Denen man vergibt von Lawrence Osborne

Das Ehepaar David and Jo Henniger ist von einem befreundeten schwulen Pärchen zu einem Partywochenende in die marokkanische Wüste eingeladen worden.
Und obwohl es wahnsinnig heiß und dunkel ist und David schon einiges getrunken hat, setzt er sich ans Steuer des Mitwagens, um zum Haus der Freunde zu fahren.
Als plötzlich ein junger EInheimischer am Wegesrand auftaucht und auf dei Fahrbahn tritt, passiert das Unvermeidliche: David überfährt ihn.
Vollkommen geschockt fahren die Hennigers mit der Leiche auf der Rückbank weiter bis zum Haus des befreundeten Paares und müssen sich dort dann mit den Konsequenzen ihres handelns auseinandersetzten…

Mit dem Roman ‚Denen man vergibt‘, begebe ich mich mal wieder relativ weit weg von meinen normalen Lesepfaden. Aber da das Buch mit nur 272 Seiten relativ kurz geraten ist, erschien mir das Risiko von Quälerei bei Nichtgefallen relativ gering, auch wenn ich noch immer kein Buch bei Nichtgefallen abbreche.
Der Schreibstil von Lawrence Osborne ist stark beschreibend und an manchen Stellen vielleicht auch ein wenig ausufernd, was es mir zeitweise schwer machte in einen guten Lesefluss zu kommen.
Allerdings ist die Anzahl der handelnden Personen recht übersichtlich und Osborne konzentriert sich dazu sehr auf das Innenleben von Jo und David, was vieles dann doch wieder vereinfacht.
Und die Bildhaftigkeit von Osbornes Sprache ist definitiv die Stärke des Autors. Er versteht es gekonnt dem Leser durch seine Worte Bilder vors geistige Auge zu zaubern und Orte der Handlung lebendig zu machen, was bei mir für gutes Kopfkino sorgte.
Wann der Roman genau spielt, kann ich nicht sagen, denn auch wenn vieles durchaus ein moderenes Setting nahelegt und ich davon auch ausgehe, wirkt gerade das Partyszenario, das mit ganz viel ausschweifender Dekadenz ausgestattet ist, irgendwie aus unsrer modernen Zeit gefallen.
Die Arroganz der westlichen Protagonisten, die die Einheimischen mit viel Herablassung und wenig bis keiner Würdigung der örtlichen Sitten und Gebräuche straft, fand ich über den ganzen Roman nur schwer ertrag- und nachvollziehbar.
Aber vielleicht wollte der Autor damit das Reichsein der Westler unterstreichen?
Sympathisch war mir dann auch wirklich keiner der Protagonisten und auch das Aufwallen von Mitleid mit dem Einen oder der Anderen, wurde ganz schnell wieder durch egozentrisches und/oder für mich nicht nachvollziehbare Handlungen zunichte gemacht.
Zentrale Fragen des Romans sind für mich die Frage nach dem Umgang mit einer Schuld, dem Sinn des Lebens, nach dem Scheitern, nach Liebe und Freundschaft.
Und obwohl ich all diese Fragen ausmachen konnte, weiß ich am Ende und nach einigem Nachdenken immer noch nicht, was mir Osborne mit ‚Denen man vergibt‘ eigentlich sagen will.
Das hat mich letztendlich ziemlich unbefriedigt zurückgelassen, auch wenn ich durchaus auch die Stärken des Romans anerkennen kann.

Lawrence Osborne bei dtv
Die Homepage des Autors
‚Denen man vergibt‘ bei Amazon.de (Affiliate-Link)

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6 Antworten zu Denen man vergibt von Lawrence Osborne

  1. Michele Marsh schreibt:

    Herba if I can ask how did you hear about this novel?
    The questions it raises are very current

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  2. Herba schreibt:

    @Michele: I read about it in an movie newsletter where new possible movie projects were announced

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  3. Michele Marsh schreibt:

    Herba wow! Yeah know as I was reading your post I thought this would make an interesting movie and I wondered which actor and actress would play the leads!

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  4. Herba schreibt:

    @Michele: Well, the oldest of Mrs. Fiennes sons will make a great David Henniger 😎 😉
    As Jo Rebecca Hall was rumoured but it seems she isn’t longer attached to the project. A new name in the mix is Jessica Chastain for the role at the moment

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  5. Michele Marsh schreibt:

    Herba hmmm yes I could see the oldest son in the role
    Jessica Chastain yeah possible
    Who do you see actress wise?

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  6. Herba schreibt:

    @Michele: Hall would have been a good fit, but Chastain will be able to pull Jo off too

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