On my own

Will lehnte, nachdem er den silbernen BMW verriegelt hatte, an der Fahrertür und schaute sich um. Der Campus war noch recht leer und füllte sich nur langsam mit Studenten und Lehrpersonal.
Obwohl er erst in vier Stunden die erste Vorlesung zu halten hatte, war er schon da. Er verbrachte die ruhigen Morgenstunden lieber hier in seinem kleinen Büro, dass ihm als Privatdozent zustand, als in der noch immer kärglich eingerichteten Wohnung am Stadtrand

Seit fast einem Jahr lehrte er nun hier an der Uni englische Literatur. Die Lehrtätigkeit an sich machte ihm Spaß, aber ansonsten fand er sich mehr schlecht als recht zurecht.
Heute morgen hatte er wie jeden Tag eine andere Strecke von zu Hause zur Arbeit genommen. Er benutze nie den direkten Weg und schaute sich auch nun auf dem Parkplatz noch einmal suchend um, ob irgendetwas auffällig oder anders als sonst war.
Er lächelte wehmütig. Alte Gewohnheiten, die einem in Fleisch und Blut übergegangen waren, lassen sich schlecht wieder ablegen, aber er konnte es versuchen.

Vor dem Nebeneingang, den er von seinem Standort aus gut im Blick hatte, wurde es nun etwas lebendiger.
Eine dunkelhaarige Frau, die mit einer Laptoptasche samt großer Aktentasche behängt war, einen großen Stoß Unterlagen auf dem Arm trug und einen kaffeebraunen Labrador an der Leine hatte, kämpfte sich die ausgetretenen Stufen hinauf.
Als sie versuchte, die Tür zu öffnen, kamen die Unterlagen ins Rutschen und verteilten sich auf der Treppe.
Er war zu weit weg, um zu helfen oder um ihre genauen Worte zu verstehen, aber dass sie nun fluchte, konnte er sogar aus der großen Entfernung hören und das ließ ihn schmunzeln.

Entschlossen griff er nach seiner ledernen Aktentasche, die vor ihm auf dem Boden abgestellt war und ging mit großen Schritten über den Parkplatz als jemand hinter ihm rief:

„Will! Guten Morgen. Warten Sie bitte kurz, ich habe etwas mit Ihnen zu besprechen.“

Seufzend drehte er sich um und sah Maggie Hawthorne auf sich zukommen. Sie war die Chefin der kleinen Privatuni. Sie hatte sie über die Jahre zu einer Institution ausgebaut, die teuer war, aber auch einen sehr guten Ruf besaß.

Er war ihr dankbar, dass sie ihn eingestellt und ihm eine Chance gegeben hatte, aber sie war ihm viel zu scharfsinnig und ihre Augen schienen immer, wenn sie ihn ansahen, direkt auf den Grund seiner Seele zu blicken.

Trotz ihres Alters, sie musste um die sechzig Jahre alt sein, war sie immer modisch gekleidet und beherrschte die Kunst, sowohl bei Studenten als auch bei den Angestellten und den Mitgliedern des Stiftungsrates immer den richtigen Ton zu treffen, was sie bei allen sehr beliebt machte.

Nun war sie bei ihm angekommen und er erwiderte ihren Gruß.

„Guten Morgen Madam.“

„Lassen Sie doch diesen Quatsch wenn wir allein sind Will! Dann bin ich einfach Maggie für Sie, das wissen Sie doch!“

Bevor er etwas antworten konnte, redete sie schon weiter.
„Hat Chris schon mit Ihnen gesprochen? Sie machen doch mit oder?“

„Ich….also…..nein……ich……“
„Nun hören Sie mir mal zu.“

Obwohl sie gut einen Kopf kleiner war als er, schaute sie ihn streng an und er hatte das Gefühl nur ein ungezogenes Bürschen zu sein und kein ausgewachsener Mann von 40 Jahren.

„Ich habe Ihnen lange genug Zeit gegeben, sich hier einzuleben und akzeptiert, dass Sie kaum an irgendwelchen Aktivitäten auf dem Campus teilnehmen.
Aber nun wird es Zeit, dass sie aus Ihrem Schneckenhaus herauskommen und unter Leute gehen und unsere Musicalrevue zu Gunsten des Kinderkrankenhauses ist genau die richtige Gelegenheit, um damit anzufangen.
Ich werde Chris also mitteilen, dass Sie heute Abend – pünktlich um 20 Uhr – am ersten Treffen teilnehmen werden!“

„Aber…..“

„Nein Will, kein Aber. Ich weiß, dass Sie singen können, also versuchen Sie erst gar nicht, es zu leugnen!“

„Es ist Jahre her, dass ich gesungen habe…..“ Seine Stimme war leise und brüchig.

Maggie tätschelte ihm den Arm. „Sie werden Ihre Sache gut machen. Und wir haben eine ausgebildete Sängerin und Tänzerin als Regisseurin gefunden, die Ihnen helfen wird. Also abgemacht!“

Mit diesen Worten streckte sie ihm die Hand hin und ließ ihm keine andere Wahl als einzuschlagen und sich für etwas zu verpflichten, was er ganz und gar nicht tun wollte.
Dann hackte sie ihn unter und meinte gut gelaunt und mit einem Zwinkern in den Augen: „Wenn ich schon früh morgens von einem gutaussehenden Mann ins Büro begleitet werde, fängt der Tag gleich gut an.“

Will erwiderte nichts und seufzte nur schwer.

***

Nach dem ‚Überfall‘ auf dem Parkplatz war Will den ganzen Tag schlecht gelaunt und noch in sich gekehrter als sonst.
Zum Glück standen nur zwei Einführungsvorlesungen über Shakespeare auf dem Programm, die er einfach abspulte, ohne groß mitdenken zu müssen.
In der hereinbrechenden Dämmerung machte er noch einen kurzen Rundgang auf dem Universitätsgelände.
Spaziergänge hatte er sich angewöhnt, als er hierher gezogen war und nichts mit sich anzufangen wusste. Sie beruhigten ihn, auch wenn er dabei viel zu viel über Vergangenes nach grübelte.
Als er das Gefühl hatte, dass es Zeit wurde in den großen Saal zu gehen, der mit einem kleinen Theater ausgestattet war, machte er kehrt.
Der Weg war nicht weit, er musste nur einmal den Campus überqueren und im Gang vor dem Theatersaal stellte er fest, dass er viel zu früh war.
Er überlegte, ob er noch einmal verschwinden sollte, als ihn jemand ansprach:

„Hallo. Entschuldige Sie. Wissen Sie, ob ich hier richtig bin, ich suche den Theatersaal?“

Will drehte sich um und vor ihm stand die dunkelhaarige Frau, die heute morgen ihre Unterlagen auf den Stufen verteilt hatte. Auch der Labrador war dabei und dieser lief sofort auf Will zu und begann interessiert an seinem Hosenbein zu schnüffeln, was Will einen Schritt zurückweichen ließ. Er hatte nicht viel Erfahrung mit Haustieren

„Teddy, aus! Es tut mir so leid. Ich habe ihn noch nicht so lange und er gehorcht noch nicht wie er sollte.“

Die Frau war wirklich verlegen. Aus der Nähe betrachtet, war sie nicht Mitte 20, so wie Will das am Morgen geschätzt hatte, sondern sicher in den Dreißigern. Ihre braunen Augen strahlten und um die Augen und den Mund herum hatte sie viele Lachfältchen.

„Schon gut. Ich bin nur nicht an Haustiere gewöhnt, aber er tut ja nichts, so wie es aussieht.“

„Oh nein, Teddy würde selbst einem Handtaschenräuber, der versucht mich auszurauben noch die Füße ablecken.“

Bei dieser Vorstellung entwich ihr ein leises Lachen und auch Will musste grinsen.

„Ich habe mich gar nicht vorgestellt. Ich bin Ella Miller und wurde als Regisseurin für die Musicalrevue angeheuert.“ Sie streckte ihm ihre Hand hin und Will erwiderte ihren kräftigen, warmen Händedruck.

„William King. Ich bin hier Dozent für Literatur und wurde von Professor Hawthorne zwangsverpflichtet.“

„Oh ja, sie hat mir schon von Ihnen erzählt.“

Will zog eine Augenbraue nach oben.

„Oh, nichts Geheimnisvolles. Nur, dass Sie singen und tanzen können und vermutlich nicht besonders scharf darauf sind, bei der Revue mitzumachen.“

„Damit hat sie recht. Ich will nicht, aber ich muss wohl. Also sollten wir es anpacken.“

Will öffnete Ella Miller die Tür und sie betraten den Zuschauerraum des kleinen Theatersaals.
Der Raum war wie ein richtiges Theater ausgestattet, mit Bühne, einem roten Bühnenvorhang und passend dazu waren die Klappsitze für die Besucher mit rotem Samt bezogen. Hier würden gut 300 bis 400 Leute Platz haben und die Aussicht vor so vielen Leuten auf der Bühne zu stehen versetzte Will in leichte Panik. Miss Miller schien das zu spüren und ihr Hund. Teddy drückte sich an sein Bein und schaute zu ihm auf, so als wollte er ihn aufmuntern. Will strich ihm vorsichtig über den Kopf, was dem Hund ein behagliches Brummeln entlockte.

„Er mag Sie. Wollen wir schon einmal anfangen und überlegen, was Sie wohl singen könnten?“

Ohne auf eine Antwort zu warten, zog sie ihren Mantel aus, warf ihn auf einen der Sitze und lief zur Bühne.

„Die Frauen um mich herum sind wirklich interessiert an dem, was ich zu sagen habe.“

Wills sarkastische Bemerkung veranlasste Teddy, ihn mit der Schnauze anzustupsen, so als wollte er ihn trösten, dann lief er seinem Frauchen hinterher. Will folgte den beiden langsam.

„Was schwebt Ihnen denn vor Mr King?“
„Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, Mrs. Miller!“

„Miss Miller, aber nennen Sie mich doch Ella!“

„Gut Ella, ich bin Will…….ich habe als Schüler zum letzten Mal auf einer Bühne gestanden. Einmal habe ich bei einem Konzert mit einer Klassenkameradin „You’re the one that I want“ singen müssen.“

„Das ist gut. Ich glaube, das habe ich sogar hier.“ Sie krammte in ihrer Tasche und fand schießlich ein kleines altmodisches Diktiergerät. Sie spulte ein bisschen vor und zurück, dann sah sie Will an und sagte:

„Jetzt hab ich es. Wir probieren das gleich mal zusammen!“

Schon ertönten die ersten Töne des Liedes. Zögerlich begann Will zu singen.

„I got chills.
They’re multiplyin‘.
And I’m losin‘ control…..“

Als Ella dann mit ihrem Part begann, holte er tief Luft und versuchte sich zu entspannen.
Als sie den Refrain zusammen sangen und Ella anfing mit den Hüften zu wackeln, fing es langsam an ihm Spaß zu machen und bei der zweiten Wiederholung des Refrains tanzen sie zusammen über die Bühne. Nicht so überschwänglich wie John Travolta und Olivia Newton-John, aber immerhin.
Leicht außer Atem blieben sie stehen als die Musik verklang und aus dem Zuschauerraum ertönte Applaus.

„Hey Mr. King. Professor Hawthorne hatte Recht. Sie können ja wirklich singen und tanzen! Respekt!“

Will machte Chris, die Chefin der Universitäts-Theater-Gruppe und ungefähr 15 andere Studenten aus, die ihm und Ella Beifall gespendet hatten.

„Ja, Ihr Dozent macht sich nicht schlecht! Hallo zusammen, ich bin Ella Miller, Ihre Chefin für diese Show. Kommen Sie auf die Bühne, damit wir anfangen können.“

Die Studenten liesen sich das nicht zwei Mal sagen und der Abend verging mit angeregtem Diskutieren über das mögliche Programm der Revue, das immer wieder von gemeinsamen Singen unterbrochen wurde, wie im Flug.

Kurz vor Mitternacht hatten sie ein vorläufiges Programm zusammengestellt, einen Termin für die erste Probe ausgemacht und Will wartete auf Ella, nachdem alle Studenten bereits gegangen waren.
Sie kam lächelnd auf ihn zu als sie alle ihre Sachen eingesammelt hatte und fragte:

„Und? Wie war es wieder auf einer Bühne zu stehen?“

Will erwiderte ihr Lächeln.

„Ungewohnt. Aber ich muss zugeben, dass es Spaß gemacht hat.“

„Na, sehen Sie! Bis zur Revue wollen Sie gar nicht mehr runter von der Bühne, das verspreche ich Ihnen!“

„Oh Gott, da haben Sie sich aber einiges vorgenommen. Aber wer weiß. Teddy habe ich jedenfalls nicht beeindruckt.“

Der Hund lag leise schnarchend vor dem Ausgang und schien selig zu träumen.

„Na ja, Teddy ist auch eigentlich nur Profisänger und -tänzer gewöhnt, deshalb ist er so ein furchtbarer Snob…“

Will bemerkte einen leichten Anflug von Traurigkeit, der über Ellas Gesicht huschte. Aber bevor er nachhaken konnte, straffte sich ihr Körper, das Lächeln umspielte wieder ihre Lippen und sie klatschte in die Hände.

„Teddy, aufwachen. Wir gehen heim!“

Sie nahm den Hund, der sich langsam erhob an die Leine, drückte Wills Arm, verschwand mit einem „Gute Nacht.“ durch den Ausgang und war verschwunden, bevor Will auch nur einen Ton von sich geben konnte.
Nachdenklich schaltete er das Licht aus und schloss die Tür. Der Abend hatte ihm wirklich Spaß gemacht und insgeheim war er Maggie nun dankbar. Ella schien eine wirklich nette Frau zu sein, die zudem ausgesprochen talentiert war, was Musik und Tanz anging.
Wieso kam jemand wie sie hierher, um ein paar Hobbykünstlern bei einer Benefizaufführung zu helfen?
Er würde Maggie danach fragen. Lächelnd schlenderte er zu seinem BMW und entspannt wie noch nie fuhr er nach Hause.

***

Die nächsten neun Wochen vergingen für Will wie im Flug. Wenn er nicht gerade Vorlesungen abhielt, probte er mit der Gruppe für die Musical-Revue.
Er hatte zwar nur zwei Lieder zugeteilt bekommen, aber das Duett ‚You’re the one that I want‘ forderte ihn doch sehr, weil auch die Tanzschritte einstudiert werden mussten und er immer wieder Mühe hatte sich auf Chris, die das Lied mit ihm performte, einzulassen und einen glaubwürdig Verliebten darzustellen.

Es gab Momente, in denen in die Erinnerungen an seine verpatzten Beziehungen einholten und dann stand er wie erstarrt auf der Bühne und brauchte einige Zeit, um wieder in seine Rolle zurückzukehren.

‚On my own‘ zu performen fiel ihm dagegen sehr viel leichter. Er musste nicht tanzen und die Zeilen, die er da sang, konnte er sehr gut nachfühlen.

Aber egal wie oft er etwas verpatzte, Ella verlor nie die Geduld. Sie und Teddy waren zu einem festen Bestandteil seines Lebens auf dem Campus geworden.
Er begleitete sie öfter auf Spaziergängen zwischen Proben oder seinem Unterricht und wenn Ella Zeit hatte, kam sie auf ein Schwätzchen in seinem Büro vorbei. Sie tranken Tee, redeten über Literatur, Filme und Musik und Teddy lag auf Wills Füßen und ließ sich die Ohren kraulen.

Sie trafen sich jedoch nie außerhalb des Campus und die Gespräche wurden nie wirklich privat.

Will verdrängte den Gedanken, dass das nun bald vorbei war, als er nach Ende der Generalprobe zurück in sein Büro ging, um nach Hause zu fahren und sich umzuziehen.

***

Der große Abend der Revue stand bevor und das Theater war ausverkauft.
Die ganze Gruppe stand fertig in Kostümen in der Garderobe und Ella hielt eine kurze Ansprache.

„Wir haben hart für den heutigen Abend gearbeitet und ich weiß, dass jeder hier sein Bestes geben wird. Ich bin mir sicher, dass die Zuschauer unsre Revue mögen werden. Und jetzt atmet noch einmal tief durch und dann geht da raus und habt Spaß!“

Sie klatschte in die Hände und umarmte jeden einzelnen der Sänger und Tänzer. Will war der Letzte. Er sah sie bekümmert an.

„Ich glaube, ich schaffe das nicht!“ Mit diesen Worten ließ er sich auf einem Stuhl nieder und fuhr sich fahrig durch das kurze schwarze Haar.

Teddy kam angetrottet und legte sein Kinnn auf Wills Knie. Wie immer spürte der Hund, wenn jemand Trost brauchte.

Ella ging vor Will in die Hocke, umfasste seinen Kopf mit beiden Händen und zwang ihn sie anzusehen.

„Vor 18 Monaten hatte ich einen Autounfall. Wir kamen von einem Auftritt und wurden von einem Betrunkenen von der Straße gedrängt.
Meine beste Freundin Jess sitzt seit dem Unfall im Rollstuhl, sie war Profitänzerin und kann nie wieder gehen. Ich hatte schwere Knochenbrüche und dachte ich würde nie wieder unbeschwert singen können oder auch nur in die Nähe einer Bühne gehen, aber es gab ein paar Leute, die mich nicht aufgegeben haben und nun bin ich hier.
Ich weiß nicht, was Ihnen passiert ist, dass Sie sich so vor der Welt verschließen, aber wenn ich schaffen konnte, meine Angst zu überwinden, dann können Sie das auch!“

Entschlossen erhob sie sich und zog ihn von seinem Stuhl.

„Und nun los, sie haben die zweite Nummer!“

Sie küsste ihn sanft auf die Wange und schob ihn dann Richtung Bühne.

Will fasste sich an die Wange, wo Ellas Lippen ihn sanft berührt hatten. Sie glaubte an ihn, sie vertraute ihm, genau wie alle anderen der Truppe. Er hatte schon so viele Menschen enttäuscht und er wusste nicht, ob er es heute besser machen würde, aber er musste es wenigstens versuchen.

Entschlossen straffte er die Schultern, dann kam auch schon Chris auf ihn zu und gemeinsam warteten sie auf ihren Einsatz, bevor sie gut gelaunt über die Bühne tanzen und für das Publikum, das begeistert mitging ‚You’re the one that I want‘ sangen.

Als der erste Auftritt absolviert war, ging Will sein zweites Lied ‚On my own‘ leichter über die Lippen. Besonders die Zeilen:

„…I love her
But every day I’m learning
All my life
I’ve only been pretending
Without me
Her world would go on turning…“

bewegten ihn und die Zuschauer spendeten ihm, als er geendet hatte, begeisterten Applaus.
Mit wackligen Knien wurde er hinter der Bühne umarmt und zu dem Auftritt beglückwünscht und als das allerletzte Lied des Abends verklungen war, bemerkte er, dass er sich heimlich wünschte, der Abend wäre nicht so schnell vergangen.

„Sie waren wunderbar, Will!“

Maggie kam ihm mit ausgebreiten Armen entgegen und drückte ihn fest an sich. In der Aula der Universität gab es noch einen kleinen Umtrunk.

„Sehen Sie, so schlimm war es doch gar nicht, oder? Nun geben Sie schon zu, dass ich Recht hatte, dann können wir zum gemütlichen Teil übergehen und ich stelle Ihnen ein paar Leute vor!“

Will lachte. Er verbeugte sich vor Professor Hawthorne und erwiderte mit feierlicher Stimme:

„ Sie haben absolut Recht Madam und ich verspreche, nie wieder zu widersprechen!“

„Ha! Darauf trinken wir einen!“

Maggie schaute sich suchend um.

„Ach, da kommen ja die Getränke Will, darf ich vorstellen: Mein alter Freund Sir Harry Pearce! Sir Harry, dass ist unser Literaturdozent William King.“

Will war für einen kurzen Moment wie erstarrt. Mit allem hatte er gerechnet, nur nicht damit, seinem ehemaligen Chef gegenüberzustehen. Dem Mann, der in seinem Leben einer Vaterfigur am Nächsten gekommen war und der ihn in einem anderen Leben unter dem Namen Lucas North gekannt hatte.

Sir Harry schüttelte ihm die Hand, für einen kurzen Augenblick begegneten sich ihre Blicke und Will meinte bei seinem Gegenüber, den er seit mehr als einem Jahr nicht mehr gesehen hatte, ebenso vielfältige Gefühle zu sehen, wie sie gerade in ihm tobten. Dann war der Augenblick vorbei und Harry lotste Maggie davon.

Will brauchte frische Luft und strebte dem Ausgang zu, Vor der Aula zog er hastig die kühle Nachtluft ein und fragte sich verzweifelt:

„Ist das mein Schicksal? Immer wenn ich anfange, zu denken ich könnte mich in meinem Leben einrichten, holt mich meine Vergangenheit ein.“

Resigniert umfing sich Will mit beiden Armen. Eine ganze Weile stand er so da und dachte an Lucas, den Mann, der er einmal gewesen war und der für immer gegangen war….

* * * * * * * * * * * * * * * * *

Dieser Text ist schon im Oktober 2010 entstanden, als klar war, dass eine Hauptfigur aus der Serie ‚Spooks‘ aussteigen würde, aber noch nicht wie.
Für das Gemeinschaftsblogprojekt von Poe und mir habe ich ihn nun für das Thema ‚Mach was…mit Musical‘ recycelt, nachdem ich vor kurzem hier auch ein Prequel dazu veröffentlicht habe.
Diese Geschichte wurde von einer Figur aus einer englischen Fernsehserie inspiriert. Eine Urheberrechtsverletzung ist damit nicht beabsichtigt!
Gesamter Text © Herba für ‚Unkraut vergeht nicht…oder doch?‘
Bitte nicht ungefragt zitieren oder weiterverwenden!!!

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10 Antworten zu On my own

  1. nellindreams schreibt:

    Lucas… 😍😓
    Wunderschöne Geschichte! Danke!

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  2. Guylty schreibt:

    Schön – nur dass ich gerne wissen will, wie es jetzt weitergeht…

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  3. rina.p schreibt:

    Spannend geschrieben. Will auch wissen wie es weiter geht. 😉 LG

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  4. Herba schreibt:

    @Nell: Gerne. Als ich das geschrieben habe, gab es noch Hoffnung für den Ritt in den Sonnenuntergang 😉

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  5. Herba schreibt:

    @Guylty: Es war eigentlich immer mindestens eine Fortsetzung geplant, aber dann kam das Ende von Staffel 9 dazwischen. Mal schauen, ob ich das aus dem Kopf bekommen und weiterschreiben kann

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  6. nellindreams schreibt:

    @Herba: Staffel 9 bestand doch nur aus Bildern, oder? Stummfilm, ohne Handlung. Vielleicht sollte man sich endlich eine echte Handlung dazu ausdenken? 🤔😎

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  7. Herba schreibt:

    @Nell: Ich gehöre ja zur Minderheit der bekennenden Staffel-9-Möger, von daher sehe ich das ein wenig anders :mrgreen: Aber das ist halt definitiv nicht gut für die William-King-FanFic 😦

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  8. Guylty schreibt:

    Ignorier Staffel 9. Und schreib dir deinen eigenen Lucas 😉

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  9. suzy schreibt:

    tolle Geschichte, Danke! ❤ und weiter so!

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  10. Herba schreibt:

    @Suzy: Danke für das Lob! :*

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