Die verschwundene Braut (Die Brontë-Schwestern #1) von Bella Ellis

Yorkshire, 1845:
Die Schwestern Charlotte, Emily und Anne Brontë leben wieder alle unter einem Dach mit ihrem Bruder und Vater und müssen sich nach verschiedenen Schicksalsschlägen erst einmal neu orientieren.
Als sie vom Verschwinden der jungen Ehefrau des reichen Gutsbesitzers von Chester Grange erfahren, sind dei Drei fest entschlossen, herauszufinden, was mit Elizabeth Chester passiert ist…

Die Idee von Bella Ellis, die drei Bronte-Schwestern als Privatdetektive ermitteln zu lassen, fand ich so spannend, dass dieser historische Krimi einfach bei mir einziehen musste.
Zugegebenermassen weiß ich allerdings über die Brontes weit weniger als zum Beispiel über Jane Austen und vielleicht hat es deswegen auch fast hundert Seiten gedauert, bis ich mit dem Buch warm wurde.
Bella Ellis trifft ganz gut die Vorstellung der Zeit, in der der Roman spielt, was aber in manchen Momenten eben auch sehr entschleunigend wirkt.
Bestimmte Unterhaltung finden zum Beispiel nicht sofort statt, nachdem neue Informationen aufgetan wurden, sondern müssen warten, bis man sich wieder in den eigenen vier Wänden befindet.
Auch sind die drei Schwestern viel zu Fuß unterwegs, was einerseits ein wunderbares Bild ihrer Umgebung liefert, andererseits eben auch den schnellen Fortgang der Handlung behindert.
Schwierig gemacht hat mir am Anfang auch der Eindruck beim Lesen, dass ich mitten in eine Familiendynamik hineingerate, über die ich nicht viel weiß und die ich auch erst einmal nicht so recht einschätzen kann.
Nach und nach habe ich zum Glück viel mehr über die drei Schwestern erfahren, jede bekommt ein eigenes Gesicht und es fiel mir immer einfacher, sie auseinander zu halten und auch zu mögen.
Alle Drei werden von der Autorin als aussergewöhnlich für ihre Zeit geschildert und als Leser kam ich nicht umhin sie zu bewundern – und da ich natürlich weiß, dass alle Drei sehr früh storben sind, auch zu bedauern, dass sie nicht mehr Lebenszeit geschenkt bekommen haben.
Alle Drei werden als klug und kreativ geschildert und ich musste öfter mal über die Dynamik zwischen den drei Schwestern grinsen.
Natürlich kommen auch Vater und Bruder Bronte zwischendurch mal vor, die ich eigentlich auch recht sympathisch fand, die aber gegen Charlotte, Emily und Anne einfach nur blass bleiben können, denn die Frauen sind hier der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte.
Neben den Brontes gibt es noch viel mehr Frauen, die wichtig für die Handlung sind und durch deren vielfältiges Schicksal man mehr über die Umstände der Frauen in dieser Zeit erfährt.
Hiermit geht die Autorin im Rahmen eines Unterhaltungsromans auch durchaus kritisch um.
Die Krimihandlung ist solide und fesselt genug, um unbedingt wissen zu wollen, was denn nun mit der verschwundenen jungen Frau passiert ist.
All das ergibt am Ende einen ruhigen Krimi, bei dem nicht Spannung, sondern historisches Flair und die Figuren im Mittelpunkt stehen.
Darauf muss man sich einlassen können und wollen und erlebt dann sicher auch unterhaltsame Lesestunden.
Ich bin jedenfalls gespannt auf den zweiten Teil und hoffe, dass es den dann auch irgendwann in deutscher Übersetzung geben wird (ich bin gerade etwas zu faul für englische Lektüre).

Die Bände der Reihe in chronologischer Reihenfolge (Affiliate-Links):
Die verschwundene Braut (The Vanished Bride)
The Diabolical Bones

Bella Ellis bei Piper
Bella Ellis bei Penguin RandomHouse

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8 Antworten zu Die verschwundene Braut (Die Brontë-Schwestern #1) von Bella Ellis

  1. Servetus schreibt:

    „die ich auch erst einmal nicht so recht einschätzen kann“ as a description of the inner family dynamic of the Brontës is a position probably shared by everyone except Brontë experts. At least, I know enough to know they were a really odd family for the time.

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  2. Herba schreibt:

    @Servetus: In what way odd?

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  3. Esther schreibt:

    I think they were misfits in their time. They had a lot of tragedy to deal with in their lives (losing their mother early, losing sisters early – experiences that have been reflected in their books) so they were very close, living in their own fantasy worlds that they created in early writings together. I even want to say they developed an own secret language but I may be mixing that up with someone else. Brother Branwell became an alcoholic, which was difficult to deal with. I think their imaginations made them fly where they were restrained in real life and I think outsiders found that hard to understand or penetrate. As women, they were very much trying to emancipate themselves in ways that may have not been that common yet in those times. I see that most in Charlotte and Anne (The Tenant of Wildfell Hall about a woman escaping her abusive husband is I think quite shocking for the time in which it was written!). They’re fascinating and always surrounded by an air of mystery.

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  4. Herba schreibt:

    @Esther: The book, even it’s only historical crime, tells all that in one way or another and gave me a bit of insight and more knowledge than I had before.
    It always makes me a bit sad when I read about women who were ahead of their times and not really able to fully live their lifes because of that

    Gefällt 2 Personen

  5. Servetus schreibt:

    what Esther said (I also have that detail in my mind about a secret language) — misfits is a good description. Most children in that situation would have had a stepmother, but their father never succeeded in finding a second wife. They lived in a parsonage, which is usually a pretty porous way to live, with people in and out of the house all of the time, but they intentionally never replaced servants who died or left so they wouldn’t have to deal with having people around them — they really worked hard at preserving their private space and they were not interested in outsiders at all. there was a lot of speculation in the 20th c. that Emily and Branwell were involved in an incestuous relationship (mirroring that of Cathy and Heathcliff). I seriously doubt that, but I can see why the sisters‘ books and lives could leave that impression. Outsiders, and the outside world generally, were generally not welcome.

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  6. Herba schreibt:

    @Servetus: Ah thanks.
    Than Ellis gave a good impression of some of that in this book. Even if it took her a little while to go there.
    The fantasy world they invented was mentioned for example.

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  7. Esther schreibt:

    It was one of the highlights of my life to finally visit that parsonage in Haworth a few years ago. The moors they loved are right behind it.

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  8. Herba schreibt:

    @Esther: I am sure that was a visit to remember!

    Gefällt 1 Person

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