München von Robert Harris

September 1938:
Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien halten kurzfristig in München eine Konferenz ab, um eine Lösung der Sudetenkrise zu finden und Krieg zwischen den europäischen Großmächten zu verhindern.
Durch die Augen von Hugh Legat, dem fiktiven Privatsekretärs des britischen Premierministers Chamberlain und dem Deutschen Paul von Hartmann, der für das Auswärtige Amt arbeitet, erfährt man, was sich vor, während und nach der Konferenz abspielte…

Der Januar scheint bei mir (unabsichtlich) zur Robert-Harris-Zeit zu werden, denn letztes Jahr habe ich etwa um die gleiche Zeit sein ‚Konklave‚ gelesen und nun war eben ‚München‚ dran – vor allem, weil wohl eine Verfilmung geplant ist und ich wissen wollte, wobei es in diesem Stoff geht.
Im Post zu ‚Konklave‘ hatte ich schon einmal von meinem leicht gespaltenen Verhältnis zu Robert Harris berichtet, war dieses Mal aber wirklich guter Dinge, weil mir ‚Konklave‘ ja wirklich gut gefallen hatte.
Harris Schreibstil ist auch hier wieder gut lesbar und auch die geschichtlichen Fakten bereitet er gut verständlich und nachvollziehbar auf.
Leider fand ich die beiden Hauptfiguren unglaublich blass und flach beschrieben und auch die anderen Figuren konnten mich nicht begeistern oder wirklich zum Mitfiebern animieren.
Und wer zum Kuckuck hat diesem historischen Roman eigentlich den Stempel ‚(Polit)Thriller‘ verpaßt???
Anders als bei ‚Konklave‘ schafft es Harris für mich hier nämlich leider zu keinem Zeitpunkt wirkliche Spannung zu erzeugen.
Selbst als es darum geht, ob jemand eventuell mit etwas erwischt wird, was er nicht haben dürfte, hat sich mein Puls beim Lesen für keine Sekunde erhöht und das Ergebnis der beschriebenen Szene habe ich eher gleichgültig zur Kenntnis genommen.
Was ich ohne die so geweckte Erwartungshaltung als durchschnittlichen historischen Roman eingeordnet hätte, hat mir gehörig die Leselaune verhagelt und freue mich nun eher ironisch auf die Verfilmung.
Wenn da nicht jemand den Zauberstab ansetzt, wird das für mich nämlich genauso ein Schnarchfest wie ‚Dame, König, As, Spion‚, den ich optisch ganz wunderbar fand und so gerne mögen wollte….
Für Fans von Robert Harris ist ‚München‘ sicher ein lohnenswertes Buch, aber mich hat es einfach nur daran erinnert, wieso ich zu diesem Autor so ein gespaltenes Verhältnis habe – schade!

Die Homepage des Autors
Robert Harris bei RandomHouse

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19 Antworten zu München von Robert Harris

  1. Guylty schreibt:

    Irgendwo hatte ich schon mal einen Kurzkommentar zu ‚Munich‘ von Harris für dich hinterlassen, glaube ich. Jedenfalls erkenne ich in deiner Rezension auch meinen Eindruck wieder, dass das Buch ein wenig schläfrig und ohne Höhepunkt war. Richtig spannend wurde es nie, es plätscherte so dahin. Schade drum, denn ich lese Harris immer sehr gerne. Und ob das Ganze nun wirklich genug Stoff für einen Film abgibt, wage ich auch zu bezweifeln…

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  2. Servetus schreibt:

    I didn’t like Fatherland and haven’t read anything since then. So no great loss for me if Armitage gives the BBC production a miss.

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  3. Herba schreibt:

    @Guylty: Ich weiß zumindest noch, daß Du es auch gelesen hast, also müssen wir definitiv schonmal drüber gesprochen haben 🙂
    Ja, ich fand es auch sehr schade, denn gerade nach Konklave hatte ich mehr erwartet!
    Hoffentlich casten sie für die filmische Umsetzung niemanden, den ich gerne sehe, dann schenke ich mir das nämlich lieber gleich 😎

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  4. Herba schreibt:

    @Serv: I never read Fatherland nor do I plan to. Yes, hopefully RA won’t film this although I would like to see him doing something for the BBC

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  5. Guylty schreibt:

    Jou. Ich glaube, es könnte auf IG gewesen sein?!
    Muss überhaupt mal nachgucken, was die mit dem Film vorhaben.

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  6. Herba schreibt:

    @Guylty: Ja, oder Twitter….irgendwo da 🙂
    Ich habe beim Googeln eben auf Anhieb nichts gefunden, nichtmal die Originalankündigung – merkwürdig

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  7. Guylty schreibt:

    Vielleicht haben sie selber gemerkt, dass der Stoff nichts hergibt…

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  8. Herba schreibt:

    @Guylty: ….und den Mantel des Vergessens darüber gebreitet? Klingt nach einem guten Plan :mrgreen:

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  9. Guylty schreibt:

    *kicher* das wäre nicht mal der schlechteste Schachzug.

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  10. Herba schreibt:

    @Guylty: …und mir auf jeden Fall lieber, als irgendwer Tolles im Cast, der mich (gefühlt) dazu nötigt das anzukucken und dabei zu riskieren in ein Schnarchkoma zu verfallen 😉

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  11. Guylty schreibt:

    Genau auf solche Tricks fallen wir ja in anderen Kontexten immer wieder rein. Mannmannmann, ich bin immer noch nicht durch dieses unsägliche Audiobook durch… Bin ich eigentlich blöd, dass ich mir das antue? Ehrliche Antwort: Ja.

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  12. Herba schreibt:

    @Guylty: Ja, das ist manchmal schon echt ganz schön fies *seufz*
    Durch mit der Wanderlust?

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  13. Guylty schreibt:

    Immer noch nicht. Das ziiiiiiiieht sich… obwohl ich gestern in Kapitel 14 mal mehrfach lachen musste. War natürlich ein von Armitage gelesenes Kapitel.

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  14. Herba schreibt:

    @Guylty: Mit Kapitel 14 bist Du weiter als ich….gut zu wissen, daß es zwischendurch auch mal was zu Lachen gibt!

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  15. Guylty schreibt:

    Naja, das war eines der *hust* anzüglicheren Kapitel… Vielleicht fand ich es ja auch nur unfreiwillig komisch…

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  16. Herba schreibt:

    @Guylty: Das macht nichts, lachen ist auf jeden Fall gesund 🙂

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  17. seestern12 schreibt:

    Ich lese gerade „München“. Die Frage wer dem
    Buch „Politthriller“ vergeben hat, habe ich mich auch schon gefragt. Knapp 180 Seiten passiert überhaupt nichts und ich war geneigt, dass Buch abzubrechen. Nun bin ich auf Seite 268 und werde die restlichen 160 Seiten auch noch lesen.

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  18. Herba schreibt:

    Hallo Seestern und danke für Deinen Kommentar!
    Schlimm oder?! Da verstehe ich die Verlage wirklich nicht. Wieso verärgert man Leser, indem man falsche Erwartungen weckt, statt ein Buch als das zu bewerben was es ist? (Im Fall von München ein solider, historischer Roman)

    Gefällt 1 Person

  19. seestern12 schreibt:

    Da kann ich dir nur zustimmen. Es liest sich zwar flott aber es ist hält nicht das, mit dem es beworben wird.
    Liebe Grüße,
    Petra

    Gefällt 1 Person

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