Britische Fernsehfilme

Fernsehfilme haben in Deutschland ja eine ziemliche Tradition und – Achtung Vorurteil – manchmal habe ich den Eindruck, dass sie manchmal nur gedreht werden, damit Leute wie die Neubauer nicht verhungern müssen oder der Drehbuchschreiber ein merkwürdig geartetes Trauma in seinem psychologisch wertvollen Drehbuch verarbeiten kann *hust*
Ihr seht, bei dem Thema kann ich ziemlich viele Vorurteile unterbringen, die sich über die Jahre angesammelt und dafür gesorgt haben, dass ich nur wenige deutsche Produktionen anschaue.

Wirklich fair ist meine Beurteilung daher sicher nicht, aber ich habe ehrlich gesagt auch wenig Lust im Moment eine dezidierte Aktion zu starten um etwas dagegen zu tun.

Aber ich schweife ab.
Fernsehfilme kannte ich aus dem britischen Fernsehen eher nicht und war daher erstaunt, dass es im Dezember einige Fernsehfilme bei der BBC (und Channel 5) zu sehen gab.
Einzelne Posts lohnen sich dafür nicht, aber ganz untergehen lassen wollte ich sie auch nicht, daher folgen einfach kurze Statements zu jedem Film:

Agatha and the truth of murder (bei Channel 5)

Im Dezember 1926 verschwand die bekannte Schriftstellerin Agatha Christie (Ruth Bradley) nach einem heftigen Streit mit ihrem Ehemann Archie (Liam McMahon) für 10 Tage spurlos.
Als Christie gefunden wurde, gab sie an sich nicht erinnern zu können und es konnte nie geklärt werden, was sie während der 10 Tage getan hat. ‚Agatha and the truth of murder‘ erzählt, was hätte sein können…

Dieser Neunzig-Minüter hat mir gefallen. Ich fand die Prämisse unterhaltsam, dass Agatha Christie selbst einen Mordfall aufklärt und ich mochte diese fiktive Autorin sehr gern.
Es ist leichte Unterhaltung, hat für mich aber eben auch genau diesen Zweck erfüllt und daher würde ich diesen Film jederzeit wieder anschauen.

Ein englischer Trailer

The Midnight Gang (bei der BBC)

Tom (Oliver Zetterström) lebt in einem Internat, weil seine Eltern im Ausland leben. Als er bei einem Cricketspiel von einem Ball am Kopf getroffen wird, wird er auf die merkwürdige Kinderstation des St Hugo’s Hospital eingeliefert, wo merkwürdige Dinge vor sich gehen…

Bunt und etwas schrill kommt dieser 60Minüter daher, der nach dem gleichnamigen Kinderbuch von David Walliams entstand.
Mir war das stellenweise ein wenig zu viel des Guten, aber am Ende macht der Film einiges durch die Botschaft zum Thema Freundschaft wieder wett.
Nichts was ich nochmal sehen muss, aber einmal anschauen lohnt sich durchaus.

Ein englischer Trailer

Mother’s Day (bei der BBC)

Als im März 1993 ein Bombenanschlag Großbritannien erschüttert und der 3jährige Johnathan Ball und der 12jährigen Tim Parry (Adam Mitchell) sterben, beschließt die irische Mutter Susan (Vicky McClure), dass endlich etwas gegen die sinnlose Gewalt zwischen Irland und Großbritannien getan werden muss, während Wendy (Anna Maxwell Martin), die Mutter von Tim einfach nur in Frieden trauern möchte…

In neunzig Minuten eine ziemlich komplexe historische Situation aufzuzeigen, dürfte nahezu unmöglich sein.
Der Film beschränkt sich vielleicht daher auch sehr stark auf den einen Bombenanschlag ohne viele Hintergrundinformationen über die allgemeine Situation zu liefern.
Der Fokus liegt ganz klar auf den beiden Müttern und ihren Ehemännern (David Wilmot, Daniel Mays) und alle vier Schauspieler liefern meiner Meinung nach gute und zum Teil auch eindringliche Leistungen ab.
Der Film ist stellenweise schwer anzuschauen, aber für mich sind solche Filme wichtig, damit solche historischen Ereignisse nicht vergessen gehen und vielleicht doch der ein oder andere etwas daraus lernt.

Ein englischer Trailer

Care (bei der BBC)

Eben war Mary (Alison Steadman) noch eine agile und engagierte Großmutter, die ihre alleinerziehende Tochter Jenny (Sheridan Smith) unterstützt.
Doch nach einem Schlaganfall, durch den Mary einen Autounfall verursacht, ist die alte Dame nicht mehr wiederzuerkennen und sowohl sie selbst, als auch die Töchter Jenny und Claire (Sinead Keenan) haben Schwierigkeiten, mit der neuen Situation umzugehen und sich im englischen Pflegesystem zurecht zu finden…

‚Care‘ war für mich vermutlich von allen vier Filmen, der am schwierigsten anzuschauende, obwohl mich ‚Mother’s Day‘ auch bewegt hat.
Aber wenn die eigenen Eltern älter werden bzw. sterben rücken Themen wie Pflege automatisch mehr in den Fokus und ‚Care‘ legt ziemlich schonungslos den Finger in die Wunde.
Daher halte ich den Film für wichtig und empfehlenswert, aber bitte nicht anschauen, wenn euch die Themen Pflege, Verfall, Alter, Krankheit sehr nahe gehen!

Ein englischer Trailer

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22 Antworten zu Britische Fernsehfilme

  1. steffelowski schreibt:

    Leider hat mit Einzug des privaten TVs auch eine schleichende „Boulevardisierung“ des öffentlich rechtlichen Fernsehen in unserem Land stattgefunden. Das zeigte sich insbesondere bei den TV-Fernsehspielen. Da ging es ab Mitte der 1980er Jahre qualitativ stetig bergab. Heute werden immer die gleichen Geschichten, mit den immer gleichen Darstellern gezeigt. Sehr schade.
    In den 60ern und 70ern war das in Deutschland noch ganz anders. Da haben junge Regisseure noch echte Fernsehgeschichte geschrieben, mit tollen und provokanten Geschichten, die mit großartigen Schauspielern besetzt waren. Das ging dann in seiner thematischen Brisanz so weit, dass sich in der ARD einige Sender (meist war es der Bayrische Rundfunk, ach nee…☺️) geweigert haben, die Sachen auszustrahlen und die Sendungen eiskalt aus ihrem Programm genommen haben. Diese Zeiten sind leider schon lange vorbei. Heute ist alles weichgespült, alles Mainstream und bloss Niemandem auf die Füße treten.
    Allerdinges gibt es auch heute noch ab und an einmal ein Fernsehspiel, das des Anssehens wert ist. Im lezten Jahr z. B. der Zweiteiler über die Gladbeck-Entführer. Schließlich wird in England ja nicht ausschlielich quatiltativ hochwertiges produziert. Auch die BBC muss sich dem Druck der privaten Sender beugen und “Crowd Pleasing” betreiben. 😒

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  2. Herba schreibt:

    @steffelowski: Über ‚Gladbeck‘ habe ich viel Gutes gehört, das steht daher sogar mal auf meiner ‚möchte ich irgendwann mal schauen‘ Liste.
    Ich glaube allgemein ist es auch wieder ein wenig besser mit den immer gleichen Besetzungslisten geworden, aber mir reichen ganz oft schon die Trailer, damit ich keine Lust zum Einschalten habe 😦

    Und ja, in Großbritannien wird auch viel Quatsch produziert, aber eben auch wirklich hochwertige Sachen, die bei uns in dieser Form vielleicht alle Schaltjahre mal vorkommen und das finde ich echt schade.

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  3. Michele Marsh schreibt:

    Herba, these sound very interesting. I could not mentally watch Care b/c of my parents‘ situations esp my mums but the Agatha Christie one and the Mother’s Day one sound very promising, just have to figure out where to access them. I think BBC productions from what I have seen this past year the quality is top notch compared to American productions. There are some American tv shows and miniseries (ie Sharp Objects I recently viewed on HBO) that are well done but there is a lot of rubbish/garbage out there and of course we have sooo much reality tv now…

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  4. Herba schreibt:

    @Michele: Yes, Care was really hard to watch…
    Agatha was fun and Mother’s Day interesting.
    Maybe we are all a bit more forgiving with foreign tv? I am sure on British or german television is as much crap as on US TV.

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  5. Michele Marsh schreibt:

    Ah Herba that is a great way of putting it. Hahahaha „crap“ is right!!

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  6. Herba schreibt:

    @Michele: We have shows like ‚Bauer sucht Frau‘ (farmer searchs for woman), ‚Schwiegertochter gesucht‘ (Wanted: Daughter in law) or….can’t think of anything else at the moment but all these shows have something in common. They’re causing a phenomenon that’s called ‚fremdschämen deluxe‘ in German 😉

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  7. Michele Marsh schreibt:

    Herba, see in the US those Naked dating shows and all those Bachelors and Bachelorettes shows which my sis watches are geared for millennials in my opinion. Some of the references I have no clue what they are talking about. I know it is all escape tv and that is great. I am watching The Good Wife now which ran from 2011-2016 on CBS. It is very good writing and strong female characters. I am on Season 3 right now.

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  8. Herba schreibt:

    @Michele: Oh I loved The Good wife, even I never warmed up to Alicia. I saw all season and love the spin off too even if it’s quite different than the predecessor

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  9. Michele Marsh schreibt:

    Herba, I just finished S3. I like it more than I thought I would. I think Julianna Margulies is good and the cast esp Alan Cumming fit very nicely together. There are a lot of stars popping up on the show and I like how the central case for the episode is a mirror image of what is going on in the lives of the attorneys at Lockhart and Gardner. Writing is very good too!!

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  10. Herba schreibt:

    @Michele: Julianna Margulies is great, but I still don’t like Alicia as a character.
    But I loved Alan Cumming’s Eli Gold, such a colorful character. I love it when he arguess with Alicias mother in law 🙂

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  11. Michele Marsh schreibt:

    Herba, the facial expressions Cummings makes are priceless! He says so much with his mouth and body… funny and engaging!!

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  12. Herba schreibt:

    @Michele: Yes, this character is a great opportunity for Cummings to show what he is capable of as an actor. Sadly his new role in Instinct isn’t that great or at least I don’t think so.

    Do you wanna know who my favourite character in The Good wife is?

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  13. Michele Marsh schreibt:

    Herba of course I do! You must be reading my mind cuz I was thinking who did you like best?

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  14. Herba schreibt:

    @Michele: I have a soft spot for Will and I will never forgive Alicia…for a lot of things she did to him. (can’t say more because of spoilers)

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  15. Michele Marsh schreibt:

    Herba, yeah my vote is for Will too. But Will up until S3 ending was no saint and I think he loves Alicia and she really loves him. But I am curious to see what happens S4-7!!

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  16. Herba schreibt:

    @Michele: No, he isn’t a saint but he knows what he wants and Alicia don’t or so it seems a lot.
    I can’t wait to hear what you’ll say when you watched it all 🙂

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  17. Michele Marsh schreibt:

    Herba, yes yes I will definitely chat with you once finished the whole series. I’m so glad you’ve seen it! You are a wealth of information!!! I’m very happy you blog!!!

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  18. Herba schreibt:

    @Michele: I watch too much tv, that’s all 😉 But I love to talk about it 🙂

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  19. Michele Marsh schreibt:

    Herba hey I’m glad you watch tv and keep us informed! I a watching stuff now that I never even heard of!! Tv is a good decompressor anyway!!!

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  20. Herba schreibt:

    @Michele: I am glad you’re so relaxed about al the new input from the fangirl brigade. It can get a bit overwhelming at times 😉
    Absolutely yes to the decompressing factor of television!

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  21. Esther schreibt:

    Den Agatha Film wollte ich auch noch sehen! Care schaff‘ ich nicht, hört sich aber interessant an.

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  22. Herba schreibt:

    @Esther: Care war wirklich interessant und legt genau bei den Dingen den Finger in die Wunde wo Pflege ganz oft schief läuft. Da müßte sich gesellschaftlich wirklich mal ganz dringend ganz viel ändern!

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