Die ersten beiden Staffeln von „Babylon Berlin“ ab 30.9. bei der ARD

Berlin, 1929:
Gereon Rath (Volker Bruch), Polizist aus Köln, wird zeitweise nach Berlin versetzt, um mit den Kollegen des Berliner Sittendezernats unter Führung des erfahrenen Kommissar Wolter (Peter Kurth) einen Pornoring auszuheben.
Rath, der Sohn eines angesehenen Kölner Polizeifunktionär, hat dabei noch nebenbei einen Geheimauftrag zu erfüllen und mischt sich außerdem in einen Fall der Mordkommission ein.
Dabei ahnt er nicht, dass er in ein Wespennest sticht und nicht nur sich, sondern auch die junge Stenotypistin Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) in Lebensgefahr bringt…

Nachdem mich die Kinokette Cinestar mit ihrer Werbung für DAS Kinoereignis im September halb zu Tode genervt hat, mich allgemein die Überhöhung zu DER Seriensensation des Jahres aufgeregt hat und ich deutschen Produktionen ja eher skeptisch gegenüberstehe, habe ich ziemlich lange gebraucht, um mich ‚Babylon Berlin‘ zu nähern.
Inhaltlich konnte ich nur einige wenige Schlagworte wie ‚Zwanziger Jahre‘, ‚Weimarer Republik‘, ‚Krimi‘ und ‚Berlin‘ wiedergeben und habe mich im Vorfeld auch nicht weiter damit beschäftigt.
Und obwohl ich nach den ersten Folgen nicht wirklich Feuer und Flamme war und einige Folgen zwischendurch eher doof fand, hat es die Serie doch geschafft mich zu fesseln und ich habe innerhalb von fünf Tagen beide Staffeln angeschaut.
Die Ausstattung ist ordentlich, auch wenn ich zwischendurch immer mal zu stark den Studiocharakter der Kulisse aufblitzen sah.
Die sozialen Unterschiede sind durch Kleidung und Ausstattung der Wohnsituation schön herausgearbeitet und in den Dialogen wird imemr mal wieder eingestreut, dass Berlin einen Sonderstatus in Deutschland inne hat, was Moral angeht – Babylon Berlin eben.
Da wird gesoffen, gehurt, gemordet und betrogen. Und ganz nebenbei gibt es mehrere Fraktionen, die politische Intrigen spinnen, wobei mir die Kommunisten zwischendurch ein wenig auf den Zeiger gegangen sind und die Nationalisten einiges an Kopfschütteln bei mir verursacht haben.
Relativ unverblümt geht die Serie mit Nacktheit, Sexualität und Gewalt um, wobei ich nicht fand, dass irgendetwas davon unerträglich oder zu reißerisch inszeniert war, aber ich bin ja auch Serien von HBO und Co gewöhnt.
Wer dahingehend empfindlich ist, sollte sich meiner Meinung nach gut überlegen, ob er einschaltet.
Die Schauspieler liefern mehr oder weniger durch die Bank weg einen soliden Job ab und zwischendurch hat mich der ein oder andere durchaus auch beeindruckt, wie zum Beispiel Volker Bruch, wenn er einen seiner Anfälle bekommt.
Schauspieler wie Matthias Brandt sind ja sowieso Garanten für ansprechende Schauspielkunst, nur mit Lars Eidinger und Severija Janusauskaite bin ich so gar nicht warm geworden, auch wenn mir ihr Lied noch Tage später durch den Kopf geisterte.
Die Thematisierung dieser Kriegsneurose, die viele Soldaten aus dem 1. Weltkrieg mitgebracht haben, fand ich sehr spannend und mir war im Vorfeld gar nicht klar, wie stigmatisiert die Veteranen, die darunter litten, waren.
Weder die Serie, noch die Romanvorlagen des Autors Volker Kutscher sollten dabei aber als komplett historisch akurat angesehen werden.
Beides sind Unterhaltungswerke und nehmen sich als solche künstlerische Freiheiten, auch wenn historische Plätze und Figuren auftauchen. Mehr will ich gar nicht verraten.
Insgesamt kann ich nach zwei Staffeln feststellen, dass für mich einiges zu DER Serie des Jahres fehlt, ich mich aber gut unterhalten gefühlt habe, vor allem weil sich die verschiedenen Handlungssstränge am Ende als gut verwoben und durchdacht herausstellten und ich durchaus anerkenne, dass bis zu einem gewissen Grad Anspruch und Wirklichkeit übereinstimmen. Die Übertreibung bei der Werbung verbuche ich mal unter ‚klappern gehört zum Handwerk‘.
Außerdem werde ich ‚Babylon Berlin‘ weiterverfolgen und freue mich schon auf die zwei weiteren Staffeln, die es wohl auf jeden Fall geben wird.
Denn ich bin auf jeden Fall neugierig darauf, wie es mit Kommissar Rath, seinen Mitstreitern, Berlin und Deutschland in der Serie weitergeht.

Die deutschsprachige Homepage zur Serie
‚Babylon Berlin‘ bei der ARD
‚Babylon Berlin‘ bei Sky Deutschland
Die Serie im deutschen Fernsehen – Termine
‚Babylon Berlin‘ bei Amazon.de (Affiliate-Link)
Die Hoempage zur Romanvorlage von Volker Kutscher.

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16 Antworten zu Die ersten beiden Staffeln von „Babylon Berlin“ ab 30.9. bei der ARD

  1. Servetus schreibt:

    My historian friends have been raving about this for months — so when I turn Netflix back on to see Castlevania, this is one of the things I am going to check out. However, I read the first novel (in translation) and I was not that impressed. Cute gimmick to name the Rath brothers after medieval churches in Cologne, though.

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  2. Herba schreibt:

    @Servetus: Let me know what you think please. My sister (I use her Sky abo) couldn’t stand it and I was surprised I nearly binge-watched it. Like I wrote in the post, for me it wasn’t super great but not bad either

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  3. Steht auch noch auf meiner Liste. Ich bin schon sehr gespannt.

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  4. suzy schreibt:

    Da werde ich heute Abend doch mal reinschauen!

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  5. Pingback: Medienjournal: Media Monday #379 | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

  6. Herba schreibt:

    @AequitasEtVeritas: Und? Mal rein geschaut?

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  7. Herba schreibt:

    @Suzy: Und? Was sagst Du dazu?

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  8. Ich habe mir die ersten beiden Episoden angeschaut und war ziemlich angetan. Es ist ungewöhnlich, aber spannend. Und wirkt recht authentisch – wenn ich auch nicht verstehen konnte, wie man ständig die Nacht durchtanzen (und anderes tun, ähem) und dann am nächsten Morgen nahtlos arbeiten gehen kann. 🙂

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  9. Herba schreibt:

    @AequitasEtVeritas: DAS hab ich mich auch gefragt, das wäre mir auch mit Anfang 20 viiiiiel zu anstrengend gewesen :mrgreen:

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  10. Abgesehen davon, dass ich das Studium dann nicht geschafft hätte. Ich weiß ja nicht, wann die morgens angefangen haben zu arbeiten (war es 8 oder 9 Uhr?): Die hatten erst um 20 Uhr Feierabend! Das ist ein 11- oder 12-Stunden-Tag. Jeden Tag!

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  11. Servetus schreibt:

    Will do.

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  12. Herba schreibt:

    @AequitasEtVeritas: Ja, das waren noch ganz andere Arbeitstage, kann man sich aus heutiger Sicht wirklich nur schwer vorstellen :/

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  13. Und trotz der langen Arbeitstage haben sie zweifellos (deutlich) weniger verdient als wir. Puh. Allerdings hatten die viele der Laster nicht, die wir heute haben: CDs, Fernseher, Computer & Tablets, Smartphones …

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  14. Herba schreibt:

    @AequitasEtVeritas: Ja, da hast Du Recht. Ich glaube trotzdem nicht, dass ich an Charlottes Stelle so viel Ausdauer gehabt hätte 🙂

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  15. Keine von uns. Wer weiß schon, was die so einwirft. 😉 😉 Ich müsste jetzt mal langsam weiterschauen …

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  16. Pingback: Serienmittwoch 152: Lieblingsschauspieler/ innen 2018? | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

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