Arte zeigt ab 12.12. die britische Miniserie „Jahrmarkt der Eitelkeiten“ alias „Vanity Fair“

Die Waise Becky Sharp (Olivia Cooke) wächst in der Akademie für junge Damen von Miss Pinkerton (in einer kleinen Nebenrolle Suranne Jones) auf und unterstützte die Lehrer dort beim Unterrichten, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Doch ihr Leben dort ist ihr viel zu eng und bremst sie in ihren Ambitionen, also überredet sie ihre gutherzige und besser gestellte Schulfreundin Amelia (Claudia Jessie) sie mit nach London zu sich nach Hause zu nehmen.
Von dort plant Becky ihren Aufstieg in der Gesellschaft, komme, was wolle…

Wenn ich ehrlich bin gehört ‚Vanity Fair‘ oder eben auf Deutsch ‚Jahrmarkt der Eitelkeiten‘ nicht gerade zu meinen Lieblingsgeschichten. Becky ist mir furchtbar unsympathisch, was für die zentrale Figur einer Geschichte meiner Meinung nach nicht wirklich förderlich ist.
Mit den meisten anderen Figuren geht es mir ebenso: ich kann sie entweder nicht leiden oder ich habe permanent das Bedürfnis ihnen in den Hintern zu treten.
Und die einzig halbwegs sympathische Figur wird den in Verfilmungen, die ich kenne, von Kerlen gespielt, die ich entweder vollkommen unsexy finde oder die mir, wie im vorliegenden Fall tendenziell eher auf den Keks gehen.
Angeschaut habe ich mir die neueste Serienadaption trotzdem, weil ich auf die Umsetzung des umfangreichen Romans von Thackeray gespannt war.
Die Ausstattung wirkt einerseits stimmig, andererseits manchmal auf mich einen Tick zu bunt und damit leicht künstlich und nicht jeder Schauspieler bewegt sich immer so, wie ich das von einer Person dieser Zeit erwarten würde.
Vor allem Olivia Cooke als Becky ist mir hier ein paar Mal aufgefallen. Vielleicht war das aber auch Absicht, um zu zeigen, dass sie sich nicht mit ihrer gesellschaftlichen Stellung abfinden will?
Gut besetzt halte ich sie auf jeden Fall, weil es ihr sehr gut gelingt, den Kontrast zwischen aufgesetztem Getue und ihren wirklichen Gefühlen großartig zu spielen, das sieht aus, als würde jemand einen Schalter umlegen und genau so tickt Becky ja auch.
Claudia Jessie spielt Amelia auch glaubwürdig und am Anfang der siebenteiligen Miniserie mag ich sie auch wirklich gern, aber je vernagelter sie in ihrer Liebe zu George Osborne (Charlie Rowe) agiert, um so mehr hätte ich sie würgen können.
Charlie Rowe als eben jener George gibt einfach nur den eingebildeten Pinsel, der sich selbst für den Nabel der Welt hält.
Dagegen wirkt Tom Bateman als Rawdon Crawley fast sympathisch und Johnny Flynn als Dobbin quasi wie ein Heiliger.
Dobbin ist die erste Rolle, in der ich Flynn sehe, in der er nicht komplett irre und/oder arschig unterwegs ist und das er nett auch glaubhaft rüberbringt, war für mich eine absolute Überraschung (als Knightley halte ich ich trotzdem nach wie vor vollkommen fehlbesetzt!).
Insgesamt ist die Miniserie wirklich gut besetzt und kann bei den älteren Rollen mit so klangvollen Namen wie zum Beispiel Simon Russell Beale, Frances de la Tour, Anthony Head, Monica Dolan und Robert Pugh aufwarten.
Die Musik zur Serie hat mich manchmal etwas irritiert, weil stillbrüchig moderne Songs eingesetzt wurden. Das muss man einfach mögen und in diesem Fall hat es mir persönlich nicht sonderlich gut gefallen.
Irritierend fand ich auch, dass die Schauspieler im Verlauf der Geschichte, die ja mehr als 20 Jahre umfasst, kaum altern und mehr oder weniger fast genauso aussehen, wie am Anfang der Serie, das hätte man irgendwie anders/besser lösen müssen.
Insgesamt halte ich diese Adaption von ‚Vanity Fair‘ trotzdem durchaus gelungen und sehenswert, bleibe aber auch dabei, dass ich die Geschichte an sich nicht sonderlich gern mag und es am Ende hervorragend finde, dass nur eine der wichtigeren Personen mit etwas davonkommt, was man mit gutem Willen als so etwas wie ein Happy End bezeichnen kann.

‚Jahrmarkt der Eitelkeiten‘ bei ARTE
Die Serie im deutschen Fernsehen – Termine
‚Vanity Fair‘ bei ITV
‚Vanity Fair‘ bei Amazon.de – zur Zeit ohne deutsche Tonspur (Affiliate-Link)

Ein englischer Trailer

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5 Antworten zu Arte zeigt ab 12.12. die britische Miniserie „Jahrmarkt der Eitelkeiten“ alias „Vanity Fair“

  1. Michele Marsh schreibt:

    Herba hmmm so would you recommend this for the story over the actors and music?

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  2. Herba schreibt:

    @Michele: Oh the actors are as good as the story and the music is a question of taste. If you get the chance watch it but not if you want a romantic story with a happy end!

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  3. Michele Marsh schreibt:

    Herba you must be reading my mind!! I just finished a future blog post on that very thing!! Well I’m downloading The White Crow on Saturday and Official Secrets is on PPV now so I want to see those first.

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  4. Herba schreibt:

    @Michele: a blogpost about happy endings?

    Gefällt 1 Person

  5. Michele Marsh schreibt:

    Herba well sort of but yeah 😉👍

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