Willkommen bei den Friedlaenders!: Meine Familie, ein Flüchtling und kein Plan von Adrienne Friedlaender

Im Herbst/Winter 2015 sitzt die alleinerziehende Mutter und Journalistin Adrienne Friedlaender wie viele andere Deutsche mit ihren Kindern vor dem Fernseher, sieht die Berichte über die großen Flüchtlingsströme und ist bestürzt.
Doch erst als ihr jüngster Sohn fragt, wieso niemand in Deutschland Flüchtlinge aufnimmt, wird sie aktiv.
Ohne große Vorbereitung trifft sie durch die Vermittlung einer Freundin, die in einer Flüchtlingsunterkunft arbeitet, den 22-jährigen Syrer Moaaz, der nach einer Stunde mit im Auto sitzt und nun für die nächsten sieben Monate bei den Friedlaenders wohnt.
Schnapsidee oder eine wichtige Spontanaktion?

Normalerweise zögere ich wenig bis gar nicht, bevor ich ein Buch lese. Bei ‚Willkommen bei den Friedlaenders!‚ war das anders und zwar wegen dem Beruf der Autorin.
Wollte da wirklich jemand helfen und die Idee zum Buch entstand dann später durch Zufall oder hat sich da jemand einen Flüchtling ins Haus geholt, damit man drüber schreiben und irgendwie Geld damit verdienen kann?
Vielleicht sind die Gedanken etwas zynisch, aber sie kreisten mir einige Zeit durch den Kopf, bevor ich im Zweifel für den ‚Angeklagten‘ entschied und das Buch las, um mir eine eigene Meinung zu bilden.
Gelungen ist mir das nicht wirklich, aber letztendlich spielte es am Ende dann auch keine große Rolle mehr, denn ich nehme Adrienne Friedlaender ab, daß sie sich wirklich um Moaaz gekümmert hat, er ihr ans Herz gewachsen ist und eine Art Freundschaft entstand, die immer noch Bestand hat.
Der Schreibstil der Autorin ist leicht, humorvoll und manchmal auch ein wenig flapsig, was ich trotz des ernsten Themas in diesem Fall stimmig fand, denn vor allem zeigte mir das, daß sich die Autorin selbst nicht so ernst nimmt und trotz der ein oder anderen nervigen Situation nie die Flinte ins Korn geworfen hat.
Sie räumt mit einigen Vorurteilen und Falscheinschätzungen auf, die sie teilweise selber hatte, wirbt für Toleranz und ein Miteinander mit Herz und durch ihre Augen erfährt man auch ein wenig mehr über Moaaz Heimat Syrien.
Ich hatte nie das Gefühl, daß da mit erhobenem Zeigefinger gepredigt wird, stattdessen wird einfach von den eigenen Erlebnissen erzählt.
Vor allem der Appell der Autorin bitte nicht zu vergessen, was die Flüchtlinge teilweise hinter sich haben und wie anstrengend Integration in eine ganz fremde Kultur sein kann, fand ich extrem wichtig!
Gefehlt hat mir eigentlich nur am Ende ein oder zwei Sätze dazu, wie es mit Moaaz weitergeht – leider habe ich dazu auch im Netz nichts gefunden.
Insgesamt mochte ich ‚Willkommen bei den Friedlaenders!‘ sehr gerne und ich glaube, daß die humorvolle und manchmal schnodderige Art zu erzählen, in manchen Kreisen durchaus der richtige Weg sein kann, um dafür zu werben, die eigene Einstellung zu Flüchtlingen zu überdenken.

Die Autorin bei RandomHouse
Adrienne Friedlaender zu Besuch bei der NDR Talk Show (Video)
Ein Radio-Interview mit Adrienne Friedlaender

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5 Antworten zu Willkommen bei den Friedlaenders!: Meine Familie, ein Flüchtling und kein Plan von Adrienne Friedlaender

  1. Servetus schreibt:

    I often wonder that too (are they only doing this for effect?), but in the end as you say, they did help the guy out.

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  2. Herba schreibt:

    @Serv: Typical egg-chicken question I guess

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  3. Servetus schreibt:

    Anthropologists worry about this type of thing, but journalists less so. Although they also usually have to take ethics classes if they’re educated correctly.

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  4. Pingback: Drei Syrer an meinem Esstisch: Eine Reporterin kämpft für die Integration von Flüchtlingen von Kerstin Platsch | Unkraut vergeht nicht….oder doch?

  5. Herba schreibt:

    @Serv: Well, let’s hope they do it with good intentions!

    Gefällt 1 Person

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