A very english scandal (Originalversion)

MP Jeremy Thorpe (Hugh Grant) ist der aufsteigende Stern am Himmel der Liberalen Partei Englands.
Politisch sehr ambinioniert lebt er privat ein Doppelleben, denn Thorpe ist homosexuell, was im England der 60iger und 70iger Jahre verboten ist.
Als er 1960 den jungen Norman Scott (Ben Whishaw) kennenlernt, ist er sofort fasziniert und bietet Scott seine Hilfe an, sollte er jemals welche brauchen.
1961 kommt Scott nach London, wendet sich an Thorpe und die beiden beginnen eine mehrere Monate dauernde Beziehung.
Als die beiden Männer sich trennen, will Thorpe Scott am liebsten vergessen, doch der kapriziöse Mann taucht immer wieder in seinem Leben auf, was schließlich zu einem Mordkomplott führt…

Die dreiteilige Miniserie ‚A very english scandal‘ stand eigentlich nicht ganz so hoch auf meiner Serien-die-ich-unbedingt-schnell-sehen-will-Liste und ist dann auch eher zufällig an einem lauschigen Freitagabend über den Bildschirm geflackert.
Was Ausstattung und Kostüme angeht liefert die BBC hier wie gewohnt hochwertige Arbeit ab, das erwarte ich mittlerweile gar nicht mehr anders.
Was die Besetzung angeht, war ich allerdings eher skeptisch, denn weder Grant noch Whishaw gehören zu meinen Lieblingsschauspielern und vor allem Grant sah für mich auf den Werbefotos zur Miniserie lächerlich/gruselig aus.
Und dann hat er mich als Jeremy Thorpe richtig begeistert.
So habe ich ihn noch nie gesehen. Einmal nicht den gutaussehenden, unsicheren Charmeur spielend,, sondern einen alternden Politiker, der zwar durchaus charmant, aber eben auch manchmal irgendwie leicht schmierig wirkt und zwar ein guter Politiker zu sein scheint, für seine Karriere aber eben auch über Leichen geht.
Ich bin beileibe kein Grant-Fachmann, aber sowohl Gestik als auch Mimik habe ich so bei ihm noch nie gesehen und bis auf den ein oder anderen Dackelblick habe ich ihn als Thorpe wirklich schauspielerisch nicht wiedererkannt.
Einfach großartig!
Whishaw konnte ich als Scott lange nicht einordnen, weil zwischendurch meiner Meinung nach eine gewisse Berechnung durchscheint, die man der Figur aber zum großen Teil eher nicht zuordnen würde.
Letztendlich ist Scott ein Mann mit vielen Problemen, der zum Schluss einfach nur für sich selbst um Gerechtigkeit kämpft.
Dabei haut Wishaw darstellerisch zwischendurch ziemlich auf die Kacke, was zu der Persönlichkeit der Figur, die er darstellt, aber auf jeden Fall paßt und ihm vermutlich beim Drehen auch einigen Spaß gemacht haben dürfte.
Andere bekannte britische Fernsehgesichter wie Alex Jennings, Monica Dolan und Jason Watkins machen ihre Sache gewohnt gut und bieten einen guten Resonanzboden für Grant und Whishaw.
Die Geschichte, die ja auf wahren Begebenheiten beruht, war zwischendurch unfreiwillig komisch und am Ende für mich ziemlich unglaublich, aber auch ein Stück weit tragisch, weil durch die Kriminalisierung von Homosexuellen (übrigens nicht nur in England, sondern auch in Deutschland) so viele Menschen ins Unglück gestürzt wurden.
Ich finde es wichtig, dass solche Schicksale nun ein Stück weit aufgearbeitet werden und sei es ’nur‘ durch eine filmische Adaption!
Und so ist ‚A very english scandal‘ zwar sicher nicht meine Lieblingsproduktion der BBC, aber auf jeden Fall sehenswert, nicht nur, aber auch im Hinblick auf die schauspielerische Leistung von Hugh Grant.

‚A very english scandal‘ bei Amazon UK

Ein englischer Trailer

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18 Antworten zu A very english scandal (Originalversion)

  1. Ich mag Hugh Grant unheimlich gerne. Gut, er spielte oft dieselbe Figur, aber je älter er wird, umso mehr verändern sich seine Rollen. Außerdem hat er unheimlich viel Selbstironie, was ich liebe. Diese Mini-Serie habe ich aber leider verpasst. Schade.

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  2. Servetus schreibt:

    Interesting — I have the same general skepticism about this that you expressed at the beginning of this review. Also, what is Grant doing on TV? Slumming? Will check it out if crosses my path.

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  3. nellindreams schreibt:

    Die Miniserie hatte durchaus Vorschusslorbeeren! Grant war schon im Florence-Foster-Jenkins-Film ein erstaunlich guter Gegenpart zu Meryl Streep, so dass ich auf diese Serie richtig gespannt war. Für mich kommt der wahre Grant erst jetzt so langsam ans Tageslicht!

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  4. Herba schreibt:

    @Bette: Seine Selbstironie mag ich auch sehr gerne, genau wie seinen unverwechselbaren Dackelblick. Ich hatte ihn nur eigentlich nie für einen wirklich guten Schauspieler gehalten und werde in den letzten zwei, drei jahren ein wenig eines besseren belehrt, was ich großartig finde.
    Hoffentlich bekommt er in den nächsten Jahren noch mehr großartige Rollen und zeigt, was er kannt!

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  5. Herba schreibt:

    @Servetus Yes, I was really astonished about this!
    Now I want RA back on British TV more than ever *sigh*

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  6. Herba schreibt:

    @Nell: Die Vorschusslorbeeren habe ich nicht so mitbekommen, weil ich mittlerweile im Vorfeld so wenig wie möglich lese, um nicht ungewollte gespoilert zu werden.
    Aber ja, in FFJ hat er mir auch schon sehr gut gefallen und ich hoffe, er bekommt noch öfter die Gelegenheit solche tollen Rollen zu spielen!

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  7. Sehe ich auch so! Ich glaube, seine frühere Rollenauswahl gründete auf 2 Dingen. Einerseits bekam er vermutlich eher solche Rollen angeboten, die sein „Erfolgsmodell“ wiederholten. Andererseits erwähnte er kürzlich in einem Interview, dass sich selbst für keinen gute Schauspieler hält und sozusagen lieber auf sicheren Pfaden wandelte, weil er dachte, dort eher zu überzeugen. Erst in den letzten Jahren wage er sich an Rollen, die eine größere Herausforderung darstellten.

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  8. Herba schreibt:

    @Bette: Interessant, wie Grant sich selber sieht und schön, dass er nun mutiger wird. Das steht ihm wirklich gut!

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  9. Esther schreibt:

    Ja, ich habe schon sehr viel gutes über Grant gehört in dieser Produktion. Werde es glaub ich auch mal anschauen für ihn!

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  10. nellindreams schreibt:

    Anscheinend hat er den Ruhestand nun doch erst mal vertagt… Als Familienvater. 😉

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  11. Herba schreibt:

    @Nell: Mit vier (oder mittlerweile fünf?) Kindern hat man ja auch viel mehr Ausgaben, als als Single 😉

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  12. Herba schreibt:

    @Nell: Es sind fünf, habs gerade mal gegoogelt. Aber scheinbar nur noch eine Frau und nicht mehr zwei 😀

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  13. suzy schreibt:

    Hört sich gut an 🙂 Aber für uns Normalsterbliche wahrscheinlich auf amazon prime oder netflix nicht zu sehen oder?

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  14. blaupause7 schreibt:

    Das ist das Schöne an der BBC – es gibt immer wieder mal Highlights, die für eine Überraschung gut sind. A very english scandal war definitiv eins für mich in diesem Jahr. Wer mich dagegen auch noch überrascht hat, war David Tennant in seiner Rolle als Anwalt in dem Dreiteiler „The escape artist“ – gibt’s in Deutschland unter dem Titel „Der Anwalt des Teufels“ auf DVD.

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  15. Herba schreibt:

    @Suzy: Bei Amazon habe ich es nicht gefunden, Netflix weiß ich ehrlich gesagt grade nicht.

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  16. Herba schreibt:

    @blaupause: Den Dreiteiler kenn ich auch. Tennant ist eigentlich immer gut. Geschockt hat er mich zum ersten Mal in ‚The Politician’s Husband‚ aber so war ich dann wenigstens schonmal auf seinen Kilgrave aus ‚Jessica Jones‚ vorbereitet.

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