Enola Holmes (Originalversion)

Die 15-jährige Enola Holmes (Millie Bobby Brown) lebt zusammen mit ihrer Mutter (Helena Bonham Carter) zurückgezogene auf dem Landsitz der Familie. Relativ unbeaufsichtig darf Enola tun und lassen was sie will und weder eine Gouvernante noch angemessene Kleidung halten sie zurück. Stattdessen unterrichtet sie ihre Mutter in allem Möglichen, das sie für nützlich hält.
Dies ändert sich allerdings schlagartig, als ihre Mutter in der Nacht vor Enolas 16. Geburtstag spurlos verschwindet, ihre beiden erwachsenen Brüder Mycroft (Sam Claflin) und Sherlock (Henry Cavill) aus London anreisen und Enola in ein Internat stecken wollen.
Doch die junge Dame hat eigene Pläne, macht sich auf die Suche nach ihrer Mutter und gerät dabei mitten in das Verschwinden des jungen Lord Tewkesbury (Louis Partridge)…

Ich habe letztes Jahr im Sommer den ersten Teil der Enola-Holmes-Buchreihe gelesen und mag Enola seitdem sehr.
Die Buchvorlage ist für Kinder/Jugendliche geschrieben und das merkt man den Geschichten natürlich an, aber ich finde sie sehr unterhaltsam und war sehr gespannt auf die filmische Umsetzung.
Was von Anfang an sehr auffällig ist, ist dass aus der vierzehnjährigen Buch-Enola eine sechzehnjährige Film-Enola gemacht wurde, was an der ein oder anderen Stelle dafür sorgt, dass Enola nicht mehr ganz so außergewöhnlich wie in den Büchern daherkommt.
Außerdem wird im Film Sherlock viel mehr in Enolas Gedankenwelt eingebaut und nimmt so eine viel stärkere Rolle als in den ersten Büchern ein.
Und was für mich den größten Unterschied zwischen Buch und Film ausmacht, ist die Einsamkeit von Enola. Gerade im ersten Buch ist Enola wirklich ganz allein und behauptet sich ohne viele Kontakte zu anderen Menschen zu haben.
Sie sehnt sich zwar nach ihrer Mutter und dem alten gemeinsamen Leben, aber nach mehr auch nicht. Der Wunsch von Sherlock als kluger Kopf anerkannt zu werden, kommt erst später.
Im Film ist das nicht so, da habe ich zu keiner Zeit den Einsamkeitsaspekt gespürt, der die Bücher für mich ein Stück weit besonders macht, was ich ein wenig schade finde.
Andererseits fand ich die Film-Enola durchaus unterhaltsam. Sie ist selbstbewußt und weiß sich zu wehren und Brown hat mir im Zusammenspiel mit den anderen Castmitgliedern wirklich gut gefallen.
Und auch den, für Puristen vielleicht all zu, menschlichen Sherlock fand ich erstaunlich anständig gespielt von Cavill, während Claflin den gefühlskalten Mycroft mit der nötigen sauertöpfischen Miene darstellt.
Sehr süß fand ich auch Partridge als Tewkesbury, während Bonham Carter, Fiona Shaw und Frances de la Tour für den erwachsenen Touch sorgen und Adeel Akhtar den typischen unterlegenen Inspektor Lestrade gibt.
Die Ausstattung des Films ist manchmal vielleicht ein bißchen bunt, aber durchaus gelungen und die Bildsprache hat mir allgemein recht gut gefallen.
Etwas zu viel war mir das Durchbrechen der vierten Wand von Brown, die sich regelmäßig direkt an die Zuschauer wendet. Dieses Stilmittel mag ich aber allgemein nicht so wirklich gern. Dem Spaß beim Zuschauen hat das aber insgesamt keinen Abbruch getan.
Der ‚Kriminalfall‘ ist leidlich spannend und die Auflösung hat mich sogar ein wenig überrascht, auch wenn es bei näherem Nachdenken durchaus logisch war.
Insgesamt halte ich ‚Enola Holmes‘ für einen unterhaltsamen Filmspaß mit einer weiblichen Heldin, aus der man sicher noch mehr machen kann, der aber ein wenig hinter der Buchvorlage zurückbleibt.
Über eine Fortsetzung würde ich mich aber auf jeden Fall freue n und ich bin gespannt, wen sie dann als Doctor Watson casten.

Mein Leseeindruck zum ersten Teil der Buchreihe ‚Der Fall des verschwundenen Lords
‚Enola Holmes‘ bei Netflix Deutschland

Ein deutscher Trailer

Ein englischer Trailer

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23 Antworten zu Enola Holmes (Originalversion)

  1. Wortman schreibt:

    Hurra – bin ich also nicht der einzige, der das Durchbrechen der vierten Wand für ein bisschen störend empfand 🙂
    Ansonsten ein klasse Film.

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  2. Karoline schreibt:

    Danke für die tolle Rezi. Will ihn mir morgen als Wochenendbelohnung anschauen und freue mich jetzt noch mehr 🙂 da ich die Buchvorlage nicht gelesen habe, wird es sich für mich vielleicht stimmiger anfühlen. Aber ich verstehe sehr gut, was du meinst. Oft bleiben die Filme in ihrer Qualität hinter den Büchern…

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  3. Ich war überrascht, wie gut mir der Film gefiel. Ich habe mich keine Sekunde lang gelangweilt oder nebenbei gesurft. Allerdings kenne ich im Gegensatz zu dir auch die Buchvorlage nicht.

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  4. Esther schreibt:

    Ja, den möchte ich mir auch noch anschauen. Gut zu lesen dass er Dir gefallen hat.

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  5. SueBC schreibt:

    I really liked Millie Bobby Brown in Stranger Things, particularly the first season. But part of what made her seem so great was how young she was, similar to what you are saying about the book. That talking to the camera seems a bit annoying, even in the trailer!

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  6. Servetus schreibt:

    Sounds like I might like the book book better.

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  7. Herba schreibt:

    @Wortman: Nein, definitiv nicht 🙂

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  8. Herba schreibt:

    @Karoline: Sehr gerne! Viel Spaß beim Schauen und lass doch mal hören, wie du ihn fandest (wenn du magst).

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  9. Herba schreibt:

    @AequitasEtVeritas: Ich fand ihn auch sehr kurzweilig und definitiv gelungen. Die Buchvorlage war in Teilen nur etwas ‚tiefer‘.

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  10. Herba schreibt:

    @Esther: Er macht auf jeden Fall Spaß.

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  11. Ich bin darauf gespannt. Das Bloggerportal wird mir wohl ein Hörbuch zum Rezensieren zur Verfügung stellen.

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  12. Herba schreibt:

    @SueBC: I don’t know ‚Stranger Things‘ yet but heard a lot of good about it.
    Thankfully in the movie it happens not that often as the trailer suggests but yeah, not my style.

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  13. Herba schreibt:

    @Servetus: Both forms have their pros and cons. The book is a childrens book and an really easy read, but somewhat deeper (at least for me) showing Enolas character. The movie is a lot of fun and more light hearted.

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  14. Herba schreibt:

    @AeuqitasEtVeritas: Na, da bin ich gespannt, wie es Dir gefällt. Kennst Du Luisa Wietzorek, die das wohl liest schon?

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  15. Pingback: Musik am Samstag #162 | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

  16. Nein, bislang nicht. Ist sie eine gute Sprecherin?

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  17. Herba schreibt:

    @AequitasEtVeritas: Ich habe keine Ahnung. Ich habe nur kurz in die Hörprobe reingehört. Sie klingt auf jeden Fall jung genug für Enola

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  18. Ich lasse mich mal überraschen. Die schlechteste Sprecherin, die ich bisher genossen habe, war Marie Bierstedt im ersten Fourth-Monkey-Killer-Roman …

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  19. Herba schreibt:

    @AequitasEtVeritas: Dann drücke ich mal die Daumen!

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  20. Nicole.G schreibt:

    Habe es mir gestern angeschaut und fand den Film sehr unterhaltsam. Einzig Sherlock’s doch schon offen gezeigte Gefühle haben mich etwas irritiert. Das kenne ich von Sherlock nicht.
    Und ja, das Durchbrechen der 4. Wand (den Ausdruck kannte ich bisher gar nicht, wieder was gelernt) fand ich nervig. Nicht nur bei diesem Film, sondern auch schon bei anderen.
    Warum wird das gemacht, meinen die Filmmacher, man versteht die Handlung sonst nicht, geht es schneller, eben was kurz zu erzählen, statt filmisch darzustellen, …?
    Trotzdem insgesamt eine Empfehlung für einen Schlechtwettertag.

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  21. Herba schreibt:

    @Nicole: Freut mich, dass er Dir auch gefallen hat.
    Sherlock mit Gefühlen ist definitiv mal was anderes.
    Eigentlich wird das Durchbrechen der 4. Wand gerne bei Comedys eingesetzt. Wieso das hier gemacht wurde, kann ich nicht sagen, aber das war wohl die Idee der Hauptdarstellerin.

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  22. Pingback: Medienjournal: Media Monday #496 | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

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