Brain on Fire (Originalversion)

Die vierundzwanzigjährige Journalistin Susannah Cahalan (Chloë Grace Moretz) ist mit ihrem Leben zufrieden. Sie hat einen netten Freund und einen guten Job bei der New York Post.
Dann wird sie plötzlich krank, entwickelt unter anderem Wahnvostellungen und hat Krampfanfälle.
Für Susannah beginnt nun eine Zeit der Leiden und es ist unklar, ob Ärzte ihr helfen können…

Die Inhaltsangabe habe ich von meinem Post zur Romanvorlage geklaut, den ich im August 2015 geschrieben habe.
Was das Buch anging war meine Meinung zwiegespalten. Einerseits fand ich Susannahs Geschichte bewegend, andererseits war mir die geschichte an manchen Stellen etwas zu dünn, ohne genau sagen zu können, was die Autorin anders oder besser hätte machen können.
Der Film ist mit 88 Minuten eher kurz und legt ein relativ schnelles Erzähltempo vor. Der Zuschauer erlebt kurz die gesunde Susannah mit ihrem Freund, am Arbeitsplatz und mit ihren Eltern und schon geht es mit den ersten Symptomen los.
Vielleicht bin ich auch deshalb mit Moretz in der Hauptrolle nicht wirklich warm geworden, auch wenn sie die körperlichen Anzeichen der Krankheit durchaus gut darstellt.
Ich fand sie nur etwas zu jung, um glaubhaft eine junge Frau mit Anfang Zwanzig darzustellen, die sich als Reporterin bei der new York Post beweist, daher dachte ich mir in quasi jeder Szene ‚Bist du wirklich schon 20 und nicht erst 17?‘.
Und gerade im Zusammenspiel mit Jenny Slate, die ihre Kollegin spielt und von der ich gar nicht weiß, wie alt sie sein soll, hat es mich wirklich gestört, weil Moretz noch jünger wirkte.
Und um mal ins Oberflächliche abzugleiten: Hatte Chloë Grace Moretz schon immer solche Lippen? Der Entenschnabel war die zweite Sache, die mich echt gestört und abgelenkt hat.
Der restliche Cast ist ordentlich ausgewählt und macht seine Sache auch gut.
Thomas Mann, der den Lebensgefährten von Susannah spielt, hat mir gut gefallen, auch wenn er auf mich auch nicht unbedingt, wie Mitte oder Ende 20 wirkt.
Tyler Perry spielt den Chef sehr väterlich, da hätte ich gerne eine Erklärung gehabt, wieso diese Beziehung so ist, auch wenn das natürlich für die eigentliche Geschichte keine wirkliche Rolle spielt.
Carrie-Anne Moss, die Susannahs Mutter spielt, wirkt sehr taff, aber durchaus auch fürsorglich und hält den ganzen Laden zusammen, auch wenn sie und Susannahs Vater geschieden sind.
Richard Armitage in einer Vaterrolle zu sehen, ist immer wieder schön und vor allem die Verzweiflung von Tom Cahalan spielt er sehr ergreifend und emotional.
Schön fand ich Navid Negahban mal nicht als Terrorist bzw. Bösewicht, sondern als fürsorglichen Arzt Dr. Najjar, zu sehen. Vor allem seine Emotionalität am Ende, hat mich sehr gerührt.
Leider ist ansonsten genau das eingetroffen, worüber ich im Zusammenhang mit dem Buch schon spekuliert hatte:
die Geschichte wirkt oft ein wenig dünn, auch wenn das Schicksal von Susannah durchaus auch im Film bewegt. Zu den Figuren konnte ich so gut wie keine Bindung entwickeln, weil man außerhalb der Krankheit nichts über sie erfährt und sie eher eindimensional wirken.
Die Krankengeschichte ist stark vereinfacht, was ich einerseits gut finde, weil es keine Verständnisprobleme für Laien gibt, andererseits nicht immer vermittelt, wie lange es gedauert hat, bis eine Diagnose feststand. Und auch die lange, schwierige Rekonvaleszenz ist nicht ganz bei mir angekommen.
Ob 15 oder 20 Minuten mehr dem Film gut getan hätten, weiß ich allerdings auch nicht.
Von daher muss ich über den Film ähnlich wie über das Buch urteilen: für Betroffene ist die Aufmerksamkeit wichtig und man kann ihn schauen, aber wenn man ihn nicht gesehen hat, hat man auch nichts versäumt, es sei denn man ist Fan von Richard Armitage und steht darauf, ihn den bärtigen Vater geben zu sehen.

‚Brain on Fire‘ als ‚Feuer im Kopf‘ bei Netflix Deutschland (mit deutschem Trailer)
Ein interessanter Artikel zum Film von Susannah Cahalan selbst.
Susannah Cahalans Homepage
‚Brain on Fire‘ als Import-DVD bei Amazon.de (Affiliate-Link)

Ein englischer Trailer

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11 Antworten zu Brain on Fire (Originalversion)

  1. DoomKitty schreibt:

    Um auf das Oberflächliche zu kommen: Sie hatte ja schon immer recht ausgeprägte Lippen. Ich denke, dass die mit dem Älter werden einfach noch ausgeprägter geworden sind. Ist halt so ein Angelina Jolie-Effekt ^^‘

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  2. Herba schreibt:

    @DoomKitty: Das ist gut zu wissen! Ich kenne sie nämlich kaum und kann das echt nicht beurteilen, daher die Frage ins Blaue. Für mich sah das in dem Film auf jeden Fall teilweise wahnsinnig unecht und aufgespritzt aus

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  3. DoomKitty schreibt:

    Ja, die wirken teilweise tatsächlich etwas übertrieben ^^‘

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  4. Herba schreibt:

    @DoomKitty: Aufspritzen lassen muss sie sie jedenfalls nicht, wenn das Natur ist 🙂

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  5. Servetus schreibt:

    I don’t get how one could go through an experience like that and not be more reflective about it in general (what does this mean for my identity, for my experience of the world, how does it transform my relationships). I felt that way about the book — Cahalan had decided already then that the only relevant element to her story was that she got this weird disease and she felt obligated to warn everyone about it. That persisted into the film. The first time I saw it, I just thought, this was what they wanted to achieve — they have all said so — and yet it’s so entirely superfluous.

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  6. Herba schreibt:

    @Servetus: I understand the need to help others but maybe she wrote her story to young and without the needed reflection and insight.
    It really is a missed opportunity especially in case of the movie but the achived what they wanted I guess….
    I would love to hear the private (not the promoting actor) RA talk about the reasons for him to want to be part of the movie!

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  7. Servetus schreibt:

    I have read a lot of memoir written by people in their 20s lately and it’s all similarly superficial. I suspect a lot of it will be embarrassing to its authors down the road, when they gain a little more depth in their thinking.

    I would like to know that, too. I’m guessing: Charlize Theron.

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  8. Herba schreibt:

    @Servetus: I don’t understand the want to write a memoir when one is in his or her tweenties….
    Yes, you’re probably right.

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  9. Servetus schreibt:

    I read somewhere that it’s a consequence of social media — younger people are being conditioned to believe that their every experience is more immediately important (as opposed to earlier generations). Not sure — that’s a kind of curmudgeonly argument. But I have to say I’m becoming impatient with them.

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  10. Herba schreibt:

    @Servetus: It makes sense but yes, it’s a strange trend.

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  11. Pingback: Medienjournal: Media Monday #377 | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

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