Frankfurt, 1977 von Alois Kraus

Nach dem Suizid seines Vaters erreicht Peter ein Brief.
Darin beichtet sein Vater, daß Peter, der 1945 geboren wurde, zwar sein Sohn, aber nicht der Sohn seiner Ehefrau, die Peter bisher für seine Mutter hielt, ist.
Peters Mutter sei Jüdin gewesen und kurz nach seiner Geburt gestorben.
Tief schockiert beginnt der gelernte Journalist Peter zu recherchieren und begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit seiner Familie…

Ich bin durch einen Artikel in meiner lokalen Tageszeitung auf ‚Frankfurt, 1977‚ aufmerksam geworden und der Artikel hat mich neugierig genug gemacht, um das Buch über die Bibliothek meines Vertrauens auszuleihen.
Der Schreibstil des Autors ist gut lesbar und man merkt ihm an, daß er sich gut in Frankfurt auskennt. Diese Ortskenntnis setzt er stimmungsvoll in Szene und auch die Szenen, die in Berlin spielen, klangen für mich recht überzeugend.
Auch mit der Nazizeit, die sein Buch behandelt, hat sich Kraus auseinandergesetzt und so werden dem Leser immer wieder Hintergrund- oder Zusatzinformationen in die Handlung eingestreut, die für das Verständnis der Geschichte zwar nicht unbedingt nötig, aber doch interessant sind.
Der deutsche Herbst, in dem der Protagonist Peter lebt und der ja auch durch den Buchtitel irgendwie angedeutet wird, kommt übrigens nur sehr am Rande vor und das bringt mich zu meinen Kritikpunkten am Erstlingswerk von Alois Kraus.
Die Idee des Buchs ist auf jeden Fall interessant, aber mit der Umsetzung konnte ich mich nicht wirklich anfreunden.
Dabei waren die zwei verschiedenen Zeitebenen (1977 und Deutschland im 2. Weltkrieg) kein Problem.
Was mich gestört hat, ist, daß ich bis zum Schluss nicht herausfinden konnte, worauf der Autor eigentlich hinaus wollte.
In der Kriegszeitebene ist dabei der rote Faden der Geschichte noch eher zu erkennen, als 1977. Peter recherchiert, wird dann (unnötigerweise?) in einen Mordfall verwickelt und dann taucht plötzlich auch noch eine weitere Figur auf, die ebenfalls jüdischer Abstammung ist und von fremden Eltern großgezogen wurde.
Diese Parallelen werden für mich aber nicht stimmig zusammengefügt, sondern verlaufen dann einfach zum Ende der Handlung.
Kraus Figuren bleiben eher eindimensional und selbst mit Peter bin ich nicht so ganz warm geworden.
Und das Ende des Buchs, das es versäumt Licht ins Dunkel der verschiedenen Beweggründe zu bringen, hat mich dann wirklich enttäuscht.
Insgesamt war ‚Frankfurt, 1977‘ für mich ein Leseerlebnis, das mich eher verwirrt als erleuchtet zurückgelassen hat.
Ob das mit dem ersten Ende, daß Kraus auf Anraten seines Verlegers geändert hat, anders gewesen wäre?

Alois Kraus beim Verlag S.MO

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