr oft hauptsächlich Spargel und Kartoffeln anbauen und im Winter Holz machen.
Spargelfelder und die kleinen Buden, aus denen direkt vom Feld das weiße Gold verkauft wird, sind hier also ein gewohnter Anblick, weil wir viel Boden haben, der sich gut zum Spargelanbau eignet.

Anfang dieser Saison war es noch ziemlich kalt, daher sind die Balken mit Folie abgedeckt, um die Spargel zu schützen

Viele Restaurants haben in der Spargelsaison eine eigene Spargelkarte – auch jetzt unter Coronabedingungen per Lieferservice.
Von ganz klassisch mit Sauce Hollandaise und Salzkartoffeln, über Schnitzel Wiener Art mit Spargel, bis hin zu Spargelpizza und -pasta kann man gerade alles nach Hause liefern lassen.

Ich liebe ja vor allem klare Spargelsuppe mit Reis (kommt mir bloß nicht mit Spargelcremesuppe aus der Tüte!) und Spargelsalat, der mit Essig und Öl und ganz viel Schnittlauch angemacht wird und den man zu allem möglichen dazu essen kann.
Die Liebe, vor allem zu Spargelsuppe, dürfte aus der Zeit meiner allerersten Spargelsaison stammen.
Damals war ich erst ein paar Monate alt, fing gerade an neben der Flasche auch andere Nahrung zu mir zu nehmen und sprang eben vor allem auf Spargelsuppe mit Reis an.
Allerdings habe ich daran keinerlei Erinnerung.

Spargelsuppe a la Mama – omnomnom

Meine erste Erinnerung zu Spargel habe ich aus der Zeit, als ich circa drei Jahre alt war. Zu diesem Zeitpunkt hatte meine Familie keinen ganzen Spargelacker mehr, sondern nur noch vier oder fünf ziemlich lange Reihen und ich fand es toll, durch die Gänge zu saußen, nach den weißen Köpfchen Ausschau zu halten und dann meiner Mama zu zeigen, wo sie waren, damit sie ja keinen übersah.
Aus dieser Zeit dürfte auch noch irgendwo im Keller ein Messer zum Spargelstechen herumliegen.

Das weiße Gold, frisch vom Feld

Davon, wie anstrengend die Spargelernte ist, hatte ich da natürlich keine Ahnung. Erst so mit Zehn, als ich das selbst mal versuchen durfte, habe ich eine Vorstellung davon entwickelt, wie sehr das auf den Rücken geht, wenn man ein Spargelfeld abernten muss, zumal (zumindest früher) oft zwei Mal am Tag (morgens und abends) gestochen wird und das Ganze ja auch nicht Stunden dauern soll.
Außerdem muss man beim Stechen natürlich aufpassen, dass man die Spargel nicht kaputt macht – Spargelbruch wird billiger verkauft als eine ganze Spargelstange.

Spargelstecher bei der Arbeit

Zu jeder Spargelernte kommt auch die Diskussion über die Arbeitsbedienungen der Saisonarbeiter auf, die teilweise viel zu wenig Lohn für die harte Arbeit erhalten und in den Wochen der Spargelernte teilweise menschenunwürdig untergebracht sind.
Auch das gehört zum Thema Spargel dazu.
Wir kaufen daher unseren Spargel bei einem Spargelbauern vor Ort, der seine Saisonarbeiter anständig bezahlt und in Zimmern unterbringt, die ansonsten an Feriengäste oder Messebesucher vermietet werden und dementsprechend gut in Schuss sind.
Außerdem wird hier Spargel nur innerhalb der Saison gekauft, genau wie im übrigen Erdbeeren.
Innerhalb der Saison schmeckt das einfach am besten und so bleibt das Gemüse etwas ganz besonderes, auf das ich mich jedes Jahr wieder freue!

Zum Schluss noch eine kleine Notiz am Rand: ‚Spaschel stesche‘ klingt in meinem Dialekt genauso nett wie ‚Aschebescher‘

* * * * * * * * * * * * * * * * *

Diese Fotos und der Text dazu sind für das Gemeinschaftsblogprojekt von Poe und mir entstanden; das Thema ‚Mach was…mit Spargel‘.
Gesamter Text/Bild © Herba für ‚Unkraut vergeht nicht…oder doch?‘
Bitte nicht ungefragt zitieren oder weiterverwenden!!!

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18 Antworten zu Bei uns sagt man: Spaschel!

  1. nellindreams schreibt:

    Nicht ganz Deine Ecke, ich weiß, aber haben auch die Spaschelschdescher aus Aschbersch Aschebescher? 😉
    Ja, die Saisonarbeiter sind natürlich auch hier ein Thema und die Barackensiedlungen mancherorts nicht nur optisch ein Dorn im Auge.

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  2. nellindreams schreibt:

    Ich meinte „Aschebersch“ – sorry für den Vertipper.

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  3. Servetus schreibt:

    You should rewrite that „alle Hesse sind Verbresche“ saying 🙂

    I loved reading this. My favorite asparagus memory is that my exSO would usually make an asparagus soup for me as the first thing I ate after getting off the plane in Frankfurt. It was a creamy soup, and the broth was the fond from steaming asparagus on top of its peelings the day before. Such intense flavor!

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  4. Pingback: Medienjournal: Media Monday #518 | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

  5. Esther schreibt:

    Oh, Du hast ja richtig selbst Erfahrung mit Spargel Anbau und Spargel stechen! War schön zu lesen. 🙂 Die Suppe sieht gut aus.

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  6. nettebuecherkiste schreibt:

    Ich mache das genauso mit dem Spargel und versuche auch bei anderem Gemüse, saisonal einzukaufen. Bei Erdbeeren natürlich auch, kriege immer die Krise, wenn ich auf Instagram im Dezember Erdbeeren im Einkaufskorb sehe… Soll doch auch was Besonders sein.

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  7. Herba schreibt:

    @Nell: Das kann gut sein, aber gefragt hab ich nicht 😉
    Zum Glück gibts die hier im Ort gar nicht, dafür sind die Äcker bei uns vermutlich auch zu klein, weil alles Familienbetriebe

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  8. Herba schreibt:

    @Servetus: ‚Alle Hesse sin Verbrescher, denn sie klaue Sparschelstescher!‘ ??? *roflmao*

    Thanks. I really enjoyed writing it and delve into these memories. Sounds lovely too.. That’s how my mom’s soup is made, except for the creamy part. So tasteful!

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  9. Herba schreibt:

    @Esther: Na ja, zumindest genug, um die Leute nicht um den harten Job zu beneiden. Das ist echt Knochenarbeit.
    Danke. Ja, das ist sie 🙂

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  10. Herba schreibt:

    @Nette: Vor allem schmecken grade Erdbeeren außerhalb der Saison ja mal nur nach Wasser und nicht richtig nach Erdbeeren. Wer will sowas ernsthaft essen!?!

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  11. nettebuecherkiste schreibt:

    Kann ich auch nicht verstehen. Ich finde, es macht auch Spaß, wenn man saisonal ist und sich auf die Bärlauch-, Spargel-, Erdbeer- und Kürbissaison freuen kann (vor allem die Bärlauchsaison!)

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  12. Servetus schreibt:

    Well, now that you can’t smoke in public in Germany anymore, Spargelstecher might be a more frequent thing to steal. If you eventually run out of things to steal, yet another beloved piece of German folklore will become extinct.

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  13. Herba schreibt:

    @Nette: Ja, eben. Viele wissen halt auch gar nicht mehr, wann es was eigentlich gibt :/

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  14. Herba schreibt:

    @Servetus: *lol* very true 🙂

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  15. Michele Marsh schreibt:

    Herba very sweet blog post
    I miss my mums Wiener schnitzel and spatzle and she made asparagus soup when we were little and sick ( a receipt from my Oma)

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  16. Herba schreibt:

    @Michele: THanks. Ah that sounds lovely Understandable you miss this and her ❤

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  17. Michele Marsh schreibt:

    Yes to both ❤️

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