Just Mercy

Der junge Anwalt Bryan Stevenson (Michael B. Jordan) verzichtet nach seinem Jurastudium in Harvard 1989 auf einen lukrativen Job und gründet zusammen mit Eva Ansley (Brie Larson) die ‚Equal Justice Initiative‘, um armen Menschen ohne Geld zu helfen und rechtliche Unterstützung zu bieten, wenn sie sie brauchen.
Außerdem nimmt Stevenson die Fälle von zum Tode Verurteilten im Gefängnis an, die zu Unrecht zum Tode verurteilt wurden.
Einer seiner Fälle ist der von Walter ‚Johnny D.‘ McMillian (Jamie Foxx), der 1987 für den Mord an der Achtzehnjährigen Ronda Morrison verurteilt und schon vor seinem Prozess in die Todeszelle gesteckt wurde.
Kann der idealistische Stevenson Johnny D. helfen oder wird ihn die Wirklichkeit eines rassistischen Systems einholen?

2015 habe ich das Buch gelesen, auf dessen Basis der gleichnamige Film entstand und das Buch hat mich damals sehr beeindruckt (nachzulesen hier).
Seitdem habe ich die ein oder andere Doku über das us-amerikanische Justizsystem gesehen und auch mindestens eine, in der Bryan Stevenson eine Rolle spielt.
Mein Respekt vor ihm ist dadurch noch weiter gewachsen und ich war gespannt, wie mir die Umsetzung der McMillian-Geschichte in einem Unterhaltungsfilm gefallen würde.
Dass das Casting hier gut gelungen ist, wird schon nach kurzer Zeit klar, wenn Jordan als Stevenson mit weit aufgerissenen Augen, schwankend zwischen Ungläubigkeit, Scham und Wut eine für Anwälte unübliche Durchsuchung über sich ergehen lassen muss, um seine Klienten im Gefängnis besuchen zu können.
Jordan gelingt es für meine Begriffe hervoragend über die ganze Länge des Films den idealistischen Anwalt darzustellen, der sich wirklich um seine Mandanten scherrt, an das Recht glaubt, über Ungerechtigkeiten des Systems verzweifelt, aber nicht aufgibt.
All die Qualitäten, die Bryan Stevenson tatsächlich verkörpert, ohne wichtigtuerisch oder aufgesetzt zu erscheinen.
Auch Jamie Foxx als Johnny D. hat mir gut gefallen und er beweißt in dieser Rolle, dass seine Auszeichnungen für Schauspielerei nicht vom Himmel gefallen sind.
Aber auch neben den beiden tragenden Figuren ist der Film großartig und passend besetzt und der Cast weiß als Gesamtheit zu überzeugen.
Die Geschichte an sich wird ohne Effekthascherei und vollkommen unaufgeregt erzählt. Statt klassischem Gerichtsdrama mit spektakuläen Szenen im Prozess und überraschenden Wendungen durch überraschende Zeugenaussagen, verlassen sich die Macher auf die Kraft der Geschichte und stellen von Anfang an die Fakten klar: Johny D. ist unschuldig.
Seine Kraft schöpft ‚Just Mercy‘ dabei aus der unglaublichen Tatsache, dass auch Sheriff und Staatsanwalt das wissen, ja, dass selbst Richter die Fakten ignorieren.
Dies schockiert genauso, wie der Rassismus, der so tief in diesem Teil der Gesellschaft verwurzelt zu sein scheint und der ohne Scham zur Schau gestellt wird.
So ist ‚Just Mercy‘ sicher kein Kinokracher wie zum Beispiel ‚DIe Jury‚, aber für mich ist er dennoch gelungen und absolut sehenswert und ich wünsche Bryan Stevenson und seinen Mitstreitern weiterhin alles erdenklich Gute für ihre Arbeit, die so unglaublich wichtig ist.

‚Just Mercy‘ bei Amazon Video (Affiliate Link)

Mehr zu Bryan Stevenson:
Die Homepage von Bryan Stevenson
Bryan Stevenson bei der ‚Equal Justice Initiative‘
Bryan Stevenson bei Piper (dort ist die deutsche Ausgabe von ‚Just Mercy‘ erschienen)

Ein deutscher Trailer

Ein englischer Trailer

From the 60 Minutes archives: The true story behind “Just Mercy”

Bryan Stevenson – ‚We need to talk about an injustice‘

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13 Antworten zu Just Mercy

  1. Servetus schreibt:

    I really wanted to see this (it played here in January and fell victim to my London trip). I teach a class in which the morality of the US death penalty comes up as a main theme — about every year or so, and i’ve been using „Dead Man Walking“ as the film, but this might be a possibility. It’s on the list.

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  2. Herba schreibt:

    @Servetus: I haven’t watched ‚Dead Man Walking‘ for ages, but it feels like that might be the movie with the deeper impact on feelings (I might be wrong though).
    ‚Just Mercy‘ focuses on the fact that McMillian was arrested and put on death row out of rasicm, not so much on the death penalty per se. And for me as an outsider it’s hard to watch, hard to understand, hard to fathom the deep roots of that in a society…
    If you’ll get the chance to watch it sometime I would love to hear your thoughts about it

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  3. nettebuecherkiste schreibt:

    Hab das Buch auf der Wunschliste.

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  4. johannaschreibtwas schreibt:

    Von der Serie habe ich schon viel gehört, aber ich wusste gar nicht, dass es dazu ein Buch gibt. Jetzt muss ich mir wohl überlegen, womit ich am besten starten soll. 🙂 Klingt auf jeden Fall super, was du zu Beidem schreibst! 🙂

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  5. Herba schreibt:

    @Nette: Ich fand es wirklich sehr erhelllend

    Gefällt 1 Person

  6. Herba schreibt:

    @Johanna: Oh, das ist ein Missverständnis. ‚Just Mercy‘ ist ein Film, keine Serie.
    Das Buch deckt mehrere Verurteilte und Fälle ab, der Film beschäftigt sich fast nur mit McMillian, was auch durchaus Sinn macht.
    Falls Du zu einem (oder beidem) greifst: viel Spaß und gute Unterhaltung 🙂

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  7. Servetus schreibt:

    Dead Man Walking: I think the film gets a lot of tension / energy from the fact that Sean Penn’s character is exactly the kind of person you’d want to be executed if you were pro-death penalty (which I am not — but he makes it really hard to sympathize with him).

    racism: sigh. Yeah. There’s a horrible news story making the rounds right now (two white men shot a black jogger in South Georgia, and then haven’t been charged for months) and it’s really hard for *me* to understand and I live here. On the other hand — I guess yesterday some people were trying to shoot some Ojibwe who were fish-spearing in northern Wisconsin (following their own treaty rights — but a lot of people here think they shouldn’t have them). I feel a bit like the Trump presidency has legitimated the violent expression of every distasteful feeling.

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  8. Herba schreibt:

    @Servetus: Yes and McMillian is not that kind of person.

    I saw the horrible video yesterday on German tv in the ZDF news and the fact that these two guys aren’t in jail at the moment or even charged with murder is beyond belief.
    Are the Ojibwe okay? Will the shooters have to answer for that?
    Yes, I think Trump as president made a lot of things socially acceptable that weren’t before (like the AfD here in Germany) and it will be very hard to put that cat back in the bag when he’ll be gone.

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  9. Servetus schreibt:

    They were apparently charged late last night (I’m sure due to public outrage, but possible also to protect them physically. The level of anger is really high right now and since so many are trapped inside there are no bounds to the outrage that could develop).

    re: the Ojibwe — no one was killed, but someone’s been arrested. I assume that person will stand trial. I’m relieved that the authorities were able to identify who it was, but I don’t know how good the evidence is. The thing is that the fishing season is now open for everyone so it wouldn’t matter if they were Ojibwe or not, they’d still be fishing, so it’s pretty clearly a hate crime.

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  10. Herba schreibt:

    @Servetus: I guess it happened because if the public outrage too.
    It seems that way. Oh boy 😦
    We live in strange times and I think it’ll get a lot more worse till it will get better again

    Gefällt 1 Person

  11. nettebuecherkiste schreibt:

    Ein bisschen Angst hab ich schon davor. Vor den Ungerechtigkeiten…

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  12. Herba schreibt:

    @Nette: Das Buch ist relativ nüchtern geschrieben, das hat mir beim Lesen geholfen, aber bewegend ist es natürlich doch.

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  13. Pingback: Medienjournal: Media Monday #468 | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

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