Der junge Inspektor Morse, Staffel 6 [Werbung]

Nach den schockierenden Ereignissen in Staffel Fünf ist das alte Team in alle Winde verstreut.
Morse (Shaun Evans) tut nach Budgetkürzungen wieder Dienst in Uniform in einer einsamen Polizeistation und erträgt mehr oder weniger stoisch diese Demütigung.
Doch sowohl Thursday (Roger Allam) als auch Strange (Sean Rigby) und Bright (Anton Lesser) können oder wollen sich nicht mit den Veränderungen abfinden und so kommt das alte Team gegen alle Widerstände doch wieder zusammen, um zu ermitteln…

Immer wenn es heißt ‚Morse ist wieder da‘ freue ich mich unglaublich, weil ich diese Serie so unglaublich gern mag, auch wenn sie meist schwere Kost beinhaltet.
Die Kriminalfälle sind toll inszeniert, die Ausstattung ist großartig und die Gesellschaftskritik zeigt oft, dass wir auch einige Jahrzehnte später nicht weiter sind, als Morse und seine Zeitgenossen.
Das ist auch in der sechsten Staffel wieder alles gelungen und mittlerweile verlasse ich mich einfach darauf, zuverlässig gute Krimiunterhaltung erleben zu dürfen, wenn ich ‚Morse‘ einschalte.
Was für mich aber wohl den größten Reiz dieser Serie ausmacht, ist die Weiterentwicklung der bekannten Figuren.
Dem Morse aus dieser Staffel sieht man an, was er seit der ersten Staffel alles mitgemacht hat. Während ich ihn aus der vorherigen Staffel noch eher als wütend und ein wenig trotzig in Erinnerung habe, wirkt er nun fast schon gleichgültig.
Und diesen Gemütszustand knallt er jedem an den Kopf, gefragt oder ungefragt. Sein Umfeld soll spüren, dass er sich mit dem Lauf der Welt abgefunden hat und des Kämpfens müde ist.
‚Menschen sind nunmal wie sie sind, was solls!?!‘ scheint Morse dauerhaft auszudrücken und zeigt damit eigentlich nur, wie verletzlich er ist. Denn das diese Geisteshaltung nur Selbstschutz ist, zeigt sich schon allein darin, dass er sich nicht den laxen Ermittlungsmethoden anschließt, die nun von der neuen Führung vorgelebt werden, sondern nach wie vor eigene Wege geht, auch wenn er sich dabei im übertragenen Sinn eine blutige Nase holt.
Wie sehr mich diese Entwicklung berührt, ist ein Zeichen dafür, was für eie gute, schauspielerische Arbeit Shaun Evans als Morse leistet. Aber auch, wie gut die Drehbücher und die Regiearbeit ist.
Außerdem gut gefallen hat mir in dieser Staffel, dass auch Thursday, Bright und Strange sich weiterentwickeln dürfen.
Thursday und Bright kommen beide in der neuen Polizeihierarchie nicht gut zurecht und stellen die ganze Karriere in Frage. Bei der Bewältigung dieses Problems hat mir ehrlich gesagt ausnahmsweise mal Bright besser gefallen. Auch was der Umgang mit privaten Problemen angeht, die auch beide Männer plagen.
Besonders gut gefallen hat mir in dieser Staffel auch das Spiel von Caroline O’Neill als Win Thursday, die von ihrem Mann zutiefst enttäuscht wurde und nun eine solche Kälte ausstrahlt, dass man diese als Zuschauer fast greifen kann – einfach toll.
Zu Joan Thursday (Sara Vickers) habe ich nach wie vor ein eher gespaltenes Verhältnis. Einerseits bewundere ich sie dafür aus den Mustern, die für Frauen ihrer Zeit vorgesehen waren, auszubrechen. Andererseits mag ich es gar nicht, wie sie mit Morse umgeht, vor allem weil sie nun versucht ihm die Schuld an der Stagnation ihrer Beziehung zuzuschieben.
Umso mehr habe ich mich gefreut, dass Morse in der betreffenden Szene ausnahmsweise mal kontert und selbst zickig reagiert. Da kann ich nur sagen: ‚Go Morse!‘.
Besonders habe ich mich übrigens über die Szenen gefreut, die in der Bodleian Library spielen sollen (ich weiß leider nicht, ob wirklich vor Ort gedreht wurde). Da hüpft das Bibliothekarsherz einfach höher.
Insgesamt macht die Serie immer noch wahnsinnig viel Spaß und ich bin schon sehr gespannt, was die nächste Staffel für Morse, Thursday und den Rest an Neuem bereit hält. Ich werde auf jeden Fall wieder einschalten!

Das Bonus-Material enthält dieses Mal Interviews mit dem Cast und der Crew und verschiedene Featurette zu ‚Box and Jago‘, ‚Fred and Win‘ und den Marionetten aus Folge Zwei.
Ich fand das Ganze wie immer sehr interessant, aber leider auch ein bißchen kurz. Ich hätte jedenfalls gern mehr von den Machern gehört.
Man sollte außerdem aufpassen, sonst wird man gespoilert, da die Interviews mit Cast und Crew schon auf der ersten DVD zu finden sind.

Mein Eindruck zu Staffel 1
Mein Eindruck zu Staffel 2
Mein Eindruck zu Staffel 3
Mein Eindruck zu Staffel 4
Mein Eindruck zu Staffel 5
Die Serie beim ZDF
Die Serie bei ITV
Die Serie im deutschen Fernsehen – Termine
Die sechste Staffel bei Amazon.de (Affiliate-Link)

Die DVD wurde mir von Edel Motion als Belegexemplar zur Verfügung gestellt – vielen Dank an Heike Glück! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.
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