Die Akte Jane (Originalversion)

Lieutenant Jordan O’Neil (Demi Moore) arbeitet als topographische Analystin bei der US Navy, hat allerdings keine Kampferfahrung, was ihr den Aufstieg innerhalb der Navy erschwert.
Als die texanische Senatorin Lillian DeHaven (Anne Bancroft) in einer Ausschussitzung, bei der ein neuer Marineminister ausgewählt werden soll, massiv kritisiert, dass die Navy Frauen benachteiligt, wird hinter den Kulissen ein Handel abgeschlossen.
Testweise dürfen ausgewählte Frauen an bestimmten Ausbildungsprogrammen der Navy teilnehmen und werden voll integriert, falls sie mithalten können. DeHaven wählt O’Neil als erste Kandidatin aus, um das Elite-Training der Navy-SEALS, das circa 60 % der Teilnehmer nicht überstehen.
O’Neil stellt sich der Herausforderung und kämpft nicht nur darum, das beinharte Training unter Master Chief Urgayle (Viggo Mortensen) zu beenden, sondern auch um die Anerkennung ihrer Kameraden…

‚Die Akte Jane‘ war ganz sicher einer der Filme, die an einem Freitagabend in der Videothek meines Vertrauens ausgeliehen wurden und ich meine mich sogar noch daran zu erinnern, dass das damals eine Empfehlung des Besitzers war, als der Film gerade neu als Video erschienen war.
Ich dürfte den Film also zum ersten Mal circa 1998 oder 1999 gesehen haben. Leider kann ich nicht mehr wirklich an die erste Reaktion damals erinnern. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich ihn danach noch mindestens ein oder zwei Mal gesehen habe, also kann meine Meinung nicht so schlecht gewesen sein.
Seit der letzten Sichtung ist aber definitiv ziemlich viel Wasser den Main hinunter geflossen und da ich den Film nun auch zum ersten Mal im Origina geschaut habe, war es teilweise eine neue Erfahrung, auch wenn ich mich an manche Teile des Films noch recht gut erinnern konnte.
Wie meist bei den Filmen für meinen Rewatch-Sonntag, vermeide ich es im Vorfeld nachzulesen, worum es genau geht, wer alles im Cast dabei ist und wie die Raktionen von Kritikern und Publikum ursprünglich war, weil ich so unbefangen wie möglich an die Rewatch herangehen möchte.

Das Erste, was mir hier aufgefallen ist, ist die pompöse Musik, die dem Zuschauer gleich suggeriert, wie ernst die Lage ist, schließlich geht es um amerikanische Truppen.
Erstaunlicherweise ist die Musik zwar pompös, aber die Macher haben es zumindest bei der Lautstärke nicht übertrieben und so bemerke ich im Lauf des Films zwar immer wieder einzelne Stücke des Soundtracks, aber die Geschichte wird nicht von der Musik überdeckt. Das habe ich definitiv schon anders erlebt und ist hier ein echtes Plus.
Das Nächste, was mir dann extrem wie die Musik ins Auge springt, ist die Rotzbremse von Viggo Mortensen und die kurzen Hosen, die die Ausbilder tragen.
Diesen Anblick hatte ich definitiv vergessen und nun habe ich Fragen.
Soll Mortensen mit der gewöhnungsbedürftigen Gesichtsbehaarung fieser aussehen? Falls ja, funktioniert das ganz gut. Ohne wäre mir trotzdem lieber gewesen!
Und sind diese Hosen tatsächlich echte Kleidungsstücke von Navy-Ausbildern beim SEAL-Training? Ernsthaft? Falls ja, stellt sich die Frage, ob die 20 Jahre später immer noch so rumlaufen oder ob mal jemandem aufgefallen ist, wie scheiße semioptimal das aussieht? Falls da jemand Insiderwissen hat, immer her damit. Ich persönlich werde jedenfalls den Anblick so schnell nicht vergessen!

Aber ich schweife ab, sorry. Auch sehr auffällig, wie eigentlich meistens bei Filmen dieser Art aus dieser Zeit, ist der gezeigte Hurra-Patriotismus, der als etwas völlig Normales dargestellt wird und für mich irgendwie untrennbar mit den USA verbunden ist.
Zum Glück ist das mittlerweile oft nicht mehr ganz so heftig in Filmen, aber es gibt ihn natürlich immer noch.
Wobei ich zugeben muss, dass ich durchaus auch schon Schlimmeres gesehen habe, als in ‚Die Akte Jane‘.
Die dargestellte Gewalt ist graphisch (man sieht unter anderem kurz ein Waterboarding), aber erstaunlicherweise nicht übertrieben blutig. Da wird in einschlägigen Serien weit mehr mit Kunstblut und ekligen Verletzungen gearbeitet.
Wer Probleme mit Gewalt gegen Frauen hat und davon getriggert wird, sollte allerdings einen großen Bogen um ‚De Akte Jane‘ machen.
Manches in diesem Film ist aber auch (unfreiwillig?) komisch. Die Essensausgabe in der ersten Ausbildungswoche, sieht extrem barbarisch aus (war bestimmt lustig das zu filmen) und Slovnik (James Caviezel), der nicht neben O’Neil schlafen kann, weil aus ihrer Tasche eine Packung Tampons gefallen ist, hat mich extrem erheitert.
Die Dialoge sind zwischenzeitlich eher dünn und ohne zwei Hauptdarsteller, die den Film tragen, hätte er vermutlich weit weniger gut funktioniert.
Demi Moore sieht man eigentlich in jeder Szene ihre Entschlossenheit sich zu beweisen an. Dabei bleibt sie aber menschlich und man sieht und spürt genauso ihre Müdigkeit, ihre Schmerzen und den Ärger über sämtliche Männer in ihrer Umgebung, die ihr nichts zutrauen, ihr Steine in den Weg legen und sie einfach nur loswerden wollen.
Und natürlich gibt es auch mindestens einen Kameraden, der sie gezielt aus der Nähe sabotiert, während in Washington aus politischem Kalkül heraus ebenfalls Sabotage betrieben wird.
Auch in den Szenen, in denen sich Moore als O’Neil dagegen wehrt, spielt sie stark und zeigt absolute Entschlossenheit.
Ein wenig klischeehaft wird es vielleicht, wenn der Film betont, dass sie bei dem ganzen Training nicht ihre Weiblichkeit verliert und sich selbst treu bleibt, aber damit konnte ich hier eigentlich ganz gut leben.
Erstaunlich für mich war nach dem Anschauen, dass ich Demi Moore viel größer eingeschätzt hätte, als sie mit ihren 1,65 Metern ist, was durchaus für ihre Leinwandpräsenz hier spricht.
Viggo Mortensen als Moorse Gegenpart und Ausbilder steht ihr darstellerisch meiner Meinung nach in nichts nach.
Knallhart tut er seinen Job und bildet als Master Chief seine Männer und die eine Frau aus, mit dem Ziel die Spreu vom Weizen zu trennen. Dabei verlangt er nichts, was er nicht selber tun könnte oder würde.
Erstaunlicherweise wird Urgayle als intelligenter (und sensibler?) Mensch gezeichnet, der genau wie alle anderen keine Frauen im Kampfeinsatz haben will, der aber schließlich zugibt, dass ihn O’Neil beeindruckt.
Mortensen spielt all diese Facetten glaubhaft und es hat mich im Nachhinein nicht gewundert, dass die eingebauten Gedichte, die Urgayle zitiert, seine Idee waren.
Im restlichen Cast sind einige mir bekannte Gesichter zu finden, die ich teilweise erstmal nicht verorten konnte, weil sie da stellenweise so jung aussehen. Aber mittlerweile habe ich herausgefunden, woher ich zum Beispiel Morris Chestnut, Josh Hopkins, Boyd Kestner und Jason Beghe kenne.

Ein wenig erstaunt war ich, dass der Film trotz der manchmal allzu klischeehaften Handlung, durchaus politisch daherkommt und wirklich das Pro und Contra für Frauen im Kampfeinsatz gegenüberstellt.
Auch erstaunt hat mich hinterher zu lesen, dass Urgayle als sadistisch wahrgenommen wird. Dieser Gedanke ist mir beim Anschauen nicht einmal gekommen und ich bin auch hinterher nach weiterem Nachdenken nicht mit dieser Prämisse einverstanden.
Ja, er ist knallhart, wendet knallharte Gewalt an und übertreibt es ganz sicher auch, wenn es um O’Neil geht. Ich finde allerdings nicht, dass er daran Spaß hat.
Für mich ist er ein Mann, der auf keinen Fall mit Frauen ins Gefecht ziehen will, weil er im Grunde weiß, dass er es schwer hätte, darüber hinwegzusehen, dass sich eine Frau in Gefahr begibt.
Diese Annahme wird meiner Meinung nach auch durch die Tatsache gestützt, dass er auf einen feindlichen Soldaten schießt, obwohl O’Neil ihm mehrfahc signalisiert, dass sie alles im Griff hat, weil er ‚Angst‘ um sie hat.
Auch Kameraden, die O’Neil während der Ausbildung im Stich lassen, kriegen von Urgayle eins drauf und auch das widerspricht meiner Meinung nach der Sadismus-Theorie.

Insgesamt ist ‚Die Akte Jane‘ eine Mischung aus Klischee und Unterhaltung, die mich sehr überrascht hat, weil der Film für mich wunderbar funktioniert.
Leider gehört er durch seine Schwächen nicht zu den Klassikern dieser Zeit, hat mich aber erstaunlich gut unterhalten, zeigt hier und da auch mal unerwartete Tiefe und wird sicher mal wieder in meinem DVD-Player landen.

Zitat des Films: ‚Suck my dick!‘

Mich würde wirklich interessieren wie diese Themaik wohl heute in einem Film verarbeitet werden würde.

‚Die Akte Jane‘ als DVD bei Amazon.de und zum Streamen bei Prime Video (Affiliate-Links)

Ein englischer Trailer

Ein deutscher Trailer

Dieser Beitrag wurde unter Filme und Serien, Spielfilm abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Die Akte Jane (Originalversion)

  1. Servetus schreibt:

    I saw this on TV, too but I have no memory of it at all beyond the subject matter.

    On the patriotism level: one reason US movies like this can be so patriotic is that they are typically written so that they can be subsidized by the US Department of Defense. The DoD will lend equipment or allow filmmakers to use military bases to film if it approves the script. One interesting thing about GI Jane is that the makers applied for Pentagon support and were turned down, supposedly due to the theme of sexism.

    I’d like to think things were different now, but women were not even eligible to enlist to try to be a SEAL until 2015, only one has ever passed the training tests, and she was not offered a SEAL contract in the end. There was a big kerfuffle this week after International Women’s Day when a Fox News commentator, Tucker Carlson, asserted that attempts to make military careers more attractive to women made the US military weaker.

    Gefällt mir

  2. Herba schreibt:

    @Servetus: ‚Top Gun‘ is such an example I think. Wasn’t it also partly funded by the DoD.
    In ‚G.I. Jane‘ Scott used footage that was shot by his brother Tony for ‚Crimson Tide‘ and wasn’t used. Maybe exactly for that reason? It sure isn’t all that flattering for the military in the regard of the treatment of women.

    Tucker Carlson seems to be a reall ’sweetheart‘ *ugh* also I think he is wrong. Women might not be as strong as men when it comes to upper body strength and the likes. But we sure might bring a different perspective that also might come handy in some situations as ‚G.I. Jane‘ tries to tell.
    And I must say I have no idea why anyone might go through what seems to be a hellish training but I am sure team ‚if you wanna do it and are able to fit the requirements than you should be allowed to do it, even if you are ‚only‘ a woman!‘.

    Gefällt mir

  3. Servetus schreibt:

    Top Gun: yes; Tony/Crimson Tide: probably. Apparently the DoD doesn’t want to support projects, no matter how patriotic, if the director had previously been involved in a military-critical project.

    women: it was the general consensus of everyone *in the actual military* who spoke out about this that Carlson was way off base. One of them said Carlson’s opinion was „based off actually of zero days in the armed services.“ In general I don’t agree with the idea that you can’t have an opinion about the military if you’re not in it — but this really is an extreme case of a clueless person just trying to get attention. I don’t have the impression that the physical condition of the US military on the ground has been negatively impacted by the inclusion of women, as women have to meet all the same physical standards as men for combat arms specialties.

    Gefällt mir

  4. Herba schreibt:

    @Servetus: Might make sense from their point of view, but…

    Same here, but if someone has no clue and is biased maybe it would be better if that someone don’t sit in front of a camera and spread their opinion…
    Yes and this is absolutely fair from my point of view.

    Gefällt 1 Person

  5. Pingback: Medienjournal: Media Monday #507 | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

Ich freu mich über Kommentare! Indem Du die Kommentarfunktion hier nutzt, erklärst Du Dich mit der Verarbeitung Deiner angegebenen Daten durch Automatic Inc. sowie den Dienst Gravatar einverstanden.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.