‚Die Ehre der Familie‘ aka ‚Honour‘ (Originalversion)

London, 2006:
Rahmat Suleimani (Moe Bar-El) meldet seine 20jährige Freundin Banaz Mahmod (Buket Komur) als vermisst, weil er sie nicht ereichen kann, was ungewöhnlich ist.
Da Banaz Eltern aber darauf beharren, dass die junge Frau nicht vermisst wird, nimmt die Polizei Rahmat nicht ernst. Doch der junge Mann läßt nicht locker und schließlich übernimmt DCI Caroline Goode (Keeley Hawes), die dem London Metropolitan Police Homicide and Serious Crime Command angehört die Ermittlungen.
Schnell wird klar, dass etwas nicht stimmt. Banaz hatte im Vorfeld ihres Verschwindens immer wieder Kontakt zur Polizei aufgenommen, weil sie um ihr Leben fürchtete, doch niemand half ihr.
Können Goode und ihr Team die junge Frau noch rechtzeitig finden?

Frauen werde immer wieder Opfer von sogenannten ‚Ehrenmorden‘ – was daran ehrenhaft sein soll, verstehe weder ich, noch die britisch-kurdische Aktivistin Diana Nammi (Ahd Kamel), die versucht Caroline Goode und ihrem Team die Dynamik in der kurdischen Gemeinde von London und in kurdischen Familien, die dort leben, zu erklären.
Über allem steht die Familie und deren Ehre und wenn eine Frau etwas Ehrverletzendes tut, muss sie mit den entsprechenden Repressalien (Zwangsverheiratung, Verschleppung, Vergewaltigung, Mord, etc.) rechnen.
Banaz ältere Schwester Bekhal (Rhianne Barreto) hatte sich diesen strengen Regeln entzogen und war vor ihrer Familie geflüchtet. Daraufhin wurde Banaz mit einem Mann zwangsverheiratet, den sie kaum kannte und der sie während der Ehe immer wieder vergewaltigte.
Als sie sich gegen alle Wiederstände scheiden ließ und eine neue Beziehung mit Rahmat einging, entehrte sie damit die Familie.
Und obwohl Banaz hoffte, dass sie in der Wohnung ihrer Eltern durch ihre Mutter (Fison Burgess) geschützt sein würde, fürchtete sie um ihr Leben.
Die Polizei unternimmt nichts und auch die kurdische Gemeinde schweigt. Dass das kein rein britisches, sondern eher ein globales Problem sein dürfte, macht es umso trauriger. Statt Frauen in Not zu helfen, werden sie im schlimmsten Fall, wie im Fall von Banaz, selbst angezeigt und im besten Fall einfach allein gelassen, weil ihnen nicht geglaubt wird und/oder weil es keine Handhabe gibt.
Nach Banaz wird monatelang gesucht, bis sie schließlich gefunden wird. Auch weil die Täter ganz ungeniert und offen damit prahlen, was sie ihr angetan haben.
Viele andere Opfer verschwinden und niemand merkt es oder unternimmt etwas – ein schreckliches Fazit für unsere ach so gerechte und aufgeklärte westliche Welt!
Von der Tat selbst sieht man in diesem Zweiteiler nichts und auch sonst wird keinerlei Gewalt graphisch dargestellt.
Nur aus den Schilderungen von Banaz, der Verzweiflung ihrer Schwester und des Freundes und am Mitleiden der Polizistin Caroline Goode kann der Zuschauer hier ermessen, wie schrecklich diese ganze Geschichte ist.
Dass das meiner Meinung nach gut gelingt, liegt sehr stark am Cast, der aus bekannten und unbekannten britischen Schauspielern besteht und es versteht, die Geschichte eindrücklich zu erzählen.
Die Kritik, dass man sich beim Erzählen irgendwann zu stark auf Goode und nicht mehr so sehr auf Banaz konzentriert hätte, kann ich nur bedingt nachvollziehen.
Ja, man sieht, wie stark Goode mitgenommen ist, aber Banaz ist ja auch zu diesem Zeitpunkt nicht da, um selbst von ihrem Leid berichten zu können.
Gut hat mir auch gefallen, dass diese Geschichte sehr stark aus Frauensicht erzählt wird – so sollte es sein. Die Täter hingegen spielen nur eine untergeordnete Rolle und ich habe mir kaum ihre Namen gemerkt.
Den Namen Banaz werde ich hingegen nicht so schnell vergessen. Genau wie den ihrer Schwester Bekhal, die durch ihre Aussage mithalf, die Täter hinter Gitter zu bringen und ihr Freund Rahmat, der die Polizei quasi zu Ermittlungen zwang und so alles ins Rollen brachte. Auch das Leben dieser beiden jungen Menschen wurde durch die Gewalt gegen Banaz für immer verändert, wenn nicht zerstört.
Mir hat ‚Honour‘ jedenfalls gezeigt, wie schmal der Grat zwischen Ignoranz und Kümmern ist und wie schlecht wir als Gesellschaft immer noch auf viele Belange, die Frauen angehen, reagieren.
Außerdem hat mich der leise erzählte Zweiteiler sehr bewegt. Und wütend gemacht, mir aber auch gezeigt, wie hilflos man sein kann.
Fazit für mich: schwierig anzuschauen, aber lohnenswert!

‚Die Ehre der Familie‘ aka ‚Honour‘ in der Mediathek von Arte (sowohl synchronisiert, als auch im Original). Aber Achtung, nur noch bis 27.03.2021!!!
Der Zweiteiler als Fernsehfilm im deutschen Fernsehen – Termine
‚Honour‘ als DVD bei Amazon.de (Affiliate-Link)

Ein englischer Trailer

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21 Antworten zu ‚Die Ehre der Familie‘ aka ‚Honour‘ (Originalversion)

  1. Servetus schreibt:

    Will look for it.

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  2. Herba schreibt:

    @Servetus: Is something like this also shown on your PBS?

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  3. Servetus schreibt:

    it might be.

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  4. Servetus schreibt:

    this is a bit edgy for PBS — esp PBS Wisconsin likes period drama, British comedy, popular British crime drama (Sherlock, Spooks) and documentaries about US history and politics.

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  5. Herba schreibt:

    @Servetus: Thought so. In my mind PBS only shows all the feel good stuff from the UK that seems to be a bit nostalgic

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  6. Servetus schreibt:

    it’s the best advertisement for nostalgia UK tourism ever — they know their donors well.

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  7. Servetus schreibt:

    „The Salisbury Murders“ showed up elsewhere, though (and not on BBC America, which we don’t have anymore, anyway). So this might, as well.

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  8. Herba schreibt:

    @Servetus: Hoch lebe ‚The motherland!‘ 😉

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  9. Herba schreibt:

    @Servetus: I’ll keep my fingers crossed. Although ‚The Salisbury Murders‘ is much more tense as ‚Honour‘ it shows an important issue that should be adressed much more in my opinion.

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  10. Servetus schreibt:

    Right?

    Before WWII, every history department in a university had at least one, sometimes several more, historians of Great Britain. That started switching in the postwar — we thought our most important relationship was with continental Europe and esp Germany. But PBS hasn’t moved a whit away from its Anglocentrism. And meanwhile, history departments are moving on, and the hot property now is a historian of Latin America or Asia.

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  11. Servetus schreibt:

    *in the US

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  12. Herba schreibt:

    @Servetus: It’s where the United States roots are so it is somewhat understandable. And maybe it’s also good to watch these shows and think of it as the ‚old, a bit old-fashioned‘ whereas the US is the young, cool thing. Hail to the land of the free! 😉

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  13. Servetus schreibt:

    LOL. There were many more German / Germanophone immigrants to the US numerically than English / Anglophone. But it’s okay, I think English history is cool, too. The English monarchy could afford more spectacle than all of those little states in the Holy Roman Empire, and find the architecture of the Hohenzollern a bit cold / brittle. (And I’m sure if i knew more Asian history I’d be interested in that as well. I never took any doctoral work in that region and I’ve never been asked to teach it.) I’ll take my identity where I find it 🙂

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  14. Herba schreibt:

    @Servetus: Yes, the British monarchy seems way cooler than ours. And to be honest who really wants to be associated with the newer German history? 😉

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  15. Servetus schreibt:

    LOL. It’s „interesting,“ anyway. Admittedly, Germany does have Ludwig II of Bavaria, but that’s a sort of mixed pleasure.

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  16. Herba schreibt:

    @Servetus: True, but this is more of an Bavarian thing. Not sure if the rest of Germany thinks about him as ‚our‘ Ludwig II 😉

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  17. Servetus schreibt:

    yeah, it’s interesting, given that the Hohenzollern were not the rulers of all of Germany all that long, either. (Not that I think Germans think of them as „ours“ either, albeit for very different reasons. There was an article in the NYT this weekend about George Friedrich von Preußen and my German friends‘ reactions seemed to have been, in unison, „Stell‘ sie alle an den Wand!“

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  18. Herba schreibt:

    @Servetus: Oh boy. That reaction seems SO german to me *lol*

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  19. Servetus schreibt:

    Indeed [grins].

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  20. Uinonah72 schreibt:

    Wahrlich ein globales Problem…wir lesen im Spanischkurs gerade eine Lektüre über eine marokkani schstämmige Schülerin in Spanien, die mit 15 Jahren zwangsverheiratet werden soll und daher von zu Hause flieht. Bin gespannt, wie die Geschichte ausgeht.

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  21. Herba schreibt:

    @Uinonah: Hoffentlich gut, aber leider geht sowas für ganz viele nicht gut aus 😦

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