Der junge Inspektor Morse, Staffel 1

Oxford, Ende der Sechziger Jahre:
Endeavour Morse (Shaun Evans) ist ein intelligenter, junger Mann, der nachdem er sein Studium in Oxford abgebrochen hat, zur Armee ging und nun bei der Polizei arbeitet.
Nach nur zwei Jahren in Uniform, ist Morse mittlerweile ein desillusionierter Constable, der kündigen möchte.
Doch bevor er sein Kündigungsschreiben abgeben kann, wird er nach Oxford zur City Police abgeordnet, um mit anderen Kollegen im Vermisstenfall eines fünfzehnjährigen Mädchens zu helfen.
Durch seinen wachen Verstand macht er Detecitve Inspector Fred Thursday (Roger Allam) auf sich aufmerksam, der Morse unter seine Fittiche nimmt und ihm eine feste Stelle in Oxford anbietet…

Als die ersten Folgen von ‚Der junge Inspektor Morse‚ unter dem Originaltitel ‚Endeavour‘ 2012 im britischen Fernsehen gezeigt wurde, habe ich das zwar mitbekommen, aber damals vollkommen ignoriert, weil man als Serienjunkie nicht immer alles anschauen kann und weil ich außerdem die Ursprungsserie, zu der diese neue Serie ein Prequel bildet, nie gesehen habe.
Trotzdem ist mir der Name Morse natürlich bekannt, weil er im von mir sehr geschätzten Oxford-Krimi ‚Lewis‚ als geschätzter ehemaliger Vorgesetzter immer mal wieder erwähnt wird.

Fünf Jahre später bin ich nun durch Zufall an einem Sonntagnachmittag bei ZDFneo hängengeblieben, als eine Folge der Serie über den Bildschirm flimmerte und war gefesselt.
Leider habe ich es nicht jeden Sonntag geschafft, Morse bei seinen Ermittlungen zuzuschauen und daher sind nun die DVDs der ersten Staffel bei mir eingezogen und über die Weihnachtsfeiertage habe ich versucht zu ergründen, wieso diese Serie mich so fesselt.

Morse ist sehr intelligent, zwischenmenschlich eher unterentwickelt und wie ein Dobermann, wenn er einmal eine Spur aufgenommen und sich in einem Fall verbissen hat, was ihn aus der Fülle der Fernsehermittler nicht gerade hervorstechen läßt.
Auch zum Fangirlen ist Morse eher ungeeignet, weil er mehr meinen mütterlichen Beschützerinstinkt weckt. Und trotzdem fiebere ich bei jeder Folge (auch bei der Zweitsichtung) mit.
Das liegt sicher zum Einen an der Sympathie, die Morse und auch sein Vorgesetzter Thursday bei mir wecken und zum Anderen an den spannenden Fällen und der Zeit, in der sie inszeniert sind.

Statt die Sechzigerjahre zu romantisieren haben die Macher ein ziemlich schonungsloses Bild der heilen Nachkriegswelt gezeichnet.
Bestechung von Polizisten in an der Tagesordnung, genau wie die Einflussnahme von Politik und Universitätskreisen sobald eine Ermittlung in eine Richtung geht, die unerwünscht ist.
Gesellschaftliche Konformität ist wichtiger als alles andere und so wird Morse von DI Thursday auch immer wieder bescheinigt, daß er ein guter Detective, aber kein guter Polizist ist, eben weil er sich nicht an Befehle oder Hierarchie hält.
Dabei hält es Thursday selbst für vollkommen vertretbar, Zeugen, Informanten oder Verdächtige zusammenzuschlagen, wenn er anders nicht mehr weiterkommt.
Auch der Mief der alterwürdigen Universität und das damalige Frauenbild wird immer wieder in den verschiedenen Facetten dargestellt und wenn eine Fabrikarbeiterin gesagt bekommt, daß die Kollegen, die ihr an den Hintern fassen, es ja nicht böse meinen und sie keinen Ärger machen soll, frage ich mich als Zuschauer unweigerlich, ob wir in manchen Belangen wirklich so viel weiter sind als damals.
Dabei habe ich aber nie das Gefühl, daß mir das Alles mit erhobenem Zeigefinger oder extrem wertend präsentiert wird und auch das macht sicher den Reiz der Serie aus.

Und eine große Stärke ist natürlich auch das darstellerische Können von Shaun Evans, Roger Allam und Anton Lesser, die ihre jeweiligen Figuren mit so viel Emotionen und Graustufen spielen, daß das Zuschauen eine wahre Freude ist.
Abgerundet wird das Ganze mit starken Gaststars wie Patrick Malahide, Olivia Grant und Jamie Glover und Oxford, das als Kulisse so wunderbar eingesetzt und in Szene gesetzt wird.
An die Opernmusik als wiederkehrendes Motiv, das mir stellenweise etwas zu laut in den Ohren klang, habe ich mich übrigens mittlerweile auch gewöhnt und finde, daß es zu Morse einfach dazugehört.
All das macht diese Serie für mich absolut sehenswert und ich kann sie wirklich guten Gewissens weiterempfehlen – vor allem all jenen, die britische Krimis und/oder Oxford mögen!!!

In der ersten Staffel löst der junge Inspektor unter anderem den Vermisstenfall eines jungen Mädchens, eine Mordserie nach Opernmotiven, einen Mord an einem Arzt und eines Fabrikarbeiters und ein Fall von Fahrerflucht mit Todesfolge.

Die Serie beim ZDF
Die Serie bei ITV
Die Serie im deutschen Fernsehen – Termine

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7 Antworten zu Der junge Inspektor Morse, Staffel 1

  1. CraMERRY schreibt:

    Wie schön, dass es Endeavour auf deinen Blog geschafft hat. Du hast recht, die Stimmung der 60iger ist extrem gut eingefangen und Oxford als Kulisse eine Augenweide. Das letzte Mal, dass mich ein Gesamteindruck so gepackt hat, war bei Sherlock der Fall. Auch bei Endeavour ist alles richtig stimmig und rund gelungen. Besprichst du die beiden nächsten Staffeln auch noch? 😉

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  2. Servetus schreibt:

    might check this out — it looks like season 4 starts on PBS here on Sunday.

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  3. Herba schreibt:

    @CraMERRY: Nachdem der Gute mich so umfassend überzeugt hatte, war das quasi Ehrensache 🙂
    Die zweite Staffel liegt schon hier, dazu kommt ein Blogpost vermutlich nächste Woche. Die dritte und vierte Staffel erscheint erst im Märt bzw Juni/Juli auf DVD, daher werden die Posts dazu noch etwas auf sich warten lassen, aber ganz sicher auch irgendwann hier auftauchen.

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  4. Herba schreibt:

    @Serv: For me it’s good entertainment and worth watching, so yes check it out!

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