„The Alienist – Die Einkreisung“ mit Daniel Brühl und Luke Evans: ab heute (19.04.) bei Netflix Deutschland

New York City, 1896:
Die Polizei der Stadt ist zum größten Teil korrupt und tut, was sie will. Der neue Polizeichef Theodore Roosevelt (Brian Geraghty) will das ändern und legt sich mit seinen Untergebenen an.
Als ein Junge, der sich als Mädchen verkleidet prostituierte, brutal ermordet und verstümmelt aufgefunden wird, beauftragt Roosevelt den umstrittenen Psychologen Dr. Laszlo Kreizler (Daniel Brühl) und seinen Freund, den Zeitungsillustrator John Moore (Luke Evans) im Geheimen nach dem Täter zu forschen.
Unterstützt werden die beiden Männer von der emanzipierten Polizeisekretärin Sara Howard (Dakota Fanning) und den beiden Polizeiserganten Marcus (Douglas Smith) und Lucius (Matthew Shear) Isaacson.
Als ein weiterer Junge tot aufgefunden wird, werden die Ermittler bedroht – nicht nur vom Mörder, sondern auch von der Polizei und den Betreibern der Kinderbordelle der Stadt…

Ich bin nicht ganz sicher, wann und wo ich meine Taschenbuchausgabe von Caleb Carr’s ‚Die Einkreisung‚ (engl. ‚The Alienist) gekauft habe, aber es muss irgendwann in den Neunzigern gewesen sein, entweder ziemlich zügig nach Erscheinen oder ein bis zwei Jahre später.
Dafür kann ich mich noch sehr genau erinnern, wie begeistert ich beim Lesen war und dass ich das Buch vor Spannung kaum aus der Hand legen konnte.
Außerdem habe ich den historischen Krimi mehr als ein Mal gelesen und fand ihn auch beim dritten oder vierten Mal noch gut.
Von daher hat mich die Nachricht, dass es eine Serie geben würde, sehr gefreut, auch wenn ich das Buch nun seit Jahren nicht mehr gelesen habe.
Wie ich das Casting der Hauptfiguren finden sollte, war ich im Vorfeld eher unentschlossen. Irgendwie passten die Herrschaften alle nicht so recht in das zugegebenermassen recht diffuse Bild, das ich noch hatte. Andererseits mag ich vor allem Brühl und Evans recht gerne, also entschied ich mich gegen einen Reread des Buchs und wartete gespannt auf die Serie.
Und ich muss sagen, dass ich diese insgesamt recht gelungen finde, auch wenn sich an der ein oder anderen Stelle wieder das verschwommene Gefühl meldete, dass das nun gerade nicht ganz zur Buchversion passt.
Daniel Brühl scheint mir als Laszlo Kreisler ein wenig jung, fängt für mich die Ticks und Eigenarten der Figur aber gut ein und schafft es, dass ich Kreisler mag, obwohl er manchmal ein – mit Verlaub gesagt – echtes Arschloch ist!
Und die deutschen Sätze, die hier und da in Kreizslers Text in der Orignalversion eingestreut werden, klingen logischerweise zu 100 Prozent natürlich, was einem Nicht-Muttersprachler sicher wurscht ist, mir aber positiv aufgefallen ist.
Luke Evans ist an John Moore gefühlsmäßig etwas näher dran, wenn auch nicht immer ganz perfekt. Ich mag die sanfte Art, mit der er John spielt, die indignierten Blicke, die er seinem Freund Kreisler ganz oft zuwirft und die Eifersuchtsanfälle, die ihn ab und an heimsuchen.
Brian Geraghtys Teddy Roosevelt ist eine zentrale, wenn auch sparsam eingesetzte Figur und ich muss sagen, dass ich seine Darstellung etwas blass aber insgesamt nun auch nicht wirklich schlecht fand.
Douglas Smith und Matthew Shear als Gebrüder Isaacson fand ich sehr gut gewählt und echt unterhaltsam, wenn auch wieder etwas jung.
Sara Howard habe ich mir definitiv irgendwie anders vorgestellt, wenn ich auch nicht genau weiß, wie ich sie gerne gehabt hätte. Und Dakota Fanning macht schon einen guten Job und ich habe ihr die Rolle der um Unabhängigkeit kämpfenden Frau durchaus abgenommen.
Ich fand aber sowieso, dass der Cast sehr harmonisch zusammengestellt wurde, sowohl vom Alter als auch von der schauspielerischen Leistung her.
Due Ausstattung fand ich gelungen, Evans und Brühl machen in den Kostümen eine wunderbare Figur und die Kleider der Damen sehen furchtbar unbequem aus, was sie sicher dank Korsett auch waren.
Beim Schauen sind mir viele Kleinigkeiten aus dem Buch wieder eingefallen, Handlungsfäden kamen mir wieder in den Sinn und trotzdem wurde mir an einer bestimmten Stelle der Handlung wieder das Herz gebrochen, genau wie beim Lesen vor mehr als 15 Jahren, was für mich ebenfalls für die Serie spricht.
Die neuen Ermittlungsmethoden der Kriminalistik werden zwar aufgezeigt, aber nicht so stark in den Vordergrund gestellt, wie ich das aus dem Buch in Erinnerung zu haben glaube, was für eine filmische Umsetzung aber sicher Sinn macht, um niemanden zu langweilen.
Und Themen wie Fingerabdrücke oder ähnliches werden trotzdem gut genug erklärt, um einen Eindruck zu bekommen.
Kleine Mankos sind für mich die manchmal leicht stereotyp gezeichneten Figuren und das Ende, das ich schon beim Buch irgendwie ausbaufähig fand. Bei der Serie kommt nun noch dazu, dass die beiden letzten Folgen für meinen Geschmack etwas zu sprunghaft inszeniert wurden.
Aber insgesamt halte ich die Serie für sehr gelungen, ich habe mich gut unterhalten gefühlt und würde auch bei einer Fortsetzung (keine Ahnung, ob eine geplant ist) wieder einschalten.
Achtung! Manchmal wird’s ein wenig eklig bzw. gewalttätig, aber nach meinem Empfinden nicht so schlimm wie zum Beispiel bei ‚Ripper Street‚.

Die Serie bei Netflix Deutschland
Die Serie bei TNT

Ein englischer Trailer

Ein deutscher Trailer

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8 Antworten zu „The Alienist – Die Einkreisung“ mit Daniel Brühl und Luke Evans: ab heute (19.04.) bei Netflix Deutschland

  1. Ich warte schon ungeduldig auf die Serie und freue mich, dass Netflix sie ins Programm genommen hat. Dabei wusste ich vor deinem Artikel nicht einmal, dass die Serie auf einem Roman basiert. Werde ihn mir gleich mal auf die WL setzen.

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  2. Servetus schreibt:

    This fell into my „book is better than the show“ category. I remember reading the novel, too, in the 90s (I think I bought it in the Göttingen train station), but I switched this one off after 20 minutes. Did not hold my attention.

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  3. Herba schreibt:

    @Servetus: I think the paperback release in Germany was a big think back in the 90s.
    Sorry to hear you didn’t enjoy it! Yes, to ‚book better than tv show‘ but I think they still did a decent job.

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  4. Pingback: Montagsfrage: Wunsch-Buchverfilmung? | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

  5. suzy schreibt:

    Danke für den Tip! Ich habe es in einem Rutsch durchgekuckt weil ich es so spannend fand. Gut gemacht, tolle Schauspieler, ich hoffe, dass es eine Fortsetzung geben wird!

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  6. Herba schreibt:

    @Suzy: Die Buchvorlage hat eine Fortsetzung, allerdings fällt die zur Einkreisung meiner Meinung nach doch sehr ab. Aber ich würde mir auch wünschen, dass die Serie weitergeht, von mir aus auch ganz ohne Anlehnung an die Arbeit des Autors!

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