Ballon

1979, DDR:
Peter Strelzyk (Friedrich Mücke) und Günter Wetzel (David Kross) planen zusammen die Republikflucht für sich und ihre Familien.
Ihre waghalsige Idee sieht vor mit einem selbst gebauten Heißluftballon vom heimischen Pößneck in Thüringen über die Grenze zu fahren.
Als die Wetzels kalte Füße bekommen, versuchen die Strelzyks allein zu fliehen, doch der Versuch missglückt.
Die Familie bleibt zwar unentdeckt, hat aber nun die Stasi am Hals, die fieberhaft ermittelt, um die Fluchtwilligen aufzuspüren.
Wird ein zweiter Fluchtversuch trotzdem glücken?

Die Geschichte der DDR-Flüchtlinge, denen die Flucht per Ballon gelang, kannte ich grob aus einer Dokumentation, daher bin ich schon ewig um Bully Herbigs Film herumgeschlichen.
Nur meine allgemeinen Vorurteile gegenüber deutschten Produktionen und die kritische Frage, ob Herbig auch ernst kann, hielten mich bisher vom Anschauen ab.
Aber als nun Amazon Prime den Film für 99 Cent im Stream anbot, habe ich am WE zugeschlagen und mir den den Zwei-Stunden-Film angeschaut.
Mehr oder weniger sofort begeistert hat mich die Ausstattung des Films. Herbig wollte alles so authentisch wie möglich haben und meiner Meinung nach ist ihm das wirklich gut gelungen.
Das Pößneck aus dem Film hat mich jedenfalls sehr an ein anderes thüringisches Dorf erinnert, dass ich kurz nach der Wende mit meiner Familie besucht habe.
Und auch die Kleidung und das allgemeine Aussehen der Schauspieler hat mich überzeugt, auch wenn ich als jemand, der nie in der DDR gelebt hat, sicher kein Experte bin.
Der Cast liefert durch die Bank weg eine gute Leistung ab, auch wenn es mich mittlerweile langweilt Thomas Kretschmann, hier als leitender Stasioffizier im Einsatz, immer als ‚Bösen‘ zu sehen.
Mücke und Kross, aber auch Karoline Schuch und Alicia von Rittberg bringen die vielen Emotionen, die mit ihrem waghalsigen Plan verbunden sind, gut auf die Leinwand, nur die leicht stereotype Darstellung (Frauen haben Angst, Männer ziehen es durch) nervte mich hier und da etwas.
Am besten hat mir vermutlich Jonas Holdenrieder als Frank Strelzyk gefallen, weil man an seiner Figur am besten die Zerrissenheit sehen kann, die die Fluchtwilligen umtreibt.
Einerseits möchte der Teenie unbedingt in den Westen, andererseits gibt es eben auch Argumente, um in der DDR zu bleiben und Holdenrieder spielt das wirklich großartig.
Die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse werden nur so weit angerissen, wie sie für die Handlung wichtig sind, der Fokus liegt ganz klar auf der Vorbereitung und der tatsächlichen Flucht.
Dass fand ich aber in diesem Fall vollkommen okay, allerdings hätte ich mir vielleicht schon einen kleinen Nachsatz zu dem gewünscht, was nach Filmende mit den Familien passierte.
Aber das ist in diesem Fall jammern auf hohem Niveau, denn der Film vermochte es wirklich mich als Zuschauer abzuholen, mich mitfiebern zu lassen und mich gespannt vorm Fernseher zu halten.
Daher halte ich ‚Ballon‘ für einen gelungenen, sehenswerten und auch spannenden Film, mit dem Bully Herbig beweist, dass er auch ernst und nicht nur lustig kann.

Den Seitenhieb bzw. die Parallele zu heutigen Flüchtlingen mit den Flüchtlingen von damals verkneiffe ich mir im übrigen bewußt.

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Ein deutscher Trailer

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16 Antworten zu Ballon

  1. Carli Sun schreibt:

    Toller Film! Ich habe ihn spontan im Kino gesehen und war begeistert. So toll!!! 👍

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  2. Michele Marsh schreibt:

    I think it is a fascinating story. What was the doc that you saw?

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  3. Herba schreibt:

    @Michele: I can’t remember a specific one because I watch(ed) a lot of docus regarding the DDR

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  4. Herba schreibt:

    @Michele: Oh and yes it is. These people were really brave and desperate, as most of the refugees are, whereever they might come from

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  5. Michele Marsh schreibt:

    Herba, yes quite agree with you. Puts much into perspective at least for me how lucky my siblings and I am.

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  6. Herba schreibt:

    @Carli: Ja, das ist erund irgendwie halt auch wichtig, damit die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät

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  7. Carli Sun schreibt:

    Das kommt noch hinzu. Ich fand aber auch Drehbuch und Inszenierung auf einem sehr hohen Niveau.

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  8. Herba schreibt:

    @Michele: Sadly enough we are to fast to forget our own history and can’t raise much sympathy for other people in pain and need

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  9. Herba schreibt:

    @Carli: Ja, das haben die Verantwortlichen wirklich gut gemacht!

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  10. Michele Marsh schreibt:

    Herba yes goes for many other things as well but you are quite right. I think if there were more compassion in our world and less apathy and hate perhaps so much happening now could be avoided.

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  11. Carli Sun schreibt:

    Ich war einfach in dem Moment so positiv überrascht, dass ich ihn als erstaunlich gut in meinen Hirnzellen abgespeichert habe…

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  12. Herba schreibt:

    @Michele: well, if we don’t get our act together who knows if humankind will still be here in 50 or 100 years

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  13. Herba schreibt:

    @Carli: das ging mir ganz genauso. Ich finde viele deutsche Filme so schrecklich, dass die seltenen Male wo mir einer gefällt, immer gleich besonders herausragen.

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  14. Michele Marsh schreibt:

    Herba, genau genau!!!

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  15. Carli Sun schreibt:

    Jep, ich wollte es jetzt nicht so sagen. Dennoch trifft es den Nagel ziemlich auf den Kopf! 👍

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