Jugend ohne Gott

In einer nahen Zukunft ist die Gesellschaft stark in Gewinner und Verlierer unterteilt.
Die Erfolgreichen leben in Reichtum und haben alle Chancen voran zu kommen.
Die weniger Erfolgreichen leben in Armut und dürfen die ihnen zugeteilten Sektoren nicht verlassen.
Als Schüler einer Abschlussklasse an einem Assessmen-Camp teilnehmen, bei dem den stärksten Teilnehmern ein Platz an einer Elite-Universität winkt, gerät Zach (Jannis Niewöhner), dessen Vater vor kurzem Selbstmord begangen hat und der die Gesellschaft, in der er lebt stark hinterfragt, ins Abseits, weil er sich dagegen wehrt, dass er und seine Mitschüler extremem Konkurenzdruck ausgesetzt werden.
Seine Mitschülerin Nadesh (Alicia von Rittberg) möchte Zach helfen sich besser zu integrieren, überschreitet aber in ihrem Eifer die ein oder andere Grenze.
Als Zachs Tagebuch verschwindet, wird eine Kette von Ereignissen ausgelöst, die nur ein böses Ende zur Folge haben kann…

Ich kenne die Romanvorlage von Ödön von Horváth nicht und bin auch kein Kenner (oder Liebhaber) von Dystopien, von daher bin ich auf den Film rein durch die Besetzungsliste aufmerksam geworden, die sich für Kenner des deutschen Films durchaus beeindruckend liest.
Niewöhner, von Rittberg, Schüle, Schümann – das sind alles Namen von jungen deutschen Schauspielern, die in der jeweiligen Karriere schon einiges an Aufmerksamkeit erregen konnten.
Wenn dann die Nebendarsteller Anna Maria Mühe, Fahri Yardım oder Iris Berben heißen, liest sich das Ganze durchaus ein wenig wie die oberne Zehntausend des deutschen Films, ohne mit Stars überfrachtet zu sein.
Der Film wird aus drei verschiedenen Blickwinkeln erzählt, was dazu führt, dass man bestimmte Szenen eben auch mal zu sehen bekommt, was mich allerdings weder gelangweilt noch gestört hat.
Nadesh ist die Erste, die man im Camp begleitet und Rittberg spielt das nette, hilfsbereite Mädchen, das allerdings in ihrer Hilfsbereitschaft zu weit geht und durchaus auch Zähne zeigen kann, glaubhaft.
Der nächste Blickwinkel ist der von Zach, der sich unwohl fühlt und die Gesellschaft, in der er lebt in Frage stellt. Durch ihn bekommt man mehr Einblick in die Vorgeschichte und allgemein in das Leben dieser schönen, neuen Welt.
Niewöhner ist gut gewählt für den zornigen, jungen Mann, der rebelliert und seinen eigenen Weg finden will.
Die dritte und letzte Perspektive kommt vom Lehrer der Gruppe, durch dessen Augen man nicht nur das Camp, sondern auch die Geschehnisse nach dem Camp verfolgen kann.
Yardim spielt diese Rolle sehr unaufgeregt und zurückgenommen, was mir gut gefallen hat, mir stellenweise aber vielleicht auch ein klein wenig zu reduziert war.
Emilia Schüle und Jannik Schümann sind für ihre jeweiligen Rollen gut ausgesucht und machen ihre Sache ebenfalls gut.
Der Look des Films ist sehr clean und besticht vor allem bei den Außenaufnahmen im Camp mit einigen wunderbaren Naturaufnahmen.
Zurück in der Zivilisation wird der Kontrast zwischen Gewinnern und Verlieren sehr stark durch Ausstattung und Farbgebung unterstrichen, was durchaus passend war, vielleicht an der ein oder anderen Stelle aber subtiler hätte sein können.
Die Geschichte an sich fand ich ein wenig vorhersehbar und die Figuren etwas zu glatt gebügelt und doch sehr klischeehaft. Ich frage mich außerdem, ob man aus der Romanvorlage nicht hätte mehr herausholen können, denn auch wenn Horváth seinen Roman schon 1937 veröffentlicht hat, liest sich die Zusammenfassung durchaus aktuell und sehr, sehr kritisch, sowohl was Rassismus als auch was Diskriminierung angeht.
Im Film wird zwar auch das Thema Diskriminierung angeschnitten, ansonsten liegt der Fokus aber ganz klar auf dem großen Leistungsdruck, dem die Jugendlichen Ausgesetzt sind und das Thema Rassismus wird gleich ganz unter den Tisch fallen lassen.
Insgesamt ist ‚Jugend ohne Gott‘ für mich ein Film, den man anschauen kann, den man aber auf keinen Fall gesehen haben muss!

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Ein deutscher Trailer

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