Mr. Jones (Originalversion)

England, Russland, 1933:
Gareth Jones (James Norton) ist ein aufstrebender Journalist und arbeitet außerdem als Politikberater des ehemaligen britischen Premierministers David Lloyd George.
Durch ein Interview mit Hitler hat sich Jones in der politischen Szene einen Namen gemacht, doch weil in der Wirtschaftskrise das Geld knapp ist, wird Jones als Berater von Lloyd George entlassen.
Daher beschließt er nach Russland zu reisen, weil er gern auch ein Interview mit Stalin führen würde, um ihn zur außerordentlichen wirtschaftlichen Expansion von Russland zu befragen.
In Moskau angekommen, begibt er sich auf die Spuren eines vor kurzem ermordeten Freund und Kollegen und deckt in der Ukraine Unglaubliches auf…

Den Trailer zu ‚Mr. Jones‘ habe ich schon 2019 gesehen und ich war ziemlich gespannt auf den Film, zumal ich James Norton einfach gern sehe.
Allerdings hatte ichden Inhalt wieder vergessen und bin vollkommen ohne Erwartungen an die Sache herangegangen.
Und so wurde ich schon von Anfang an überrascht. Ein Waliserhat ein Interview mit Hitler geführt? Wow.
Der gleiche Mann macht sich auf, um ein Interview mit Stalin zu führen und deckt dabei einen schrecklichen Massenmord auf, der staatlich organisiert und vom selben Staat gekonnt unter den Teppich gekehrt wird? Wow.
Der Begriff ‚Holodomor‘ war mir auch vor diesem Film ein Begriff. Allerdings war mir nicht klar, dass damit keine ‚einfache‘ Hungersnot gemeint ist, sondern eine, die Stalin verursachte, indem er Getreide aus der Ukraine (die Kornkammer Russlands) abzog, um andernorts die wirtschaftliche Expansion von Russland voranzutreiben. Dass dabei nach Schätzungen 3 bis 14 Millionen Menschen den Hungertod fanden, war ein Kollateralschaden, den Stalin in Kauf nahm.
Vom dekadent wirkenden Moskau in die winterliche Ukraine reist der Zuschauer mit Jones und wird dabei Zeuge der Abscheu, des Unglaubens und der Trauer des jungen Mannes, den Norton glaubhaft darstellt.
Obwohl ihm der große Coup mit dem Hitler-Interview gelang, er die Landessprache spricht und sich theoretisch gut in Russland auskennt, wirkt Jones immer wieder unbedarft und naiv, nur um dann mit einer Realität konfrontiert zu werden, die unfassbar ist.
Schonungslos zeigt der Film hier das Grauen des Hungers und nach den Hochglanzbildern aus Moskau ist das noch schwerer zu ertragen.
Norton beweist einmal mehr, dass er einen kompletten Film tragen kann und hat mir in dieser Rolle wirklich gut gefallen.
Jones wird als Held gezeigt, der an seiner Geschichte festhält, auch als es Druck gibt, zu wiederrufen und nicht mehr über den Holodomor zu berichten.
Nachdem ich ein bißchen was über Gareth Jones nachgelesen habe, bin ich nicht sicher, ob er diesen Heldengesang verdient, aber er war definitiv ein beeindruckender junger Mann.
Der restliche Cast ist gut, bekommt aber wenig Möglichkeiten zu glänzen. Trotzdem wird mir Peter Sarsgaard als Pulitzer-Preis-Gewinner Walter Duranty im Gedächtnis bleiben.
Insgesamt halte ich ‚Mr. Jones‘ für einen sehenswerten, aber auch schwer ertragbaren Film.
Und Filme über historische Begebenheiten wie den Holodomor kann es sowieso nie genug geben!

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Ein englischer Trailer

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2 Antworten zu Mr. Jones (Originalversion)

  1. Esther schreibt:

    Geht auf meiner Liste!

    Gefällt 1 Person

  2. Michele Marsh schreibt:

    Me too Herba and Esther fascinating story

    Gefällt 1 Person

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