Frauen dürfen hier nicht träumen: Mein Ausbruch aus Saudi-Arabien, mein Weg in die Freiheit von Rana Ahmad und Sarah Borufka

Als Rana, die mit ihren syrischen Eltern in Saudi-Arabien lebt, 10 Jahre alt ist, merkt sie zum ersten Mal, dass sie hier nur ein Mensch zweiter Klasse ist, als ihr Großvater ihr Fahrrad verschenkt und sie sich zum ersten Mal verschleiern muss.
Mit dem Schleier wird Rana ein großes Stück ihrer Freiheit genommen. Wenn sie in Saudi-Arabien auf die Straße gehen möchte, muss sie ein männliches Familienmitglied begleiten, sie darf nicht ohne Erlaubnis arbeiten gehen und studieren wird sie an einer saudischen Universität auch nie können, weil sie eine Frau ist.
Für das Mädchen, das zu einer klugen, jungen Frau heranwächst, ist das nur schwer zu ertragen. Als die Ehe mit einem jungen Syrer zerbricht und sie in Schande zu ihren Eltern zurückkehren muss, entdeckt sie mit Hilfe des Internets eine ganz andere Welt, jenseits des Koran und den Fesseln, die die saudische Männerwelt und die Religionspolizei Frauen auferlegt.
Und als Rana feststellt, dass sie Atheistin ist und dem Islam gedanklich den Rücken kehrt, entscheidet sie sich dafür aus ihrem Leben auszubrechen und die Gefahr einer Flucht auf sich zu nehmen…

Ich bin bei Monerl auf einen Beitrag zu ‚Frauen dürfen hier nicht träumen‘ gestoßen und habe das Buch dann direkt auf meine Leseliste gesetzt.
Rana Ahmad, die ihren Namen übrigens geändert hat, um sich vor Verfolgung durch ihre Verwandten zu schützen, hat mich sehr beeindruckt. Sehr klar und gut lesbar gibt sie ihre Geschichte wieder und man lernt als Leser ein Mädchen kennen, das sich vor allem vom Vater sehr geliebt fühlt, wissbegierig in die Welt schaut und dann auf tragische und auch traurige Art ihre Flügel gestutzt bekommt.
Schon zu lesen, wie die Kleine um ihr Fahrrad und ihre Freiheit trauert, war schmerzhaft; in Ranas Haut zu stecken, einfach unvorstellbar.
Lange versucht sie, die Grenzen zu akzeptieren, die die patriacharlische Gesellschaft von Saudi-Arabien ihr setzt, versucht eine gute Tochter zu sein, träumt vom Märchenprinz, der sie in eine Ehe entführt, die sie ausfüllt und ihr Zufriedenheit gibt.
Und wieder war es schmerzhaft zu lesen, wie nach und nach Ranas Träume platzen, wie sie immer wieder von Männern auf die ein oder andere Art misshandelt und missbraucht wird, wie sie feststellt, dass sie einfach nicht in dieser Enge leben kann, wie sich fast ihre gesamte Familie gegen sie stellt und sie schließlich nur noch den Ausweg sieht, ihr Leben zu beenden oder zu fliehen.
Ich fand es bemerkenswert wie sie auf der einen Seite emotional schildert, was ihr und anderen Frauen in Saudi-Arabien zugefügt wird und wie sie doch nie hasserfüllt klingt.
Am Ende findet sie selbst für ihre Mutter, die sie verstoßen hat, versöhnliche Worte und das fand ich schon sehr bemerkenswert!
Spannend fand ich ihre innere Reise zum Atheismus und die daraus resultierenden Sorgen, die sie vor allem auf ihrer Flucht nach Europa begleiten.
Rana läßt den Leser dann auch ein wenig an ihrem neuen Leben teilhaben und blickt in Deutschland bei allen Schwierigkeiten wieder hoffnungsvoll in die Zukunft.
‚Frauen dürfen hier nicht träumen‘ war für mich ein ganz besonderes Leseerlebnis, das mich sehr gerührt, beschäftigt und vielleicht auch ein wenig beschämt hat.
Wie können wir als Europäer, als Deutsche – bei allen Problemen, mit denen wir uns im eigenen Land herumschlagen müssen – Menschen wie Rana den Rücken zukehren!
Wie können wir unsere Augen verschließen vor dem Leid von Menschen, die vor Krieg, Gewalt und Unterdrückung fliehen!
Und wie können wir vergessen, wie priviligiert wir im ach so christlichen Deutschland leben und wie kurz die Zeitspanne gerade für uns Frauen ist, seitdem unsere Mütter und Großmütter für die Rechte der Frauen und die Emanzipation kämpften!
Wie immer, wenn ich in den letzten zwei Jahren Bücher zum Thema Flüchtlinge und radikalem Islam gelesen habe, möchte ich jedes einzelne den Hetzern und guten Christen in meinem Umfeld um die Ohren hauen (nicht nur im übertragenen Sinn!), doch da das nur schwer realisierbar ist, mache ich eben Werbung für dieses Buch und hoffe, dass es noch mehr Leser finden und noch mehr Menschen so bewegen wird, wie es mich bewegt hat.
Und ich wünsche Rana Ahmad alles, alles Gute und hoffe, dass sie mittlerweile das erfüllte und selbstbestimmte Leben führen kann, von dem das kleine Mädchen in Saudi-Arabien vor mehr al zwanzig Jahren träumte!

Rana Ahmad bei RandomHouse
Rana Ahmad bei Facebook und Twitter
‚Frauen dürfen hier nicht träumen‘ bei Amazon.de (Affiliate-Link)
Ein Artikel über Rana Ahmad bei Deutschlandfunk.de
Ein Interview mit Rana Ahmad bei jetzt.de

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8 Antworten zu Frauen dürfen hier nicht träumen: Mein Ausbruch aus Saudi-Arabien, mein Weg in die Freiheit von Rana Ahmad und Sarah Borufka

  1. Servetus schreibt:

    My experience with talking about books like this with people opposed to allowing refugees into the U.S. is that they use it as further evidence why we shouldn’t let people in („see, they are nothing like us, if they would do that to a woman“). Very frustrating.

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  2. Herba schreibt:

    @Servetus: Yes, I heard that frustrating argument too.
    But people who argue like that only forget that at least in Europe the self-determined life of women is 40 or 50 years old at most….

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  3. Servetus schreibt:

    I don’t know why people won’t just admit what they are actually thinking. It’s so cynical to pretend there’s any principle there beyond xenophobia.

    I still have some Jewish friends in Göttingen and they were joking a few weeks ago, after the attack on the man wearing the kippah in Berlin, that this will be AfD’s next argument: we have to get rid of the Muslims in order to protect „our“ Jews because *even* our bourgeois party opponents think that harassing Jews is wrong.

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  4. Herba schreibt:

    @Servetus: I think nothing is beyond these people so yes, maybe this will be the next argument 😦 or maybe someone will blow the whole world to pieces in the foreseeable future and we don’t have to worry about stupid arguments from Nazis any more *sigh*

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  5. Servetus schreibt:

    I’m really worried about the latter since yesterday. Kim Jong-Un has never scared me; North Korea is falling apart; the only question is when it disintegrates enough to end up in a situation like East Germany in 1989; he has as good as no real allies. Iran is another story. Not just because of the regional-political considerations, but because of what it will do to transatlantic alliances. The tweet from the US ambassador to Germany yesterday took my breath away. „Wind up your business“ — or what? The US is starting to do damage it won’t be possible to recover from.

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  6. Herba schreibt:

    @Servetus: Me too. For me this is the most stupid of many stupid moves from 45 and a frightened one too 😦
    Only the heaven knows what will happen next *sigh*
    When I read the tweet from the new ambassador I thought ‚No wonder 45 appointed this guy…‘

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  7. Servetus schreibt:

    Have you seen this?

    So someone’s already said it in Austria.

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  8. Herba schreibt:

    @Servetus: Wow, what a speech! Thanks for the link, hadn’t seen it…

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