Pretty Woman

Die Prostituierte Vivian Ward (Julia Roberts) steht auf ihrem Platz am Straßenstrich des Hollywood Boulevards in LA, als ein Lotus Esprit neben ihr anhält, in dem der schwerreiche Finanzinvestor Edward Lewis (Richard Gere) sitzt und nach dem Weg zu seinem Hotel fragt.
Vivian wittert ihre Chance auf einen guten Verdienst und bietet sich an Edward den Weg zu zeigen.
Der nimmt sie spontan mit in sein Hotel-Penthouse und heuert sie am nächsten Morgen sogar als Begleitung für die ganze Woche an. Ob das gut geht?

Eigentlich hatte ich eine andere Rewatch für diese Woche geplant, aber da ich am Donnerstag ausnahmsweise mal abends beim Live-TV über ‚Pretty Woman‘ gestolpert und hängen geblieben bin, wurde der Plan spontan geändert.
Schließlich ist ‚Pretty Woman‘ einer DER Filme der frühen Neunziger. Und er ist einer der Filme, die ich schon unzählige Male gesehen habe, deren letzte Sichtung aber schon länger zurücliegt.
Und auch hier stellte sich wieder die Frage: funktioniert dieses moderne Märchen für mich immer noch oder ist beim Schauen eine Runde Fremdschämen angesagt?
Zugegebenermaßen ist die Geschichte ziemlich klischeehaft. Mittelalter, steinreicher Sack gabelt junges, hübsches Mädchen aus der Gosse auf, verpaßt ihr eine Runde Erziehung und ein paar angemessene Kleider, sie will nun etwas Besseres aus ihrem Leben machen und er stellt fest, dass er ohne sie nicht mehr leben kann – Pygmalion/My fair lady läßt grüßen.
Was meiner Meinung nach die Geschichte von ‚Pretty Woman‘ trotzdem sehenswert macht ist der Witz und Charme von Julia Roberts.
Über die fliegende Schnecke im Restaurant kann ich zum Beispiel auch nach 30 Jahren und der wer weiß wie vielsten Sichtung noch schmunzeln.
Dass sie wunderschön ist, schadet natürlich auch nicht.
Und der damals schon leicht angegraute Richard Gere bildet dafür einen guten Hintergrund. Überhaupt ist sein steifer, geschniegelter Edward ein guter Gegenpart zu der manchmal leicht ungehobelten, frischen Vivian von Roberts.
Ein weiterer dicker Pluspunkt des Films ist der wunderbar eingängige Soundtrack, bei dem ich nach wie vor mitsingen kann und das auch gerne tue. Dabei kam am Donnerstag zugegebenermaßen auch ein wenig Wehmut auf, weil ich solche Musik, die mir im Ohr bleibt und dei ich immer wieder hören kann, zur Zeit schmerzlich fehlt.
Nebenfiguren wie der Hotelmanager Barney (Hector Elizondo) und Vivians Kollegin Kid (Laura San Giacomo) mag ich genauso gern wie Vivian und dem fiesen Phil (Jason Alexander) gehört meiner Meinung nach mehr als eins auf die Nase!
Die Kleider, die Roberts trägt, sind teilweise auch echt wunderschön, wenn auch ziemlich Neunziger, aber einem Film aus der Zeit, kann man das wohl kaum ankreiden.
Würde ich so eine Geschichte, wenn ich sie jetzt zum ersten Mal sehen würde, mögen? Vielleicht nicht.
Aber so mag ich den Film aus meiner frühen Teeniezeit einfach immer noch, als das was es ist:
ein zuckersüßes, moderenes Märchen mit dickem Happy End und dem Gefühl 119 Minuten lang gut unterhalten worden zu sein und den Alltag hinter sich gelassen zu haben.

Wem der Beitrag nun Lust gemacht hat: heute ab 14.40 Uhr zeigt VOX den Film noch einmal in seinem Nachmittagsprogramm.

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Ein englischer Trailer (einen deutschen habe ich leider nicht gefunden)

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13 Antworten zu Pretty Woman

  1. Michele Marsh schreibt:

    Herba I love symmetry and how better perfect timing can it get!!
    I liked the whole fairy tale message here and still do especially now
    Runaway Bride is a nice counter piece to Pretty Woman as well

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  2. Kate schreibt:

    Ach, den muss ich mir glaube ich auch mal wieder anschauen. Ich denke, du hast völlig recht: Vielleicht würde man das heute „frisch“ nicht mehr so genießen, aber das interessante an Filmen, Büchern und Musik ist eben, dass sie für jeden ein Stückchen persönliche Vergangenheit und Erinnerung enthalten und das schwingt beim Anschauen, Lesen oder Anhören mit. Der Soundtrack hab ich damals rauf und runter gehört und Jahre später haben wir zu meiner aktiven Faschingszeit dazu sogar getanzt. Und das berühmt-berüchtigte Kleid war auch dabei (allerdings nicht von mir getragen).
    Aber abgesehen davon, sind die schlüpfrigen Scheißerchen und Hector Elizindos grandiose Mimik mal wieder einen Rewatch wert. Und wie der steife Edward auftaut, ist für den Romance Fan wie mich natürlich auch heute noch ein Genuss. Stichwort Sunshine meets grumpy bear. ☀️😒

    Dir noch ein schönes Restwochenende. 😘

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  3. CraMERRY schreibt:

    Danke! Nachmittag gerettet 😃
    Aber um mal zu meckern: R.G. hat echt hässliche Hände. So bisschen dicklich. UND deutlich zu kleine Äugelchen. Aber die göttliche Julia reißt alles raus!!!!

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  4. Herba schreibt:

    @Michele: I liked ‚Runaway Bride‘ too, maybe because I enjoyed seeing Roberts and Gere together again, but for me it isn’t nearly as good as a movie as ‚Pretty Woman‘. This movie will always be special to me ❤

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  5. Herba schreibt:

    @Kate: Damit hast du absolut Recht. Die eigenen Erfahrungen und Umstände beeinflussen immer auch die Medien, die wir gerade konsumieren.
    Tanzen kann ich mir richtig gut zu der Musik vorstellen!
    Meine Schwester hatte den Soundtrack als LP und irgendwann auch als Kassette (extra fürs Auto) und ich hab dann viel später mal die CD gekauft und höre die Lieder, die ich davon mag, immer noch gern. Aber es war trotzdem überraschend, dass ich auch immer noch mitsingen kann, wo ich ansonsten ohne Notizzettel nicht mehr auskomme 😉
    Nicht nur Elizindos Mimik ist genial, auch der Aufzugboy kuckt immer so herrlich ;D
    Ja, Edward hatte schon einen ziemlich großen Stock im A****llerwertesten…..ob man RA auch mal in nem Lotus zum Hollywood Boulevard schicken müßte

    Danke, das wünsche ich Dir auch!

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  6. Herba schreibt:

    @CraMERRY: Büdde, büdde! Immer gern :mrgreen:
    Nun ja, er selbst ist ja auch nicht immer unbedingt der Schlankeste, da passen die Hände evtl ins Bild. Aber um ehrlich zu sein, habe ich mir die noch nie genauer angekuckt, genau wie die Augen.
    Ich hab mir meinen fehlenden Enthusiasmus was ihn angeht, immer damit erklärt, dass er bei der Erstsichtung einfach zu alt für mich war. Auch wenn er mir in der Rolle auf jeden Fall gefällt, fand ich ihn nie wirklich sexy.
    Julias reißen IMMER alles raus 😎 😉

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  7. Michele Marsh schreibt:

    Herba I did like how Julia was the commitment phobe in Runaway Bride and there was a happy r ring too!! With horses!! ❤️❤️but yeah I think Pretty Woman stAnds the test of time as far as fairy tale messages go and class alienation. What a wonderful surprise you stumbled on !! 🤗❤️

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  8. Herba schreibt:

    @Michele: Yeah, that was a nice twist, because ’normally‘ men are the ones with the commitment problems.

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  9. Servetus schreibt:

    There are so many scenes in this film that make it feel like an (updated) Golden Age classic — the one in the piano bar after hours; the interactions between Julia and Hector Elizondo, the dinner scenes with the jokes around manners. The moment when she goes back to the shop that won’t serve her and rubs in how much they are losing is fabulous. And yeah — Julia Roberts is really something special. I tend to like her even in films I really don’t like much.

    We talked about this film a lot at university — because of the whole question of what it meant about your politics if you enjoyed the film. At the time that didn’t bother me so much as it does now — but there are definitely scenes I can’t make myself watch anymore when it’s on.

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  10. Pingback: Medienjournal: Media Monday #481 | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

  11. Herba schreibt:

    @Servetus: I love the scene in the shop too. Roberts does that really excellent. Sadly I haven’t watched something new with her for a long time.

    Now I am curious. What does it say about ones politics if one likes the movie?

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  12. Servetus schreibt:

    The main discussion I remember was the film coming up in a seminar about the French Enlightenment, where we were discussing Rousseau’s work in his First Discourse (where he argues that art corrupts human morals) and then his defense of Geneva’s censorship of certain kinds of art (specifically: The Marriage of Figaro). There was a lot of skepticism about whether art could impact morals that much, but then one of my classmates brought up the film and said that even though she was politically and morally opposed to the whole situation described in the film, when she watched Richard Gere and Julia Roberts together, she wanted Richard Gere to buy her. Someone else said she might feel that way but she wouldn’t actually do it … and the discussion went on from there. Then I remember a lunchtime discussion once if you could be a feminist if you liked the film, and so on. But it came up a lot that here (my final university year).

    I don’t necessarily think our artistic tastes say anything about our politics, or in any case, the relationship is not one of direct correspondence. If I take something like „Madame Butterfly,“ which I enjoyed once but really can’t watch anymore — well, I don’t think that people who still enjoy it are somehow politically corrupt. The only thing that bothers me is when people deny that there are issues with that sort of art or refuse to acknowledge the problems with them in our current atmosphere.

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  13. Herba schreibt:

    Servetus: From Rousseau to Pretty Woman? Wow!

    No, not necessarily. I guess for me it’s more an indication of open-mindedness to watch something (or condemn it without having seen it). In certain moral tracks of course…

    Gefällt 1 Person

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