Montagsfrage: Abbruch?

Ein neuer Montag und eine neue Montagsfrage von Antonia von ‚Lauter & leise‚.

Wer nicht weiß, was die Montagsfrage eigentlich ist, kann hier nachlesen und zur aktuellen Montagsfrage (mit Teilnehmerliste) geht es hier.

Antonia möchte wissen:
Wann, bzw. auf welcher Grundlage entscheidest du, ein Buch nicht zu Ende zu lesen? Oder quälst du dich durch jedes Buch?

Als Kind/Jugendliche hatte ich quasi nie genug Lesestoff zur Verfügung. Meine Eltern konnten einfach nicht genug neue Bücher für mich kaufen und die kleine Gemeindebücherei gab irgendwann auch nur noch wenig für mich her.
In dieser Zeit habe ich unglaublich viel gelesen, was vermutlich nicht ganz altersgerecht war, aber auch vieles, was ich nur so semi-gut fand.
Es ging nie so weit, dass ich irgendwelche Lexika zur Hand genommen hätte, um meinen Lesedurst zu stillen, aber ich erinnere mich zum Beispiel an eine Phase, in der ich von einer Großtante einen ganzen Stapel dieser dünnen Schmonzettenromane, wie man sie am Kiosk oder am Bahnhof kaufen kann, abgegriffen und gelesen habe (aussortiert wurden diverse Arzt- und Heimatromane aus der selben Sparte, schließlich muss auch ein unverbesserlicher Bücherwurm irgendwo die Grenze ziehen 😉 ).

Vermutlich stammt aus dieser Zeit auch der Fimmel wirklich jedes Buch zu Ende lesen zu wollen. Ich denke, die Bücher, die ich in meinem Leben abgebrochen habe, kann ich wirklich an beiden Händen abzählen, vielleicht würde sogar eine Hand reichen…
Erinnern kann ich mich an eine furchtbar langweilige Biographie zu Marie-Antoinette, die mir eine Freundin geliehen hatte und zwei Schullektüren, die ich abgebrochen habe.
Die eine haben wir kollektiv als Klasse abgebrochen, die andere war freiwillige Lektüre für den Deutsch-LK und ich bin weiter gekommen, als alle anderen.

Wirklich jedes Buch beenden zu wollen, ist bei mir wirklich schon fast zwanghaft. Es könnte doch noch besser werden. Und ich muss doch auch wissen, wie es ausgeht. Und überhaupt!
In Zeiten, wo ich mir den Luxus von wahrlich genug ungelesenen Büchern leisten kann und außerdem beruflich Zugang zu circa 8 Millionen Medien habe, ist das wirklich gaga.

Aber ich muss auch sagen, dass es noch Hoffnung für mich gibt 😉 Irgendwann letztes Jahr bin ich an einem Sachbuch gescheitert, das auch noch ein Rezensionsexemplar war – die Messlatte es unbedingt zu Ende lesen zu wollen, lag also gefühlsmäßig besonders hoch.
Aber durch eine bewußt gewählte Auslassung bei der Übersetzung, war ich nach 50 Seiten so dermassen genervt, dass ich zwei Nächte drüber schlief und dann doch meinen Kontakt beim Verlag kontaktierte, mein Problem schilderte und wir zum Glück gemeinsam beschlossen, das Ganze sein zu lassen.
Das war herrlich befreiend und ich hoffe, ich habe aus der Situation mitgenommen, dass es okay ist, Bücher, die nicht zu einem passen, nicht auf Teufel komm raus, beenden zu wollen.

Wie ist das bei Euch?

Dieser Beitrag wurde unter Montagsfrage abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

28 Antworten zu Montagsfrage: Abbruch?

  1. Servetus schreibt:

    Interesting about your childhood and I find your explanation totally plausible. I always had the public library with more books than I could ever read (ours was not small), so maybe that’s why I feel no guilt at all on this issue. Before COVID I would give a book 70 pp. before deciding I wouldn’t finish it, but in the last year it’s more like 30 pp.

    Gefällt mir

  2. Herba schreibt:

    @Servetus: That sounds like heaven 🙂
    I grew up in a house with many books, but I started to read with five or six and the books at hand weren’t nearly enough so a big library would have helped a lot.
    Sounds like your patience is understandably a bit short at the moment 😉 but I envy you because I think this is really healthy or at least healthier as my method of ‚I read it till it’s over come what may!‘ :mrgreen:

    Gefällt 1 Person

  3. Wortman schreibt:

    Wenn mir ein Buch nicht gefiel, habe ich es nie zu Ende gelesen.

    Gefällt 1 Person

  4. Herba schreibt:

    @Wortman: Sehr vernünftig!

    Gefällt mir

  5. Uinonah72 schreibt:

    Witzig, zu lesen, dass Deine Jugend meiner ganz ähnlich war. Auch ich hatte nicht allzu viele Bücher (und diese habe ich immer und immer wieder gelesen). Die Grundschul-Bücherei war wirklich ein Segen. Und auch ich habe von einer älteren Tante die (Historien-) Schmonzetten gelesen… Gott, das hatte ich schon fast vergessen 😉 Damals habe ich ebenfalls jedes Buch bis zum bitteren Ende durchgelesen. Als ich vor ein paar Jahren meine Kisten mit Jugendbüchern durchsortiert und in ein Regal gestellt habe, habe ich tatsächlich ein paar wenige entsorgt, die ich zwar mit Mühe durchgelesen, aber letztendlich gehasst habe.
    Als ich dann mit Arbeiten anfing und nicht mehr viel Zeit zum Lesen hatte, habe ich auch recht schnell beschlossen, nicht mehr alles zuende zu lesen. Meine begrenzte Lesezeit war mir zu schade, etwas zu lesen das mir nicht gefällt.
    Die Grundschul-Bücherei existiert übrigens immer noch. Und 30 Jahre später habe ich 6 Jahre lang als Ausleih-Mama versucht, den kleinen Knöpfen den Spass am Lesen zu vermitteln 🙂

    Gefällt mir

  6. Servetus schreibt:

    There was a real incentive for us to go in summer, too, because at that time it was one of the few air conditioned buildings where one could linger. They also had a summer reading program to see how many books you could read, and other kinds of programs during the year — it was just really wonderful. The same institution is currently considering a renovation / new building, and one of the proposals on the table is a multi-use building with library, restaurants and apartments. I would totally move in!

    Gefällt mir

  7. wortmagieblog schreibt:

    Ach wie schön, dass ich mit meiner Beenden-Neurose nicht allein bin! Wirklich, das erleichtert mich sehr. Ich dachte schon, ich bin die einzig Verrückte. 😉

    Montagsfrage auf dem wortmagieblog
    Liebe Grüße,
    Elli

    Gefällt mir

  8. nettebuecherkiste schreibt:

    Ich bin auch nicht gut im Abbrechen, aber vor Kurzem habe ich ein hochgelobtes Buch abgebrochen, obwohl es doch so aktuell und wichtig ist. Es hat mich einfach zu Tode gelangweilt. Ich mache Fortschritte 😉

    Gefällt 1 Person

  9. Pingback: Die Montagsfrage #109 – Wann, bzw. auf welcher Grundlage entscheidest du, ein Buch nicht zu Ende zu lesen? Oder quälst du dich durch jedes Buch? (Aequitas et Veritas) – Lauter&Leise

  10. Herba schreibt:

    @Uinonah: Ist ja echt lustig!
    Das waren noch Zeiten, als ich manche Bücher alle Jahre wieder gelesen habe 😉
    Das ist wirklich vernünftig. Ich hoffe, ich komme auch noch dahin!
    Schöööööööön. Ich wünschte, ich könnte in meiner alten Bücherei auch mitarbeiten, aber die Öffnungszeiten lassen das nicht zu 😦

    Gefällt mir

  11. Herba schreibt:

    @Servetus: Sounds lovely – in your youth but also the plans for the future. I love that the trend goes to libraries as meeting places!

    Gefällt 1 Person

  12. Herba schreibt:

    @Wortmagieblog: nein, ich bin definitiv genauso verrückt, was das angeht :mrgreen:
    Liebe Grüße zurück!

    Gefällt 1 Person

  13. Herba schreibt:

    @Nette: Das hab ich bei Goodreads gesehen. Finde ich echt gut, da will ich auch irgendwann mal hin 🙂

    Gefällt 1 Person

  14. Servetus schreibt:

    I was sad that it was a book that i really enjoyed that you broke off reading, but happy for you that you succeeded in stopping!

    Gefällt mir

  15. Herba schreibt:

    @Servetus: I was really sad too and might give it another try with the english version, but I really couldn’t continue :/

    Gefällt mir

  16. Servetus schreibt:

    Oops — I am happy for you too — but I was thinking of NBK — she broke off Homeland Elegies, iirc.

    Gefällt mir

  17. Herba schreibt:

    Ah okay. Have you read ‚How to be an antiracist‘? That was the book I broke off

    Gefällt mir

  18. Servetus schreibt:

    oh, yes, I have. And maybe recommended it, too. I thought it was excellent; I learned a lot from it. But I get breaking him off — I had a really hard time with his history of racism, which felt like it was 7000 pages long. I finished it but mainly because I thought it was important. It was a slog.

    Gefällt mir

  19. Herba schreibt:

    @Servetus: My problem was that the translator decided not to translate words like ‚race‘ or ‚racial‘ and my brain couldn’t handle that somehow….so I pulled the plug after 70 pages also I felt really bad about it because I really wanted to read this

    Gefällt 1 Person

  20. Servetus schreibt:

    Uch. That is a problem — it sort of forces you think about the idea everytime you see the foreign word. I get that „race“ is not easily translatable into German, but that’s not the solution. Maybe the English version would be easier. The thing I appreciated most about the book was the concrete demonstration of racism being a system that affects the thought patterns of everyone including its targets / victims.

    Gefällt mir

  21. Herba schreibt:

    @Servetus: It really, really drove me nuts. Maybe it would have worked better for me, if it hadn’t been used in every second sentence, but…
    And yeah, I’ve got why the publisher and/or the translator decided to do that, but I don’t think this is a good solution either.
    Maybe I’ll go with the english audiobook when I’ll try again.

    Gefällt 1 Person

  22. Wissenstagebuch schreibt:

    Ich bin auch furchtbar schlecht im Abbrechen. Deshalb bin ich schon bei der Auswahl fast vorsichtig geworden. Jetzt interessiert mich aber noch brennend, welche beiden Schullektüren du abgebrochen hast! Ich erinnere mich ungern an „Tauben im Gras“, das ich als Graus empfand.

    Gefällt mir

  23. Moin Herba!

    Zum Glück kann ich eine langweilige Lektüre recht gut „loslassen“.
    Aber ich finde es total witzig, wie viele ernsthaft (!?) Lesende in ihrer Jugend eine Phase hatten, in der Groschenromane verschlungen wurden – so auch bei mir! Wir haben uns sogar im Deutschunterricht mit diesem Phänomen befasst und durften uns dann selbst als Schreiberlinge einer solchen Schmonzette versuchen.

    Gruß
    Andreas

    Gefällt mir

  24. Herba schreibt:

    @Wissenstagebuch: Ich liege eigentlich auch nur recht selten daneben – zum Glück!
    In der neunten Klasse haben wir als Klasse beschlossen, dass wir ‚Andorra‘ von Max Frisch nicht weiterlesen und in der Zwölften habe ich ‚Die Blechtrommel‘ nach zwei Dritteln abgebrochen.
    Habe grade mal ‚Tauben im Gras‘ gegoogelt, das klingt nun auch nicht gerade so, als hätte mir das viel Spaß gemacht 🙂

    Gefällt 1 Person

  25. Herba schreibt:

    Moin Andreas!

    Ich bewundere jeden, der das kann. Ich fühle mich echt immer ganz schlecht, wenn ich ein Buch abbreche. Zum Glück erwische ich nur selten Bücher, die ich abbrech-würdig finde.
    Das ist ja cool. Das hätte mir auch Spaß gemacht!

    Liebe Grüße zurück
    Herba

    Gefällt 1 Person

  26. nettebuecherkiste schreibt:

    Das schaffst du! 🙂

    Gefällt mir

  27. Herba schreibt:

    @Nette: Irgendwann bestimmt 🙂

    Gefällt mir

Ich freu mich über Kommentare! Indem Du die Kommentarfunktion hier nutzt, erklärst Du Dich mit der Verarbeitung Deiner angegebenen Daten durch Automatic Inc. sowie den Dienst Gravatar einverstanden.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.