Ruhe suchen – Ruhe finden

Meine Arbeitswoche war produktiv, gefühlt lang und mit einigen Konflikten gespickt.
Einige organisatorischen Dinge sind in unsrem kleinen Team nicht in Ordnung, aber die, die das ändern könnten, sehen nicht genau genug hin und wollen auch nicht, weil es so viel bequemer für sie ist.
Das führt bei mir dazu, dass ich mich aus Selbstschutz ganz stark auf meinen Bereich konzentriere und versuche den Rest auszublenden.
So wollte ich eigentlich nie arbeiten, aber es geht gerade nicht anders, denn ich merke, wie mich diese Konflikte, die ich doch nicht auflösen kann, anstrengen.

Zum Glück kann ich das alles ganz gut abschütteln, sobald ich meinen Arbeitsplatz verlassen habe und spazieren gehen an der frische Luft hilft mir zumindest teilweise dabei den Streß ebenfalls abzuschütteln.

Also bin ich heute Morgen zum ersten Mal seit langem wieder die lange Gassirunde mit Sam gelaufen, bei der wir 1 1/2 bis 2 Stunden unterwegs sind, auch wenn es bewölkt und feucht war und nach neuem Regen aussah.

In der Kleinstadt, in der ich wohne wird durch die Nähe zu Frankfurt, das Grün immer weniger und auch auf dieser Strecke höre ich eigentlich immer Autos, die auf der nahen Bundesstraße fahren.
Heute kommt dann noch das ein oder andere Flugzeug dazu, das den Flughafen ansteuert. Zum Glück sind wir aber so weit entfernt, dass die großen Blechvögel zwar zu hören sind, der Lärm aber nicht ohrenbetäubend wird, wie andernorts im Rhein-Main-Gebiet.

Die Geräusche sind mir so vertraut, dass ich sie gut ausblenden kann und ich merke, wie der Kopf langsam frei wird, je weiter Sam und ich laufen.

‚Komm raus, Du Maus!‘

 
 
 
 
 
 
 
 
 
Der Familienhund mag diese Strecke eigentlich wirklich gern, findet das feuchte Wetter aber nur so semioptimal und fängt erst fröhlich an zu traben, als er die erste Mäusefährte in die Nase bekommt.
Von der Leine darf er nicht, dafür bin ich heute nicht aufmerksam genug, aber ich lasse ihm viel Zeit zum Schnüffeln und das ist für ihn die Hauptsache.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Während mein Hauptaugenmerkt ganz klar auf Sam liegt und ich mich über die Gelegenheit freue, ihn zu beobachten und mit ihm non-verbal zu kommunizieren, nehme ich den frischen Geruch der Natur wahr, den der Regen, der in der Nacht gefallen ist, mit sich brachte.
Ich bewundere die verschieden farbigen Blüten, die auf den Wiesen und an den Wegrändern wachsen und freue mich über das Grün, dass die sonnenverbrannten, braunen Flecken langsam aber sicher zurückerobert.

‚Da hinten wird’s schon wieder hell!‘

Ich lache über Sam, als der erschrickt, weil ein Busch seine nassen Blätter schüttelt und ihn damit nass spritzt.
Ich suche den bewölkten Himmel nach dem Milan-Pärchen ab, das hier sein Revier hat. Die Zwei scheinen sich allerdings einen faulen Samstagmorgen zu machen und sind weit und breit nicht zu sehen.
Ich fühle mich ein wenig schuldig, als ich mit meinen Schritten einen stattlichen Feldhasen im Maisacker aufscheuche, der mich erst gefühlt grimmig anstarrt und dann ziemlich schnell den Acker entlangsaust.
‚Sorry Meister Lampe! Wir wollten Dich nicht stören!‘

‚Wieso rennt denn der so?‘
(Zum Vergrößern anklicken)

 
 
 
 
Sam schaut dem Langohr nach, sieht an meinem Gesichtsausdruck, dass er auf jeden Fall geschimpft wird, wenn er auch nur Anstalten macht, seinem Jagdtrieb nachzugeben und loszurennen, zieht seine Stirn in Falten und beschließt dann wohl, dass es das nicht wert ist.
‚Braver Sam!!!!‘
Über sein Rückfragen bei mir, freue ich mich, denn selbstverständlich ist das nicht, zeigt aber, dass unsre Beziehung funktioniert.
 
 
 
 
 

Mittlerweile hat es wieder angefangen zu regnen. Der Landregen fällt leicht, aber stetig und wir beschleunigen unsre Schritte als wir an der Anlage unsres Geflügelzuchtvereins vorbei laufen und von mehreren krähenden Hähnen gegrüßt werden.

Der Regen wird stärker, Sam und ich patschen vergnügt durch Pfützen und ich erzähle ihm: ‚Wenn ich singen könnte, würde ich jetzt ‚Singing in the rain‘ zum Besten geben!‘
Seinen Blick kann ich nicht deuten, aber er sieht schon ein klein wenig erleichtert aus, schließlich hat er mich schon singen gehört und freut sich vermutlich, dass ihm dieser Genuß ‚erspart‘ bleibt.

‚EYYY! Fotografier mich doch nicht beim Pinkeln!!!!‘

Als wir die ersten Häuser erreichen, haben wir eine doofe Hundebegegnung, wobei das eigentlich die Situation nicht genau beschreibt.
Der Hund ist unerzogen, das Frauchen ist die Doofe, aber ich blocke die wild kläffende Trethupe die unangeleint auf uns zurennt, ab und lasse mich nicht auf irgendwelche Diskussionen ein.
Und auch Sam ist nicht an der Kampffrikadelle mit den schlechten Umgangsformen interessiert und läuft entspannt neben mir weiter.

Meine Nichte nennt Sam ‚Hulk‘ wenn er das Teil anhat.
Sam und ich lehnen das entschieden ab 😉

Als wir 20 Minuten später daheim ankommen, sind wir beide ziemlich nass, als packe ich Sam in seinen Hundebademantel (eine der besten Anschaffungen ever, auch wenn ich dafür viel Spott kassiert habe), trockne ihm die Pfoten ab und kredenze ihm sein Frühstück, das er sich zufrieden schmecken läßt.
 

Ich brauche erstmal eine heiße Dusche und stelle beim anschließenden Familienfrühstück im Kreis meiner Lieben zufrieden fest:
Ruhe gesucht und auch gefunden. Das war ein wirklich gelungener Morgenspaziergang und ein guter Start ins Wochenende!

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19 Antworten zu Ruhe suchen – Ruhe finden

  1. monisertel schreibt:

    Das hast Du gut gemacht,
    am besten gefällt mir die Begegnung mit der „Trethupe“. Wie schön, dass sich Sam nicht eingelassen hat auf die „Kampffrikadelle“.
    Ein entspannendes Wochenende wünsche ich Dir
    herzlichst moni

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  2. Servetus schreibt:

    I’m glad you can go walking with him again!

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  3. Kate schreibt:

    “Kampffrikadelle” 😂😂 Herrlich!!

    Ich bin auch gestresst—zu viele Termine, nicht genug Auszeiten. Zum Glück ist bald Urlaub. Ich geh jetzt meinen nächsten Termin morgen vorbereiten. Aber zum Glück wenigstens allein, das ist schon was wert. Dir noch ein schönes Wochenende.

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  4. Herba schreibt:

    Danke Moni!
    Zum Glück ist Sam zu 90 rozent ein echt in sich ruhender Hund, der wenig darauf gibt, wenn andere Hunde pöbeln. Aber wenn er einen schlechten Tag hat gibt er schon mal Kontra und dann kann so eine Begegnung schnell gefährlich werden, vor allem wenn ein kleiner Hund beteiligt ist. Daher hasse ich es auch, wenn kleine Hunde so unerzogen sind und deren Besitzer die Verantwortung schnell mal an den anderen Hundebesitzer weitergeben.
    O-Ton von der Dame heute morgen: ‚SIE haben den großen Hund, SIE müssen das regeln!‘ Dass sie ihren Hund frei laufen läßtund ihn nicht zurückrufen konnte, spielt keine Rolle und wenn dann was passiert, bin ich der Depp, weil ich ja den Großen an der Leine habe – ein echt heißes Thema, wie man vielleicht an dieser Antwort merkt 🙂
    Das entspannte Wochenende wünsche ich Dir auch!

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  5. Herba schreibt:

    @Servetus: Me too, believe me! Me too!

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  6. Herba schreibt:

    @Kate: ein weiteres Synonym für solche Kleffer ist ‚Barf to go‘ – weil: ein Haps und sie sind weg :mrgreen:
    Echt doof manchmal *seufz* Aber wenn der Urlaub absehbar ist, fällt vielleicht das Durchhalten bis dahin etwas leichter…
    Danke, das wünsche ich dir auch!

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  7. Esther schreibt:

    Schön zu lesen dass Du so die Arbeitskonflikte hinter dir lassen kannst! Und auch gut zu lesen, dass Du wieder so lange spazieren gehen kannnst. Wünsch Dir weiterhin ein schönes Wochenende. 🙂

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  8. Herba schreibt:

    @Esther: Es hat ein wenig gedauert, bis ich das so handhaben konnte, aber aktuell funktioniert es ganz gut.
    Danke, ich hoffe, Du bist gut in die neue Woche gekommen!

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  9. drachen71 schreibt:

    Ein schöner Bericht, schon das lesen hat auch mich ein wenig entschleunigt. Danke fürs teilen!

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  10. Michele Marsh schreibt:

    Herba, that was such an enthralling story with a happy ending. What type of dog was Meatball? My Labradoodle got out on Saturday took a stroll around my neighbor and I was freaking out. Luckily my neighbor who is a vet assistant was kind enough to help me collect the 75 pound baby. He was smiling the rest of the afternoon and I was having a nervous breakdown!
    My three do not like rain at all. The oldest one refuses to go out if it is raining or too wet. The middle child likes to rub his belly on the wet grass in the backyard.
    Sam is a gorgeous dog and probably enjoyed time with his Aunt now again as much as you did inhaling the fresh air.

    I hope your work week is much better starting today!!

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  11. Herba schreibt:

    @Drachen: immer wieder gerne!

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  12. Herba schreibt:

    @Michele: I guess it was a crossbreed, but I’d never looked that close.
    Naugty, naugty doodle!!!
    Sam isn’t that fond of rain either and neither am I but as long as I don’t learn how to beam us home we had to walk 😉

    Gefällt 1 Person

  13. Michele Marsh schreibt:

    Herba, ahhh if I could beam the three pups and I home after our walks I would have it made!!
    Eddie was very naughty.. I was fortunate to have a kind neighbor who saw him walking and ran to grab him as I was running after him screaming his name. The Cocker Spaniel almost got in on the action too.
    I think these walks with Sam are just what you and Sam needed… there is a calmness when it starts misting or raining though and where you live must be heavenly…

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  14. Esther schreibt:

    Yep, bin jetzt in Spanien! 😎

    Gefällt 2 Personen

  15. Herba schreibt:

    @Michele: Kind neighbors come always handy!

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  16. Herba schreibt:

    @Esther: ich habe Deinen Post gesehen und die Bilder sehen toll aus. Ganz viel Spaß und gute Erholung!

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  17. Michele Marsh schreibt:

    Herba yes she was super sweet!! Good to know she is a vet assistant too!!

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  18. Esther schreibt:

    Danke! 🌞

    Gefällt 1 Person

  19. Herba schreibt:

    @Michele: even a better neighbor 👍

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