Obsession (National Theatre London live)

Am vergangenen Donnerstag war mal wieder Theater live im Kino angesagt. Dieses Mal wurde ‚Obsession‚ nach einem Film von Luchino Visconti gezeigt und darum geht es:



Gino (Jude Law) ist ein Tagelöhner, der auf der Suche nach Arbeit durchs Land zieht. In einem Gasthaus lernt er Giuseppe (Gijs Scholten van Aschat) und dessen junge Frau Giovanna (Halina Reijn) kennen und fühl sich magisch zu ihr hingezogen, was auf Gegenseitigkeit beruht.
Die Beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre, die im gemeinschaftlichen Mord an Giuseppe gipfelt. Doch statt das Paar zusammenzuschweißen, treibt die Bluttat Gino und Giovanna nur auseinander….

Nachdem ich von ‚A view from the bridge‚, das Ivo van Hove vor zwei Jahren in London inszenierte, sehr begeistert war, war ich auf seine neueste Produktion, die von NTlive gezeigt wurde, sehr gespannt, hatte allerdings im Vorfeld mitbekommen, daß Kritiker und Zuschauer eher lauwarm reagierten.
Daher waren meine Erwartungen sehr niedrig und ich verkündete bei Twitter, daß ich imemrhin noch Jude Law anschmachten könnte, wenn das Stück sich als Totalausfall entpuppen sollte.

Diese Erkenntnis war für mich insofern etwas überraschend, als ich die Anziehung, die Law auf manche Menschen hat, nie ganz nachvollziehen konnte.
Allerdings änderte sich das vor ein paar Monaten, als ich ihn in ‚The young pope‚ gesehen habe und er mich als Papst aus den Socken gehauen hat.
Seitdem kann ich Fans von ihm zumindest ein klein wenig verstehen und es ist kein Wunder, daß ihn van Hove als Gino gecasted hat.

Bevor das Stück anfing, wurde ein kurzes Video von den Proben gezeigt, das mit kurzen Interviewschnipseln der Verantwortlichen angereichert war.
Leider weckte dieses Video Erwartungen, die das Stück dann nicht halten konnte, weil es auf der Bühne weit weniger leidenschaftlich zuging, als noch im Probenraum.

Jude Law kann hier seinen spitzbübischen Charme samt Dackelblick hervorragend einsetzten und durch seinen durchtrainierten Körper, der etwas kräftiger wirkt, als man den schlanken Law sonst kennt, bringt er eine Körperlichkeit auf die Bühne, die auch sehr gut zu Gino passt.
Für mich ist er daher auch überzeugend in der Rolle und ich verzeihe ihm großzügig die scheußlichen Boxershorts, die er in einer Szene spazieren trägt.

Gar nicht warm geworden bin ich leider mit Halina Reijn, die als Giovanna einfach nicht glaubhaft bei mir ankam, vielleicht auch, weil ich ihre Mimik als furchtbar statisch empfand.
Der restliche Cast ist klein, eher unauffällig und für das Stück fast nebensächlich, bis auf Gijs Scholten van Aschat, der Giovanni spielt.
Und die Rolle von Robert de Hoog habe ich ehrlich gesagt gar nicht verstanden. Sollte der (schwule?) Wanderer Ginos möglicher Ausweg aus einer vertrackten Situation darstellen? Falls ja, war das für mich ein weiterer Punkt, der mich nicht überzeugen konnte.

Zwischendurch wurde auch mal gesungen, was ich eher unnötig und tendenziell nervig fand, vor allem als Reijn dazu auch noch zuckend über die Bühne rannte/tanzte.
Die Bühne des Barbican ist relativ groß und die Kulisse eher spärlich, sodas die Schauspieler manchmal etwas verloren auf mich wirkten, aber grundsätzlich paßte das Bühnenbild für mich schon zu der erzählten Geschichte.

Da ich die Filmvorlage nicht kenne, kann ich nicht beurteilen, wie gut diese ist, aber als Theaterstück hat der Stoff für mich zu wenig Substanz und funktioniert durch die eher flachen Dialoge nicht gut. Da hilft auch die leicht bekleidete Wascheinlage der beiden Hauptdarsteller nicht drüber hinweg.
Daher war ‚Obsession‘ für mich eines der schwächeren Stücke im NTlive-Programm, das sich mehr doer weniger nur wegen Jude Law gelohnt hat, auch wenn die Zeit trotzdem schnell verging und ich micht beim Anschauen nicht gelangweilt habe.
Und ich habe den entgültigen Beweis dafür gesehen, daß es sich einfach nicht lohnt, sich auf einen Typ draufzusetzten; vor allem wenn er leblos unten liegt, während sie sich abmüht. (kleiner Insiderwitz)

‚Obsession‘ im Barbican
Die Seite zm Stück bei NTlive

Der Trailer zur Übertragung:

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7 Antworten zu Obsession (National Theatre London live)

  1. theatergeist schreibt:

    Tatsächlich hatte ich auch schon die „wenigstens ist Jude Law hot“-Messlatte angelegt. Wenn ich das hier so lese bin ich direkt gleich weniger traurig das Stück verpasst zu haben.

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  2. Herba schreibt:

    @Theatergeist: Wegen ihn hat es sich auch durchaus gelohnt, aber ich war doch ein wenig enttäuscht wie flach die Dialoge waren und wie unglaubwürdig die Hauptdarstellerin bei mir ankam, von daher: Wirklich nicht traurig sein!

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  3. linnetmoss schreibt:

    I’d love to see Law on the stage and observe the „physicality“ you mention. I always thought he was breathtakingly good looking but in a somewhat cold, classical way, so casting him in a „crime of passion“ story is an interesting choice. The plot sounds like some old Hollywood movies, such as „Double Indemnity“ with Barbara Stanwyck.

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  4. theatergeist schreibt:

    Sehr gut! Ich habe das Ganze eh wieder wett gemacht. Gestern mit „Who’s afraid of Virginia Wolf“. Zwar an einigen Stellen langweilig, aber eine durchaus überzeugende Vorstellung.

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  5. Herba schreibt:

    @linnetmoss: Yes he is, but if he warms up he can be very passionate 🙂

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  6. Herba schreibt:

    @theatergeist: Das hab ich auch gesehen und für gut befunden!

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  7. suzy schreibt:

    Habs verpasst, keine Zeit – bin jetzt nicht mehr ganz so traurig 🙂

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