Der Trotzkopf

1880, Pommern:
Die sechzehnjährige Ilse (Anja Schüte) lebt mit Vater (Klaus Barner) und Stiefmutter (Emely Reuer) auf einem Landgut und benimmt sie eher wie ein Junge, als ein Mädchen aus gutem Haus.
Sie ist frech, gibt Widerworte und wickelt ihren Vater ständig um den Finger. Daher überreden ihn seine Frau und der Pfarrer der Familie (Hans Hessling) Ilse in ein Internat zu geben, um sie endlich richtig erziehen zu lassen.
Im Pensionat von Fräulein Raimar (anaid iplicjian) weit entfernt von ihrer gewohnten Umgebung, tut sich Ilse zunächst schwer, findet aber in Zimmergenossin Nellie (Linda Joy) und der Lehrerin Fräulein Güssow (Helga Anders) neue Freunde bzw. Vertraute.
Und bald erwacht auch Ilses Ergeiz es allen zu zeigen und herauszufinden, was in ihr steckt…

Für den heutigen Rewatch-Sonntag habe ich mir eine Miniserie aus meiner Kindheit ausgesucht, die nach dem gleichnamigen Mädchenbuch von Emmy von Rhoden realisiert wurde.
Mit dem Buch bin ich ehrlich gesagt nie warm geworden, aber die Serie mochte ich als Kind sehr.
Nun hatte ich sie wirklich schon lange nicht mehr gesehen und war gespannt, wie ich sie nun beurteilen würde.
Ich habe die Filme und Serien meiner Kindheit so oft gesehen, dass ich mich auch hier gleich wieder heimisch gefüllt habe, auch wegen der unverkennbaren Musik.
Ilse mochte ich früher ganz gern, fand ihre Freundin Nellie allerdings immer schon sympathischer.
Heute als Erwachsene finde ich Ilses Verhalten mehr als grenzwertig.
Dem Teenie kann ich nicht böse sein, weil sie es nicht besser weiß und einfach viel zu stark von ihrem Vater verwöhnt wurde.
Der jungen Frau, die nach einem Streit mit ihrem Verlobten Leo (Rainer Goernemann), bei dem sie nicht ihren Willen durchsetzen konnte, einfach bei Nacht und Nebel zu ihrer besten Freundin abhaut, hätte ich gerne mal in den Hintern getreten. Dieses Verhalten geht bei mir nun bei aller Nostalgie gar nicht mehr.
Aber natürlich hat Ilse auch ihre liebenswerten Seiten. Wenn sie zum Beispiel bei ihren Eltern darum bietet Nellie auch eine Geschenkkiste zu Weihnachten zu schicken und diese ganz überwältigt vom allerersten richtigen Weihnachtsgeschenk ist, das sie seit dem Tod ihrer Eltern bekommt, mag ich Ilse wirklich sehr – aber ihr Geheule geht trotzdem gar nicht!
Nellie ist mir weiterhin durchgehend sympathisch. Sie hält zu ihrer Freundin, macht aus ihrem herz aber auch keine Mördergrube und sagt ihr schonmal die Meinung.
Die Männer, in die sich die Beiden verlieben, fand ich optisch noch nie sonderlich ansprechend und daran hat sich auch nichts geändert, aber die Figur des Dr. Althoff (Thomas Astan) finde ich sympathisch.
Zu Leo hatte ich schon immer ein eher gespaltenes Verhältnis, ohne genau zu wissen, wieso. Bei dieser Sichtung bin ich den Gründen allerdings ein Stück weit näher gekommen.
Ich glaube mich stört sein in Ilse dringen wegen des Briefs, den sie gerade von Nellie bekommen hat und den er unbedingt vorgelesen haben will.
Und bei der Verlobungsszene, bei der er sie unbedingt küssen will und sie sich stocksteif macht, rollen sich meine Fußnägel auf. Das geht aus meiner modernen Sicht so gar nicht, auch wenn es sicherlich nicht ganz fair ist, moderne Maßstäbe an die Produktion anzulegen.
Auch als Ilse vom schmierigen Herr Lüders (Hans Zander) angetatscht wird und sie wegrennt, statt einen riesen Wirbel zu machen, war ich ziemlich angefaßt.
Ganz vergessen hatte ich, dass Sky du Mont auch in einer kleinen Rolle (mit sehenswertem Bart) mitwirkt.
Insgesamt hat das Schauen der acht Folgen trotz aller Kritik Spaß gemacht, ich war dabei anständig nostalgisch und ich bin irgendwie sicher, dass ich auch diese Serie aus meiner Kindheit nicht zum letzten Mal gesehen habe.

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16 Antworten zu Der Trotzkopf

  1. Servetus schreibt:

    I can’t believe I never ran across the book — I read all of the Nesthäkchen books and I used to really like historic children’s literature.

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  2. Herba schreibt:

    @Servetus: When I was a child it was highly recommended to me as a nice book for girls whenever I visited the library and ‚my‘ librarian wasn’t there (she knew I didn’t like it that much).
    Oh I love the Nesthäkchen stories. Annemarie is a great character and not even as a child as exhausting as Ilse. And there is a nice mini series too that screems for a rewatch now 🙂 Mmmmh, have to check if I own the dvds already.

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  3. Servetus schreibt:

    Did not know there was a tv series of that!

    I enjoyed those books too. I mostly read what my exSO’s older sister recommended, so maybe she didn’t like Der Trotzkopf, either.

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  4. Herba schreibt:

    @Servetus: I don’t know if you know her, but Susanne Uhlen plays Lena, the nanny and I really liked her even as a child.

    I think I might not have been able handle the writing style ( the book was published in 1885) as a child although I read a lot of stuff I wasn’t old enough to read.

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  5. Pingback: Medienjournal: Media Monday #486 | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

  6. Wortverloren schreibt:

    Ich bin da ganz bei dir. Sowohl was die nostalgischen Gefühle als auch was die Kritik angeht. Ich fand es damals sehr schade, dass nicht alle Bücher verfilmt worden sind. Denn es ist schon lesenswert, wie Ilse sich im Alter verändert. Aber das war ja bei Nesthäkchen genauso.

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  7. Herba schreibt:

    @Wortverloren: Das hätte ich auch gerne gesehen. EIne richtig erwachsene Ilse und kein Trotzkopf mehr. Aber vielleicht war das nicht interessant genug in den Augen der Serienmacher.

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  8. Esther schreibt:

    Der Trotzkopf! Das ist ja eine „Blast from the Past“, habe ich damals auch gerne gesehen (und die Bücher gelesen)! Interessant wie das jetzt ein wenig anders auf Dich wirkt als damals. Mal schauen, ob ich das auch hier finden kann.

    Und ich sehe, dass Nesthäkchen durch Serv erwähnt wurde, das habe ich auch gern geschaut (und auch die Bücher gelesen). Es gab‘ sowieso einige Deutsche Kinderserien in den 80ern, die wie gerne geschaut haben wie zB Silas oder Timm Thaler oder diese Ballerina-Serie, ich glaube die hiess Anna.

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  9. nettebuecherkiste schreibt:

    Hab ich auch oft gesehen und die Bücher gelesen. Aus heutiger Sicht ist das Frauenbild ja entsetzlich. Ich weiß noch, als Ilses Freundin (Orla? Olga?), die Medizin studieren wollte, einen Arzt heiratet und dann eben nicht studiert, weil sie ja dann schon Frau Doktor ist. Und das wird im Buch als was total Positives dargestellt! Da rollen sich mir die Zehennägel auf! Trotzdem, aus irgendwelchen Gründen macht es Spaß, sich das noch mal anzuschauen. Vielleicht ein wohliger Gruseleffekt 😉

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  10. Herba schreibt:

    @Esther: Ja, wie Sache, die man als Kind/Jugendlicher gesehen hat, als Erwachsene wirken, ist immer wieder interessant. Und die Nostalgie beim Schauen ist immer wieder toll 🙂

    DIe kenne ich natürlich auch alle. Das waren so Miniserien, die für’s Weihnachtsprogramm produziert wurden und echte Klassiker sind. ‚Anna‘ ist richtig, gut erinnert!

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  11. Herba schreibt:

    @Nette: Ganz schlimm! Der Vater von Ilse wehrt sich am Anfang ja auch ganz stark gegen das Pensionat und ein Argument war auch: ‚Ist doch wurscht, die heiratet doch eh bald‘. SO schlimm für moderne Ohren!
    Orla heißt sie. Der Arzt wird in der Serie eingeführt, aber ob sie zusammenkommen und was dann passiert, erfährt man leider nicht, weil die Serie ja mit der Hochzeit von Ilse endet – sie hat es geschafft, weiter muss man ihr Leben nicht mehr verfolgen 😉
    Ja, mir hat das Schauen auch wieder Spaß gemacht – Nostalgie pur!

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  12. Esther schreibt:

    Ich habe gesehen, dass es Der Trotzkopf auf YouTube gibt, vielleicht schaue ich demnächst mal rein. Ich moche Nesthäkchen aber lieber. 🙂

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  13. Herba schreibt:

    @Esther: Ich auch

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  14. nettebuecherkiste schreibt:

    Ist genau wie mit Nesthäkchen, das sind einfach so nostalgische Kindheitserinnerungen, und wenn man es schon immer mit alten Zeiten hatte…

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  15. Herba schreibt:

    @Nette: Ja, das finde ich auch.
    Wobei Nesthäkchen für mich definitiv in der interessanteren Zeit spielt.

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  16. nettebuecherkiste schreibt:

    Ja, das stimmt.

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