Der Stern von Indien (Originalversion)

Indien, 1947:
Lord Louis Mountbatten (Hugh Bonneville) wurde gerade zum neuen Generalgouverneur von Indien ernannt und kommt mit seiner Frau Lady Edwina (Gillian Anderson) und seiner erwachsenen Tochter Pamela (Lily Travers) in Dehli an.
Als letzter Generalgouverneur hat Mountbatten die schwierige Aufgabe, die britische Kolonie Indien in die Unabhängigkeit zu entlassen.
Der Ausbruch von offene Gewalt zwischen Hindus, Sikhs und Moslems macht eine schnelle Lösung immer dringlicher, doch diese Aufgabe scheint komplett unlösbar zu sein…

Der Stern von Indien‚ (im Original ‚Viceroy’s House‘ – wer denkt sich nur immer diese bescheuerten dt. Filmtitel aus?) gehört zu den Filmen, die ich noch im Sommer im Kino gesehen habe und die ich nun blogtechnisch unter dem Motto ‚Was lange währt, wird endlich gut‘ nach und nach abarbeite.

Obowhl ich das Thema Indien als britische Kolonie sehr spannend finde, weiß ich relativ wenig darüber und wäre nicht unbedingt auf die Idee gekommen mir den Film direkt im Kino anzuschauen.
Aber da wir uns an einem netten Tag im August einen Kinobesuch vorgenommen hatten und kein anderer Film, der gerade lief, für die Leute, die mitkommen wollten allgemein kompatibel war, wurde es eben ‚Der Stern von Indien‘.

Erst im Abspann wird klar, daß die britisch-indische Koproduktion vom Leben der Vorfahren der Regisseurin Gurinder Chadha inspiriert wurde, die auch das Drehbuch zum Film schrieb.
Der eigenen Vergangenheit so ein Denkmal zu setzten, fand ich sehr schön und ich denke Chadhas Großmutter hätte sich über die Geste ihrer Enkeltochter sehr gefreut.

Die Geschichte an sich beginnt ohne große Einführung mit der Ankunft der Mountbattens in Indien. Trotzdem fand ich die Vorgänge gut verständlich, auch wenn man sich in britischer beziehungsweise indischer Geschichte nicht wirklich gut auskennt.
Beeindruckend wie immer bei Produktionen an der die BBC beteiligt ist, ist die Ausstattung des Films, die sehr authentisch wirkt, egal ob es um Kostüme, Autos oder Einrichtungsgegenstände geht.

Hugh Bonneville sieht dem echten Lord kein bißchen ähnlich – vor allem fehlt ihm die typische Adlernase der Battenbergs – und ich kann leider nicht beurteilen, ob er sein Wesen gut einfangen konnte, aber an sich fand ich ihn schon überzeugend, gerade am Ende, wenn ihm klar wird, daß er seinen Namen für etwas hergegeben hat, das so viel Leid über Millionen von Menschen gebracht hat.
Ganz wunderbar fand ich Gillian Anderson als Lady Edwina, die tut was sie kann, um den Menschen zu helfen, die keine Probleme damit hat, laut zu sagen, was sie denkt und die trotzdem ihrem Mann beisteht!
Auch ganz wunderbar spielten für mich Manish Dayal als Hindu Jeet und Huma Qureshi als Muslima Aalia, an deren Liebesgeschichte das ganze Elend des Konflikts sichtbar gemacht wird.
Beide fühlen sich als Inder, gehören aber nicht der gleichen Religionsgruppe an und werden durch die Umstände gezwungen, eine Wahl zu treffen, die sie eigentlich weder treffen wollen, noch können.
Durch die Trennung von Pakistan und Indien flüchteten übrigens circa 14 Millionen Menschen aus ihrer Heimat ins jeweils andere Land und circa 1 Million Menschen kam bei dem Konflikt ums Leben.

Wie absurd die Teilung von Indien ist, wird noch einmal besonders gut an der Auflösung des Hausstandes des Viceroys sichtbar. Alles wird genau aufgeteilt, egal ob es um Geschirr oder Bücher geht und dabei wird der gesunde Menschenverstand komplett ausgeschaltet.
Wenn Pakistan Jane Austen bekommt, muss Indien die Brontes behalten dürfen und Nachschlagewerke werden auch gerecht nach dem Verteilungsschlüssel aufgeteilt, A bis F nach Pakistan, der Rest nach Indien.
In meiner Verwandtschaft gibt es ein Teeservice, das so geteilt wurde und ich kann euch versichern, daß sowas wirklich kompletter Schwachsinn ist! Aber es zeigt eben auch, daß wirklich niemand davor gefeit ist, den Verstand über Bord zu schmeißen und plötzlich den Nachbarn, Kollegen, Freund zu hassen, mit dem man Jahrzehnte lang friedlich und freundlich zusammen gelebt hat.
Vielleicht ist das eine der Tragödien, die wir Menschen nie überwinden können…

Historisch gibt es übrigens wohl nicht wirklich viele Beweise dafür, daß die neu gezogene Grenze zwischen Indien und Pakistan durch eine Verschwörung der britischen Regierung zustande kam, wie der Film das darstellt, aber ob wahr oder nicht, schlüssig inszeniert wurde es.
Insgesamt war ‚Der Stern von Indien‘ für mich ein kurzweiliger Film, der sicher nicht preisverdächtig ist, mich aber dazu gebracht hat, mich mit dem Thema etwas näher zu beschäftigen, der mich berührt und der mich in Teilen gedanklich sehr beschäftigt hat.

Ein englischer Trailer

Ein deutscher Trailer

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