Maria Stuart, Königin von Schottland (Originalversion)

Schottland, 1561:
Die achtzehnjährige Königin Maria Stuart (Saoirse Ronan) kommt nach dem Tod ihres Ehemanns Franz II. von Frankreich nach Hause zurück, um den schottischen Thron einzunehmen.
Weder ihr Halbbruder James (James McArdle), der bisher als Regent den schottischen Thron besetzte, noch die adligen Beratern oder dem Klerus ist ein weiblicher und katholischer Monarch mit eigenem Kopf recht, da her stößt Maria auf einigen Widerstand.
Und auch aus England droht der jungen Königin Ungemacht, denn Queen Elizabeth (Margot Robbie) ist noch immer kinderlos und Maria könnte durch ihre Abstammung Anspruch auf den englischen Thron erheben, was Elizabeth unbedingt verhindern möchte.
Als Maria die Ehe mit englischen Höfling Robert Dudley (Joe Alwyn) ablehnt und stattdessen den nicht standesgemäßen Henry Darnley (Jack Lowden) heiratet, eskaliert die Situation…

Lange bin ich um ‚Maria Stuart, Königin von Schottland‘ herumgeschlichen. Einerseits interessieren mich solche Filme eigentlich immer und die Castliste liest sich wirklich gut. Andererseits sprach mich der erste Trailer so gar nicht an. Und meine Entscheidungsneurose hilft bei solchen Dingen auch nicht wirklich.
Dass ich den Film nun doch noch im Kino erwischt habe, war eher Zufall, aber schon allein wegen der tollen Landschaftsaufnahmen, die auf der großen Leinwand natürlich ganz anders zur Geltung kommen als im eigenen Wohnzimmer, bin ich sehr froh, über besagten Zufall.
Überhaupt fand ich die Bildsprache hier wahnsinnig ansprechend, da hat die Regisseurin Josie Rourke, die mit ‚Maria Stuart‘ ihren ersten Kinofilm vorlegt, wirklich großartige Arbeit geleistet.
Und auch die Farbgebung des Films, die eher dunkel daherkommt, aber immer wieder mit bunten Farbtupfern durchbrochen wird, hat mir gut gefallen.
Abgerundet wird das Ganze durch einen Kamerafukos, der mich öfter mal an den Blickwinkel im Theater erinnert und einem Soundtrack, der die Filmszenen angenehm untermalt und nicht mit falschem Epos erschlägt.
Und natürlich darf ich auch die Schauspieler nicht vergessen. Es war wunderbar zu sehen, wie James McArdle seine erste große Hauptrolle in einem Kinofilm meistert.
Dass er dabei seinen schottischen Akzent einsetzten darf, war ein schöner Bonus zu einer für mich gelungenen Vorstellung.
Und dann ist da natürlich Saoirse Ronan, vo der ich bisher so gut wie gar nichts (oder wirklich gar nichts?) gesehen habe und die für mich daher ein unbeschriebenes Blatt war.
Sie hat mir als Maria gut gefallen, weil sie die verschiedenen Emotionen und Befindlichkeiten der jungen Königing gut darzustellen weiß.
Ihre Gegenspielerin Margot Robbie als Queen Elizabeth hat von Haus aus weniger Gelegenheit sich schauspielerisch zu profilieren, aber auch sie hat mir gut gefallen. Sie stach vor mich vor allem in den hässlichen Momenten der Königin hervor, zum Beispiel wenn sie von Pocken gezeichnet durch den Flur eines Palasts rennt.
Überrascht war ich von Ismael Cruz Cordova, der einen Günstling von Maria spielt und in dieser Rolle zeigt, dass er zu mehr in der Lage ist, als den Haudrauf zu geben, wie in der Rolle als CIA-Agent, in der ich ihn kennengelernt habe.
Martin Compston und Jack Lowden bekommen ebenfalls Gelegenheit ein wenig ihres Talents zu zeigen und machen ihre Sache wirklich gut.
Über das Mitwirken von David Tennant, Brendan Coyle und Guy Pearce, etc. habe ich mich gefreut, aber auch wenn es eine von Männern dominierte Welt war, in der Maria und Elizabeth regierten, sind sie hier doch nur schmückendes Beiwerk, mit zu viel (Tennant) oder zu wenig (Coyle) Haaren.
Historisch korrekt ist der Film übrigens keinesfalls, da muss man einige Abstriche machen. Am augenfälligsten war für mich die Tatsache, dass Maria keinen schottischen Akzent gehabt haben dürfte und dass es nie ein Treffen zwischen den beiden Königingen gegeben haben dürfte.
Diese Fakten sind mir aufgefallen, haben mich in diesem Kontext aber nicht so sehr gestört, weil sie dramaturgisch gut ins Bild passen.
Genauso wie die Tatsache, dass nicht alle Rollen historisch korrekt mit Weißen besetzt wurden, weil die Regisseurin davon ihr Mitwirken abhängig machte.
So wird zum Beispiel der Botschafter von Elizabeth von Adrian Lester verkörpert und Gemma Chan spielt eine englische Hofdame.
Ich weiß nicht, ob das der Tatsache geschuldet ist, dass Josie Rourke vom Theater kommt, wo eine solche Besetzungspolitik an der Tagesordnung ist oder ob auch ein anderer Regisseur das hinbekommen hätte, aber auf jeden Fall funktioniert es für mich wunderbar.
Insgesamt war ‚Maria Stuart, Königin von Schottland‘ ein unterhaltsames Kinoerlebnis für mich, auch wenn der Film nicht ganz mit ‚The Favourite‚ mithalten kann, was Anspruch und Klasse angehen.
Und ich hoffe sehr, dass wir in den nächsten Jahren noch viel mehr Filme sehen werden, die in der Tradition dieser beiden Historienfilme gekonnt starke Frauen präsentieren.

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Ein englischer Trailer

Ein deutscher Trailer

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7 Antworten zu Maria Stuart, Königin von Schottland (Originalversion)

  1. Michele Marsh schreibt:

    Herba, so glad you liked this movie. I will try to watch it after The Favorite in the next few months if it hits PPV and Amazon. I love your descriptions of the characters and that you had a great cinema experience b/c that is what it is all about! ICC- „bruiser“ very funny vs CIA agent. I had read he was in the movie so I am curious to see how he does and if he launches into other films. He was in Miss Bala w Gina Rodriguez which came out maybe 2 weeks ago. So more power to him.

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  2. Servetus schreibt:

    I was surprised by both Tennant (whom I didn’t recognize at all) and Cruz Cordova (who I did recognize, but just like you, did not expect in a role like that). And I agree it’s a really pretty film — that has nothing to do with history. Writing feminism on top of this topic, or suggesting the difference between Elizabeth and Mary is that Mary stood up for love, or the moment where Elizabeth says Mary would be a good monarch of England — all nonsense. As a side point, afaik there were no contemporary suspicions that David Rizzio was gay; that’s an idea that emerged in a theatre production in the 60s, I think. On the other hand, there were weird literalisms — the constant quotations from paintings of Elizabeth in Robbie’s makeup in particular. (E. wasn’t the only person in her court wearing lead face-paint.) Or Knox’s sermons.

    The color-blind casting also left me thinking. To me, it’s appropriate any time that the material has descended into (or will be portrayed as) the stuff of myth, which is why it works on stage in a lot of Elizabethan situations. I thought it worked here precisely because with a few exceptions they made no attempt at presenting historical reality, to the point that my alarms didn’t go off because so much was wrong it could practically have been an alternate universe. Both Chan and Lester absolutely have the necessary gravity for this kind of (mythic) role. If the film had made any plausible claim to being historical, it would have troubled me. OTOH when I think of all the „Asian“ roles and stereotypes presented in films by white people, it probably shouldn’t bother me to see non-white actors in „white“ roles who are doing such skilled work.

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  3. Kate schreibt:

    Danke für deine Eindrücke. Den will ich unbedingt auch noch sehen!

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  4. Herba schreibt:

    @Servetus: They overdid it a bit with Tennant’s hair I guess. Even if the real John Knox had a really impressive beard 🙂
    The fact that the movie never tried to hide that it wasn’t historical accurate helped me to see it as what it is: a beautiful looking movie that stole some of it’s plot/characters from history – like you described it in your comment.

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  5. Herba schreibt:

    @Kate: Sehr gerne. Ich bin wirklich froh, dass ich ihn doch noch auf der großen Leinwand erwischt habe, das war stellenweise sehr beeindruckend und auch so hat er mich rundum gut unterhalten, auch wenn man natürlich schon vorher weiß, wie das ganze ausgeht.

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  6. Herba schreibt:

    @Servetus: Oh, the only thing that bothered me a bit was the fact, that Mary looked always the same, even after more of twenty years of imprisonment. A bit of make-up aging would have been good at that point! Or at least that’s what I thought while watching

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  7. Pingback: Musik am Samstag #125 | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

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