Zu viel und nie genug: Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt erschuf von Mary L. Trump [Werbung]

Wie wurde Donald Trump so, wie er ist? Wer ist für die Art des Mannes verantwortlich, der als aktueller US-Präsident wie kein anderer hetzt und spaltet und über ein übergroßes Ego verfügt, das nicht zuläßt Fehler zuzugeben und nur in Superlativen spricht?
Diesen Fragen geht die Autorin nach. Ob es ihr gelingt Antworten zu finden?

Mary L. Trump, promovierte Psychologin und Nichte von Donald Trump, sagt in ihrem Buch, dass sie es schreiben musste.
Weil sie sich mittlerweile schämt den Namen Trump zu tragen. Aber vor allem, weil sie den familiären Teufelskreis der schweigenden Zustimmung durchbrechen wollte.
Kritiker werden ihr vorwerfen, dass es bei dem Buch um Rache geht, weil sie und ihr Bruder von ihre Großvater Fred Trump enterbt wurden und mit der Klage gegen die Familie mehr oder weniger scheiterten (man einigte sich aussergerichtlich für einen Bruchteil dessen, was vermutlich fair gewesen wäre).
Und ja, ich bin mir eigentlich sicher, dass es ihr zumindest schwerer gefallen wäre, dieses Buch zu schreiben, wenn die Familie sie und ihren Bruder nicht so schäbig behandelt hätte.
Aber wer nun ‚Zu viel und nie genug‘ als billiges Rachebuch abtut, macht es sich viel zu einfach.
Ja, man merkt beim Lesen wie tief verletzt Mary ist. Aber wer könnte ihr das verdenken?
Schlimm genug, dass ihr Vater Freddy, der älteste Bruder von Donald, der es nie schaffte die Erwartungen von seinem Vater Fred Trump zu erfüllen, schließlich an der toxischen Beziehung zu seinem Vater zerbrach und mit 42 Jahren völlig mittellos starb.
Aber dann in einer Familie, in der alles über Geld und Erfolg definiert wird, aus dem Testament des Großvaters und damit quasi aus der Familie gestrichen zu werden und das mit einer Bösartigkeit, die seinesgleichen sucht, dürfte ein ziemliches Trauma verursacht haben.
Besonders ’nett‘ fand ich an diesem Teil der Geschichte die Tatsache, dass Mary und dei Familie ihres Bruder aus der familiären Krankenversicherung geschmissen wurde, gerade als Marys Neffe schwer krank geboren worden war und eine Krankenversicherung quasi überlebenswichtig für den Kleinen war.
Aber ich greife vor, denn mit dieser kleinen ‚Anekdote‘ bin ich schon fast beim Schluss des Buches angekommen.
Auf 286 Seiten erzählt Trump über die Familiendynamik in der Familie Trump, ausgehend vom Patriarchen Fred Trump, der seinen ältesten Sohn auf Erfolg trimmte und Erwartungen hegte, die dieser nie erfüllen konnte.
Lieblos ging der Vater mit seinem Ältesten, aber auch mit den anderen Kindern um und auch die Mutter Mary Anne ist vor allem aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage viel Liebe oder Halt zu geben.
Nur Donald ist, durch das negative Beispiel seines Bruders, in der Lage genau das zu tun, was der Vater erwartet und wird von seinen Eltern schnell auf ein Podest gestellt.
Wo Freddy unsicher agiert, ist Donald großspurig und drängt sich ins Rampenlicht. Dass er ohne die Kontakte und das Geld des Vaters nicht weit gekommen wäre, blendet sowohl er, als auch sein Vater aus.
Die Mutter und die restlichen Geschwister wollen/können den beiden Männern nichts entgegensetzten und so lebt Donald seit 50 oder 40 Jahren in dem Glauben, dass er der Tollste und Größte ist.
Mich wundert, nachdem ich ‚Zu viel und nie genug‘ gelesen habe, jedenfalls nichts mehr. Au0er vielleicht die Tatsache, dass so viel Menschen auf diese Masche hereinfallen und die Lügen von Donald Trump glauben…
Hier und da hätte ich mir mehr psychologische Einschätzungen/Erklärungen gewünscht, aber insgesamt war ‚Zu viel und nie genug‘ ein erhellendes, aber auch zuweilen bestürzendes Leseerlebnis, das mir das Verhalten des aktuellen Präsidenten der USA erklärt hat und ich durchaus weiterempfehlen kann.

Mary L. Trump bei RandomHouse
Mary L. Trump bei Simon & Schuster
‚Zu viel und nie genug‘ bei Amazon.de (Affiliate-Link)

Das Taschenbuch wurde mir vom RandomHouse-Bloggerportal als Belegexemplar zur Verfügung gestellt – vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.
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12 Antworten zu Zu viel und nie genug: Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt erschuf von Mary L. Trump [Werbung]

  1. Esther schreibt:

    Unverständlich, dass so ein Mann President sein kann… Und traurig, dass schlechte Väter auch schlechte Söhne hervorbringen.

    Gefällt 1 Person

  2. Servetus schreibt:

    (as you know) I found this a really worthwhile read, too. It definitely makes some things more understandable, if not more acceptable. I remember a German friend saying to me years ago that when you’re 30, you own your own face, i.e., what you are at that point has at least as much to do with you as with your parents. Lots of people who have horrible parents grow up to be relatively normal, even praiseworthy adults.

    Like you I was expecting a somewhat lower level of discussion than I actually got. It’s clear that Mary Trump’s training has given her some great tools for understanding her family and her uncle and as you say this book is much more than revenge or gossip.

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  3. Herba schreibt:

    @Esther: Ja, das ist es. Hoffentlich wird er im November nicht auch noch wiedergewählt!
    Wenn die Mutter eine stärkere Persönlichkeit gewesen wäre, wäre das vielleicht in diesem Fall anders ausgegangen. Aber da sie ihrem Mann nichts entgegen gesetzt hat (auch, weil sie immer krank war), kam eben dieser Mensch dabei heraus.

    Gefällt 1 Person

  4. Herba schreibt:

    @Servetus: Yes, it sure isn’t an excuse for Trump but an plausible explanation for the beginning of his ego trip. What I not understand (and maybe never will) is why such persons as Trump seem to always find people who support them.

    I read some of the revies on AmazonDE and that’s the main point of negative reviews as I suspected. Ah well, if you think Trump is a practicing christian you might believe everything and defend him to no end. Even if there is no proof whatsoever…

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  5. Servetus schreibt:

    I think even most Christians over here who support him would not say he was a practicing Christian. It’s more that they thing „his heart is in the right place.“ He gets a lot of support over putting in conservative judges that they think will end abortion rights. They agree with his positions on immigration, guns, racism, etc. They think his administration is doing its best to dismantle the public school system, which many of them oppose, and they are not wrong about that. He fulfills their notions of masculinity. They also think he is making Christianity more politically powerful (even if not himself fully devoted to living a Christian life). I thought this was a solid explanation.

    https://www.theatlantic.com/politics/archive/2020/06/trumps-biblical-spectacle-outside-st-johns-church/612529/?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+AtlanticPoliticsChannel+%28The+Atlantic+-+Politics%29

    I actually think Trump is weakening Christianity, though. He’s done nothing to stop the gradual diminution of the mainline denomination, and it’s now well known that the evangelical churches are hemorrhaging membership. Even around here, the students I teach are extremely uninterested in or negative about religion in general and Christianity in particular. They have seen a lot of hypocrisy up close in the last generation or so.

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  6. Herba schreibt:

    @Servetus: Thanks for the interesting read!
    Wow, in a state like yours that says a lot doesn’t it?!

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  7. Servetus schreibt:

    I don’t know how much energy you have for Trump family shenanigans but I thought all these links were worthwhile reads:

    https://www.theatlantic.com/newsletters/archive/2020/08/jared-kushner-trump-white-house-good-son/615280/

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  8. Herba schreibt:

    @Servetus: Thanks! He is constantly at the news here atm (today actually two times – for his coup with your postal service and because of his lies about Harris status as an american citizan) so it’s always good to get more feedback knowledge at things.

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  9. Servetus schreibt:

    When that birther stuff broke, I just about sobbed. Are we really going to do this again? Are we going to do this to every non-white candidate or child of immigrant parents? Then I read that Trump did it to Ted Cruz (father from Cuba, born of a US mother in Canada) and Marco Rubio (parents from Cuba) and I guess there was even some discussion of John McCain (born to US parents who were resident in the Panama Canal Zone at the time). Trump’s just such a horrible person.

    stay tuned for next week’s installment: Kamala Harris‘ sex life.

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  10. Herba schreibt:

    @Servetus: It’s like when we in Germany doubt someone with turkish ancestors to be ‚real‘ german. My all time ‚favourite‘ quote: „But he/she doesn’t look like a German‘. I mean how does a German look like???
    And yes, he is a horrible person, a liar, a fraud, a racist and a sexist. But he does SUCH a good job *eyeroll*
    Oh boy….

    I read somewhere last week that RUssia would try to affect the election for Trump and CHina would try to get Biden elected and I thought: ‚I really would prefer if noone would meddle with an election but if someone does it anyway (and I can’t believe I write this) than GO CHINA!‘

    Gefällt 1 Person

  11. Servetus schreibt:

    I know what you mean. A lot of my friends are currently wrestling with the problem that in the current situation there’s almost no way to figure out how the US gets better without things getting acutely worse: so is hoping for things to improve also hoping for things to worsen?

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  12. Herba schreibt:

    @Servetus: That’s what I am afraid of. That things actually will get a lot more worse till it’s get better again :/

    Gefällt 1 Person

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