Herba und Sprache

Tja, die Muse hat mich, wie hier noch erhofft, nicht geküßt, also erzähle ich Euch einfach ein bißchen etwas über mein Verhältnis zu Sprache.

Ich war eins der Kinder, die reden konnten, bevor sie gelaufen sind.
Reden konnte ich, laut meiner Mutter, früh. Und ich muss wohl eine ziemliche Quasselstrippe gewesen sein, was ich mir gar nicht so richtig vorstellen kann
Aufgewachsen bin ich quasi zweisprachig, nämlich mit Deutsch und dem Dialekt meiner Heimat, der in meiner Kindheit noch viel und heftiger gesprochen wurde als heute. Schade, dass das immer mehr verloren geht!

Als ich in die Grundschule ging, war es noch nicht Sitte den Kindern schon Englisch beizubringen oder sie gar privat in fremden Sprachen unterrichten zu lassen – Kinderkurse für Englisch und andere Sprachen gab es in meiner Kindheit jedenfalls weit und breit nicht.
Also kam ich erst in der fünften Klasse mit meiner ersten richtigen Fremdsprache in Berührung.
Englisch und ich, das war damals definitiv keine Liebesbeziehung.
Ich glaube, ich war damals allgemein etwas überfordert mit dem Wechsel von der kleinen kuscheligen Grundschule auf eine ‚große‘ Schule mit über 1000 Schülern.
Zum allgemeinen Fremdeln mit den Umständen kam die Tatsache hinzu, dass ich auf der Grundschule weder wirklich lernen musste, noch gelernt hatte zu lernen.
Wenn man dann plötzlich seitenweise Vokabeln auswendig lernen soll, kann das schon schwierig werden.
Und meine erste Englischlehrerin machte es mir einfach. Schüler, die sich nicht meldeten, kamen auch nicht dran. Ich habe also weder im fünften noch im sechsten Schuljahr wirlich selbst Englisch sprechen müssen, was ich heute sehr bedaure, denn Englisch sprechen fällt mir nach wie vor echt schwer!

Ab der siebten Klasse bekam ich einen Englischlehrer vom alten Schlag, bei dem Verstecken in der letzten Reihe nicht mehr drin war.
Er war davon überzeugt, dass auch ich Englisch beherrschen könnte. So musste ich mich regelmäßig zum Vorlesen überwinden und wenn ein Wort nicht saß, wurde die Stelle eben so lange geübt, bis es klappte.
Ich glaube, man kan mich auch heute noch mitten in der Nacht wecken und mich fragen, wie man zum Beispiel ‚psychiatrist‘ ausspricht.
In welchem Zusammenhang ich das mindestens 15 Mal lesen musste, weiß ich nicht mehr, aber aussprechen kann ich es noch
Gegen meine Defizite was die Gramatik angeht, konnte aber leider auch Herr P. nicht viel machen.
Dazu war ich einfach zu faul und nicht interessiert genug
Rückblickend machte mir Schulenglisch immer nur dann Spaß, wenn wir uns mit Literatur beschäftigt haben.
Dort habe ich unter anderen Conan Doyle, Bradbury und Austen gelesen.

Zu meiner großen Freude kam in der Siebten dann auch noch eine zweite Fremdsprache dazu und da ich mich unter anderem nicht mit noch mehr merkwürdigen Aussprachen abplagen wollte, fiel meine Wahl auf Latein.
Nicht, dass man dafür nicht auch jede Menge Vokabeln lernen muss, aber hier half mir wenigstens meine Affinität zu deutscher Gramatik.
Richtig gut lief es aber mit Latein erst, als das große Auswendiglernen vorbei war und es ans Übersetzten ging.
Sinngemäße Übersetzungen waren, die beim Lateinunterricht gefragt waren, waren mein Ding und die Tatsache, dass die ‚tote‘ Sprache bis auf wenige Ausnahmen genau so ausgesprochen wird, wie sie auch geschrieben wird, war mir auch mehr als recht.
So war es dann auch nur logisch als drittes Prüfungsfach im Abitur Latein statt Englisch zu wählen und ich habe mich dabei auch recht wacker geschlagen.

In der Neunten hätte ich übrigens dann noch eine dritte Sprache dazu wählen können, doch ich passte.
Spanisch ist zwar eine wirklich schöne Sprache, aber mich schulisch damit auseinanderzusetzten, lag mir dann doch mehr als fern!

Neben meinen Schulbüchern aus der Zeit (diverse englische Lektüren, der Stowasser, etc.) stehen auch ein Niederländisch für Urlauber und ein Italienisch-Workbook in meinem Regal.
FÜr Niederländisch habe ich mich aus Gründen mal eine Zeit lang als Teenie interessiert, ohne mir wirklich viel zu merken und Italienisch wollte ich mit Mitte Zwanzig mal in der Volkshochschule lernen, aber nach zwei Stunden wurde der Lehrer krank und der Kurs musste ersatzlos gestrichen werden.

Sprache und ich – ein echt schwieriges Thema!!!

Schulisch gesehen, war nur meine Muttersprache Deutsch ein Erfolg. Den Unterricht habe ich bis auf wenige Ausnahmen wirklich gerne gemacht, habe alle meine Lektüren noch im Regal stehen und in der Oberstufe dann auch Deutsch als Leistungskurs ausgewählt – mit einer wirklich tollen Lehrerin, die uns immer gefordert, aber eben auch wirklich mit einbezogen hat.

Nach der Schule ist man natürlich nicht fertig mit Sprache.
Vor allem weil ich einen Beruf gewählt habe, der in Teilen ziemlich kommunikativ ist.
So habe ich dafür nicht nur einen Kurs ‚Professionell telefonieren‘ absolviert (klingt auch nach all den Jahren irgendwie leicht unanständig 😉 ), sondern kann auch in so ziemlich jeder Lebenslage und Stimmung mit Worten, aber auch mit Gesten den verschiedensten Menschen den Weg zur Toilette erklären

Aber ich habe auch gelernt, dass ich manchmal einfach zu viel spreche und mir andererseit oft die richtige Sprache fehlt.
Das sind dann die Tage, wo ich mich selbst darüber wundere, dass ich offensichtlich hervorragend Chinesisch spreche

Außerdem ist meine Beziehung zu Englisch viel liebevoller geworden und ich bin mir sicher, dass Herr P. ziemlich verwundert, aber auch ein wenig stolz wäre, wenn er wüßte, dass ich mittlerweile in der Lage bin, englische Medien zu konsumieren und mich mit anderen Menschen halbwegs ausreichend auf Englisch unterhalten kann.

Mitmenschen, die gleich mehrere Sprachen beherrschen, bewundere ich total.
Genau wie Menschen, die mit Sprache umgehen können, wie die Weltmeister, egal ob sie damit unterrichten oder unterhalten wollen.
Dabei kommt es ja nicht nur auf die Wahl der Worte an, sondern auch auf Betonung, Geschwindigkeit, Lautstärke, etc. und wenn das gut gemacht ist, kann dann durchaus etwas so musikalisch Wertvolles wie hier oder etwas so Humorvolles wie hier (Achtung, nicht jedermanns Geschmack!) herauskommen.

So, genug rumgeblubbert. Ich hoffe mal, dass das reicht, um als Beitrag für unser aktuelles #MachWas! zu zählen!

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23 Antworten zu Herba und Sprache

  1. Sonja schreibt:

    Englisch hab ich ab der 5 gehabt und geliebt, auch wenn ich später in meinem Austauschjahr in Norwich gemerkt hab, wie wenig Alltagsenglisch ich trotz Leistungskurs konnte. Latein war ok, Französisch hab ich gehasst. Für mehr Sprachen hat dann mein Interesse auch nicht mehr gereicht. Wir haben eine Aushilfe auf der Arbeit, die total viele Sprachen – auch exotische – beherrscht. Find ich super, mir fehlt aber der Ehrgeiz dafür. Als „Deutschlehrerkind“ widme ich ich lieber meiner Muttersprache 😉

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  2. Die Pö schreibt:

    Professionell telefonieren hihihi 🤣

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  3. Esther schreibt:

    Schön zu lesen! Mein Eindruck von Dir ist immer, dass Dein Englisch ziemlich gut ist.
    Du brauchst es nicht zu sagen aber jetzt bin ich schon gespannt warum Du mal kurz Niederländisch lernen wolltest. 😉

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  4. Uinonah72 schreibt:

    Auch ich bewundere Menschen, die mehrere Sprachen sprechen. Ich habe zwar schon mehrere Sprachen gelernt, aber wirklich gut war ich immer nur in Englisch. Das fing an, als meine ältere Cousine nach England ging um ein Praktikum zu machen und mir meine ersten englischen Worte beibrachte: My teacher is silly. Kurz darauf in der 5. Klasse konnte ich das so gar nicht bestätigen und hatte einen Riesenspaß, die Sprache zu lernen. Als ich mit 16 dann anfing englische Büchr zu lesen, tat das meinem Wortschatz und Sprachgefühl wirklich gut. Deshalb finde ich es toll, dass mein Sohn in der 6. Klasse schon ein englisches Buch im Unterricht gelesen hat und er zum Spaß englische Comics liest. Die Kinder haben es heutzutage so viel einfacher, an englisches Material zu kommen 🙂 Mit Französich bin ich nie warm geworden, aber dass ich in der Oberstufe mal zum Spaß Russisch gelernt habe, hat mir meine erste Arbeitsstelle eingebracht, die mich nach Moskau, St. Petersburg, Kiew, Minsk, Georgien und Kasachstan geführt hat. Mittlerweile habe ich meine Russischgrundkenntnisse komplett vergessen, dafür lerne ich seit Jahren schon Spanisch, mit der Ambition, so gut wie in Englisch zu werden. Wenn ich mehr Zeit zum Lesen hätte, würde das sicher auch etwas schneller gehen 😉 Ah, in meiner Teeniezeit wollte ich auch mal für kurze Zeit Norwegisch lernen, daher steht da immer noch ein Norwegisch Wörterbuch in meinem Regal. Leider habe ich es bis heute noch nicht nach Norwegen geschafft.
    Danke für den Bericht , Herba. Es ist schön, mal zu reflektierten, was für ein Verhältnis zu Sprachen man in seiner Zeit schon hatte.

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  5. Pingback: Gemeinschaftsblogprojekt ‘Mach was!’ – Ergebnis #51 und neues Thema | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

  6. Servetus schreibt:

    Well, no one would ever know from your blog that you were not in complete control of the English language! I didn’t have much Latin (a year intensive class in grad school), but we never had to speak it. So it always seemed more like solving puzzles to me, which I enjoyed a lot.

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  7. Guylty schreibt:

    Das war dieses Mal ein so schönes Thema – auch wenn ich mal wieder nicht aus den Clogs gekommen bin, teilzunehmen. Ich fand es wahnsinnig interessant, die verschiedenen Beiträge zu lesen – deine ursprüngliche Skepsis zum Thema Sprachenlernen, Esthers Trilingualität, Servetus Blick auf deutsche Interferenz im Wisconsin-Dialekt… Alles richtig interessante Beiträge, und doch so völlig anders. Ich beiße mir gerade in den Hintern, dass ich immer alles so wörtlich nehme und die Kreativ-Challenge nicht angenommen habe, weil mir das Thema Sprache zu abstrakt zur Umsetzung in einen Schrein war. Doh, man kann ja auch mal anders an der Challenge teilnehmen. Das nehme ich mir hiermit nun aber auch mal vor. Beim nächsten Thema bin ich dabei, komme was wolle. Hit me!

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  8. Michele Marsh schreibt:

    Herba, as a new comer to your blog (1 year in December!) your English is fantastic and Mr P would be very proud of you!! I too admire bilingual and trilingual people (Esther my undying respect for you!!) and really wish my German had not faded so quickly. My mum didn’t speak it around the house unless she was upset about something so my exposure was high school and college. I would like to learn French though, I have always thought that is a romantic language.

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  9. Herba schreibt:

    @Sonja: Das mit dem fehlenden Ergeiz und dem Widmen der Muttersprache kann ich voll unterschreiben 🙂

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  10. Herba schreibt:

    @Pö: Wäre nur lustiger gewesen, wenn der Kursort das Leder-Fetisch-Museum gewesen wäre :mrgreen:

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  11. Herba schreibt:

    @Esther: Danke schön, das ist für mich ein echtes Kompliment.
    Och na ja, was man halt als Zeenie so anstellt, wenn die Hormone Purzelbäume schlagen 🙂

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  12. Herba schreibt:

    @Uinonah: Gerne. Weiterhin viel Erfolg beim Spanisch lernen!

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  13. Herba schreibt:

    @Servetus: If I would try and write whole posts in english you might, but thanks for the nice words!
    Solving puzzles is a great description for it 🙂 When I had great teachers for it I also learned a lot about history and I loved the time when we translated old roman recepies and cooked with some of them

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  14. Herba schreibt:

    @Guylty: Ja, mir haben die verschiedenen Beiträge auch sehr gefallen.
    Man kann Kreativität einfach nicht erzwingen, aber wir freuen uns immer wenn jemand von der Muse geküßt wird und mitmacht 🙂

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  15. Herba schreibt:

    @Michele: Thanks.
    Ah, too bad your mother wasn’t teaching you more of her mother tongue!

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  16. Michele Marsh schreibt:

    Herba I know right! My sister and I spoke it fluently when we were very little living in Munich and then Wurzburg. But when we moved back to America in the mid 70’s late 70’s all English took over. I’ve tried to recover some of it and I do try here to decipher but my German vocabulary sucks.

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  17. Herba schreibt:

    @Michele: I think it’s natural to forget a language when not speak it on regular basis – sad but natural

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  18. Michele Marsh schreibt:

    Herba, thank you for your kindness. I am very sad about it. Hopefully down the road I will re learn/re use it as best I can.

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  19. Herba schreibt:

    @Michele: Maybe you can do some sort of community college course to refresh your memory?

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  20. Michele Marsh schreibt:

    Herba yeah I thought about looking into that. I love German so to have so much vocabulary gone or in the very back recess of my brain is demoralizing to me. I am very self conscious as it is which is why I don’t attempt to write anything German here so as not to offend.

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  21. Herba schreibt:

    @Michele: You can also try and look into different language options on your dvds. It might be easier to understand some of it if you know the movie already.
    But everyone has to deal with language in his or her own way, so no problem you’re not ready to write here in german

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  22. Michele Marsh schreibt:

    Herba, oh yeah and thank you for saying all of that. I definitely want my goal to be conversing here in German!!

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