Colette (Originalversion)

Sidonie-Gabrielle Colette (Keira Knightley) lebt mit ihren Eltern in einem kleinen, ländlichen Dorf in Frankreich. Dort wird sie regelmäßig vom viel älteren Freund ihrer Familie Henry Gauthier-Villars (Dominic West), der von allen nur Willy genannt wird, besucht.
Willy ist ein egozentrischer Pariser Schriftsteller, der einen Kreis von jungen Autoren für sich schreiben läßt und die Werke dann unter seinem Namen veröffentlich.
Er führt Colette nach ihrer Heirat in die Pariser Bohème ein und macht sie mit einem ganz neuen Lebensstil bekannt. Als dem Paar finanziell das Wasser bis zum Hals steht, überredet Willy Colette für ihn zu schreiben und veröffentlicht den so entstandenen Roman ‚Claudine‘ unter seinem Namen.
Da das Buch äußerst erfolgreich ist, drängt Willy Colette zu weiteren Romanen, bis sie sich schließlich von ihm emanzipiert…

Da ich ja nicht unbedingt ein großer Fan von Keira Knightley bin, ist mein erster Kinobesuch in diesem Jahr eher der Tatsache geschuldet, dass ich gerne mal wieder Dominic West auf der großen Leinwand sehen wollte.
Und die Verantwortlichen hätten für die Rolle des Willy meiner Meinung nach keinen Besseren finden können.
West spielt den egozentrischen Literaturschaffenden einerseits überzeugend und vermag es andererseits mit seinem Spiel Sympathien zu wecken, so dass sein Willy nicht zum absoluten Unsympath verkommt.
Es gab viele Momente, wo ich ihn absolut unmöglich und unsympathisch fand, eben weil er so eine egozentrische Person ist, der gnadenlos über andere hinwegtrampelt.
Und dann gab es die Momente, wo er wie ein kleiner Junge um Vergebung heischend lächelt, auf dem Tisch tanzt und einfach mit seiner Begeisterung andere ansteckt und inspiriert und das verkörpert West wirklich großartig.
Glänzen kann er auch, weil Knightleys Colette nicht klischeehaft in der Ecke sitzt und mit ihrem Leben hadert, sondern ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt, neugierig bleibt und ihre Neigungen auslebt, ohne Scham und Gewissensbisse.
Knightley spielt das wirklich gut, anfangs mit fast kindlicher Unschuld, dann immer selbstbewußter und nicht gewillt ein reines Anhängsel eines berühmten Mannes zu sein.
Dass sie das gut macht kann auch ich als Nicht-Fan neidlos anerkennen und auch, dass sie mir als Colette fast gar nicht auf den Keks gegangen ist, wie das in früheren Zeiten ganz oft der Fall war.
Ein kleiner Wehrmutstrofpen bei all dem Lob bilden die auf mich stellenweise etwas hölzern wirkenden Dialoge, die den guten Film beim Großartig sein im Weg stehen.
In der französischen Literaturszene kenne ich mich zu wenig aus, um beurteilen zu können wie nah die Geschichte an der Wirklichkeit ist, aber die groben Eckpunkte scheinen nach meiner kurzen Recherche zu stimmen.
Die Ausstattung wirkt authentisch, der Soundtrack ist mir nicht negativ aufgefallen und sowohl die Landschaftsaufnahmen als auch die Innenaufnahmen fand ich stimmig.
Beim unterstützenden Cast ist mir vor allem Denise Gough als Missy positiv aufgefallen, aber in der homogenen Truppe fällt niemand aus dem Rahmen.
Gedanklich hat mich nach dem Anschauens von ‚Colette‘ noch länger die Entwicklung der Frau in unsrer Gesellschaft beschäftigt.
Einerseits sind wir in den letzten 120 Jahren einen weiten Weg gegangen, dürfen wählen, arbeiten, sollten nicht mehr die reinen Anhängsel eines Mannes sein.
Andererseits ist auch heute noch so viel im Argen, der Wunsch nach der Rückkehr zu alten Rollenmodellen scheint nicht ausrottbar zu sein und auch so manches Vorurteil bleibt bisher unsterblich…
Insgesamt war ‚Colette‘ für mich ein lohnendes Kinoerlebnis, das mich gut unterhalten und zum Nachdenken angeregt hat und ich bin froh, dass mich Dominic West ins Kino gelockt hat!

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Ein englischer Trailer

Ein deutschter Trailer

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11 Antworten zu Colette (Originalversion)

  1. Servetus schreibt:

    I have a similar reaction to Knightley as you do: she’s annoying, she did this one well. However, it took me about a half hour to get over the fact that Knightley’s build is nothing like Colette’s.

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  2. Herba schreibt:

    @Servetus: Too skinny for Colette?

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  3. Servetus schreibt:

    More too tall, but also too skinny — Colette was shorter and she had the typical sort of unformed plumpness of attractive women of her age. Colette was wasn’t fat by any means but she didn’t look like a whippet, either.

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  4. Herba schreibt:

    @Servetus: I googled her in the meantime and yes, Knightley doesn’t look like her at all…weird.
    Maybe they needed an actress with an name and coudln’t find one who looked a bit moore like Colette

    Gefällt 1 Person

  5. Servetus schreibt:

    I suppose, too, that they could count on most people seeing this film having no idea about the real Colette’s appearance at all. I assume she is a mostly forgotten figure.

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  6. Herba schreibt:

    @Servetus: Yes, that might be a factor too.

    Gefällt 1 Person

  7. Guylty schreibt:

    Colette hat mich auch interessiert. Vielleicht schiebe ich das demnächst mal ein.
    Und da du übrigens Dominic West zu mögen scheinst – ich hab neulich mal interessiert ein Video über ein typisches irisches Landed Gentry Landhaus angeguckt. Mir sagte der Mann der Inhaberin ja nun gar nichts – aber dabei handelte es sich dann doch tatsächlich um DW. Hier: https://youtu.be/7R2RyqU4hjI

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  8. Herba schreibt:

    @Guylty: Danke für den Link, sehr interessant. Tjaja, so kennt man ihn, immer ganz ernst bei der Sache *lol*

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  9. Guylty schreibt:

    Hehehe… aber er ist ja wohl voll auf die Füße gefallen. Seine Frau ist irischer Hochadel. Nicht übel…

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  10. Herba schreibt:

    @Guylty: Autsch! *lachen*

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  11. Pingback: Die Frau des Nobelpreisträgers (Originalversion) | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

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