NSA – Nationales Sicherheits-Amt von Andreas Eschbach [Werbung]

Was wäre wohl passiert, wenn die Nationalsozialisten vor und während dem Zweiten Weltkrieg Handys, Computer, das Internet und Social Media zur Verfügung gehabt hätten?
Was wäre gewesen, wenn es das Nationale Sicherheits-Amt in Weimar tatsächlich gegeben hätte, das mit Hilfe von Programmiererinnen und Analysten Zugriff auf sämtliche Daten des Deutschen Reichs nehmen kann?
Hätte es die Widerständler der ‚Weißen Rose‘ geschafft mehr als ein Flugblatt in Umlauf zu bringen?
Hätte es die Überlebenden gegeben, die von Mitbürgern versteckt wurden?
Und wie wäre der Krieg ausgegangen?

Ende der Neunziger Jahre kam man als Buchwurm an Andreas Eschbach und seinem Buch ‚Das Jesus Video‘ nicht vorbei.
Ich weiß leider nicht mehr so genau, wieso, aber ich fand das Buch doof – wegen dem Ende? – , machte von da an einen großen Bogen um den Autor und habe tatsächlich kein Buch mehr von ihm gelesen.
Bis jetzt.
In den letzten Monaten bin ich nämlich immer wieder über sein neuestes Werk ‚NSA‘ gestolpert und habe mich dann doch mal dazu verleiten lassen, eine Inhaltsangabe zu lesen, die mich durchaus ansprach, auch wenn die die Vorstellung von vorneherein auch sehr gruselig fand.
Nazis haben moderne Technik zur Verfügung, um das deutsche Volk zu überwachen, vermeintliche Feinde in Deutschland aufzuspüren und andere Nationen mit Falschinformationen und Sabotageakten zu schaden?
Diese Vorstellung ist wirklich gruselig, auch wenn das Gedankenspiel sicher auch nicht neu ist!
Eschbach erzählt seine Geschichte über die beiden Hauptfiguren Helene Bodenkamp und Eugen Lettke, die beide beim Nationalen Sicherheits-Amt arbeiten, das 1942 kurz vor der Schließung steht.
Daher versucht der Chef des Amtes auch alles, um den Reichsführer Himmler von der Nützlichkeit der Behörde zu überzeugen.
In Rückblenden erfährt man sehr viel über das Leben von Helene und Eugen vor dem Krieg und lernt beide Figuren recht gut kennen, wobei Helene eher zur Sympathieträgerin und Eugen zum Kotzbrocken ausgebaut wird.
Helene ist eine kluge, junge Frau, die eine natürliche Begabung zum Programmieren besitzt und alles was sie im Verlauf der Geschichte aus Liebe und Zuneigung tut.
Politische Überlegungen spielen dabei keine Rolle, sie ist einfach ein normaler Mensch.
Eugen hingegen ist ein Opportunist, der schon früh nach der Maxime lebt, dass der wichtigste Mensch im Leben von Eugen Eugen ist.
Außerdem erkennt er, dass Wissen Macht bedeutet und er hat auch keinerlei Probleme damit, anderen Menschen mit Hilfe seines Wissens zu schaden.
Sehr amüsiert habe ich mich darüber, dass in Eschbachs Szenario Programmieren reine Frauensache ist, das von Männern nicht mal mit der Kneifzange angefaßt wird – herrlich, wie mit diesem Klischee gespielt wird!
Der Autor läßt sich sehr viel Zeit beim Entwickeln der Geschichte, wodurch manchmal ein paar Längen aufkommen.
Gut gefallen hat mir, wie er tatsächliche Ereignisse für seine Prämisse abändert und in alternative Szenarien umstrickt und wie er den erdachten Technikstand aufbaut und erklärt.
Erstaunlich fand ich dann beim über das Buch nachdenken die Dinge, die er nicht eingebaut hat, wie zum Beispiel das KZ Buchenwald, das ja vor den Toren Weimars lag, im Buch aber nicht einmal vorkommt.
Und einmal mehr hadere ich auch mit dem Ende des Buches. Nicht, weil ich es doof fand, sondern weil es eigentlich ab da erst richtig interessant wird.
Aber so viel Zeit sich Eschbach für die ersten 90 Prozent der Geschichte läßt, so schnell hakt er eben den Schlusspunkt hab und das finde ich sehr, sehr schade.
Trotzdem halte ich ‚NSA‘ für lesenswert, auch im Hinblick auf Probleme wie Rechte auf dem Vormarsch, Fake News, etc., mit denen wir uns aktuell herumschlagen.
Ich habe jedenfalls sehr viel über dieses Szenario und die allgemeinen ethischen Fragen zum Thema Daten, Internet, Überwachungsstaat nachgedacht, seitdem ich das Buch beendet habe.

Die Homepage des Autors
Andreas Eschbach bei Bastei Lübbe
‚NSA‘ bei Amazon.de (Affiliate-Link)

Das ebook wurde mir von Netgalley bzw. vom Bastei Luebbe als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – vielen Dank! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.
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3 Antworten zu NSA – Nationales Sicherheits-Amt von Andreas Eschbach [Werbung]

  1. Michele Marsh schreibt:

    Sounds like a movie in the making! The plot sounds intricate and creepy!! From your review did you like it overall just not the ending? Better than the other book he wrote? How did you find this book? Amazon.de recommend it?

    Gefällt mir

  2. Herba schreibt:

    @Michele: Re movie: no idea if there are plans for a movie but his book ‚Das Jesus Video‘ was filmed so it sure is possible.
    It was an interesting read! I can’t remember enough of the other book to make a comparison, sorry!
    I get the newsletter from the publisher with an ad for it and lots of German book bloggers wrote about it and that made me curious

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Der RBB zeigt ab 15.12. die britische Mini-Serie „SS-GB“ | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

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