Haymatland von Dunja Hayali [Werbung]

Dunja Hayali ist eine deutsche Journalistin mit irakischen Wurzeln, die sich sehr stark gegen Fremdenfeindlichkeit und für einen offenen Dialog in einer freien Gesellschaft einsetzt, wird für ihre Position und ihre Meinung immer wieder angefeindet und ihr Deutschsein wird in Frage gestellt.
In Haymatland will sie der Frage auf den Grund gehen, wie Heimat definiert wird, was passiert, wenn rechte Exstremisten den Begriff zur Ausgrenzung von Personengruppen vereinnahmen und wie man am besten mit dem Hass der Nationalisten umgehen kann…

Dunja Hayali ist für mich ein bekanntes Fernsehgesicht, das ich kenne, auch wenn ich sie nur noch sehr selten live sehe, weil das MoMa und ihre Talkshow zu Zeiten laufen, die einfach nicht in meinen normalen Tagesablauf passen.
Aber ich folge ihr mittlerweile schon ziemlich lange bei Twitter und auch wenn ich sicher nicht immer mit ihr einer Meinung bin, schätze ich ihre Haltung als öffentliche Person klare Kante zu zeigen sehr!
Bei dem Maß an Verunglimpfungen und Beleidigungn, das auf sie niederpraselt, hätte ich mich vermutlich schon komplett in mein Schneckenhaus zurückgezogen und sämtliche Social-Media-Kanäle abgeschaltet.
Aber sie steht ihre Frau, sucht nach wie vor den Dialog und begibt sich nun mit ‚Haymatland‘ auf Spurensuche zum Thema Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Abschottung.
Dabei gibt sie Einblicke in ihren familiären Werdegang, in die Geschichte ihrer Eltern, die beide unabhängig von einander aus dem Irak nach Europa kamen, um hier zu studieren und dann irgendwann mit einer guten Ausbildung wieder zurückzukehren.
Sie erzählt davon, wie sich die beiden in Wien kennen und lieben lernten, heirateten, nach Deutschland weiterzogen und dort dann hängenblieben. Auch zu diesem Zeitpunkt wollte das Ehepaar noch zurück in die alte Heimat, integrierte sich aber trotzdem in der neuen, was ihnen im Ruhrpott laut Hayali aber auch nicht schwer fiel.
Dunja Hayali selbst wurde in Deutschland geboren und fühlte sich immer als Deutsche, auch wenn sie ihre Wurzeln im Irak nicht vergessen hat.
Dass ihr nun deutsche Mitbürger ihr Deutschsein absprechen wollen, verletzt und macht wütend. Nicht nur sie, sondern auch mich. Wie immer, wenn ich solche Schilderungen lese, überkommt mich der Drang lange, laut und ausgiebig zu fluchen.
Ich kann den Wunsch nach Abschottung, den Hass und die dumpfen rechten Parolen, die mittlerweile wieder ganz offen von manchen verbreitet werden einfach nicht nachvollziehen.
Den persönliche Bezug, den Hayali logischerweise herstellt, gefällt mir. Von diesem Punkt aus schildert sie ein paar wichtige Punkte bei der Arbeit von Journalisten und geht auch auf Kritik ein, die sie sich durchaus zu Herzen nimmt.
Damit lieferte sie dann mir persönlich auch ein paar Punkte zum Nachdenken, denn wie viele andere sehe ich es kritisch, wenn Öffentlich-rechtliche Medien den Rechten eine Bühne bieten.
Allerdings kann ich das Argument, dass es die Pflicht genau dieser Medien ist, das breite Spektrum an Meinungen zu zeigen, dann auch wieder nachvollziehen, egal wie wütend mich das in diesem politischen Fall macht.
Auch gut gefallen hat mir der gut lesbare Schreibstil und die vielen Erklärungen, die die Autorin liefert und das Bekenntnis, dass sie eben auch für ganze viele Dinge keine direkte Lösung parat hat.
Ich mag es, dass sie auch ihren Frust und Wut klar artikuliert und natürlich auch nicht in Abrede stellt, dass Integration sein muss und man auch über die negativen Seiten von Einwanderung sprechen sollte.
Aber eben respektvoll und lösungsorientiert, ohne Menschlichkeit, Großzügigkeit und unsre offene Gesellschaft dabei zu vergessen.
Hayali sieht vieles kritisch, aber auch vieles, was Anlass zur Hoffnung gibt und so ist ‚haymatland‘ für mich insgesamt ein lesenswertes Buch, dessen Thesen ich oftmals zustimmen kann, das aber vermutlich zu 98 Prozent die falschen Leser finden wird, nämlich die, die eine ähnliche Meinung wie die Autorin haben.
Aber ohne den Hass und die recht difuse Angst vor dem Fremden beiseite zu packen, wird unsrer Gesellschaft wohl kein guter Dialog in dieser Sache gelingen – daher bin ich auch nicht ganz so optimistisch wie Frau Hayali.
Aber ich möchte mich an dieser Stelle auf jeden Fall bei ihr dafür bedanken, dass sie selbst viel dafür tut, aufzuklären, zuzuhören und die Situation in unserem Land zu verbessern – von einer Deutschen zur anderen!!!

Dunja Hayali bei Ullstein
Dunja Hayali bei Twitter
‚Haymatland‘ bei Amazon.de (Affiliate-Link)

Das ebook wurde mir von Netgalley bzw. vom Ullstein-Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – vielen Dank! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.
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2 Antworten zu Haymatland von Dunja Hayali [Werbung]

  1. Literaturgarten schreibt:

    Feine Rezi , ich möchte das Buch lesen ! Danke dafür !

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  2. Herba schreibt:

    @Literaturgarten: Oh, das freut mich, danke für das Lob!

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