Rosencrantz and Guildenstern Are Dead (National Theatre London live)

Nachdem ich für meinen Blogpost zur NTlive-Übertragung Anfang des Jahres so ewig gebraucht hatte, hatte ich mir vorgenommen, wieder etwas zeitnäher darüber zu berichten und so sind seit der Vorstellung dieses Mal nur knapp 14 Tage vergangen, seit ich im Kino meines Vertrauens ‚Rosencrantz and Guildenstern Are Dead‚ von Tom Stoppard aus dem Old Vic gesehen habe.

Vor dem Stück gab es erstmal einen Videobeitrag, der die Zuschauer hinter die Kulissen des Theaters führte, was ich total interessant fand – nicht nur, aber auch, weil das Old Vic das Theater in London ist, in dem ich bis jetzt die meisten Stücke gesehen habe.
Zu Wort kamen neben Schauspielern wie Rhys Ifans, auch der aktuelle artistic director Matthew Warchus und einige Mitarbeiter zu Wort.
Außerdem gab es einige kurze Ausschnitte aus Stücken, die dort aufgeführt wurden und man sah den beiden Hauptdarstellern von ‚Rosencrantz and Guildenstern…‘ über die Schulter, als sie durch ein oder zwei Garderoben, den Probenraum und das Box Office wandelten.

Dann ging es aber direkt los mit dem Stück und darum geht es:
Rosencrantz (Daniel Radcliffe) und Guildenstern (Joshua McGuire), die beiden Jugendfreunde des dänischen Prinzen Hamlet (Luke Mullins), die man aus Shakespeares gleichnamigen Theaterstück als Nebenfiguren kennt, befinden sich auf einer Reise, ohne sich erinnern zu können, wieso und wohin sie eigentlich unterwegs sind.
Das bringt die Beiden dazu, sich fast schon philosophisch mit Fragen wie ‚Wieso bin ich hier? und ‚Wieso tue ich, was ich tue?‘ auseinanderzusetzten.
Als ihnen einen Schauspiletruppe über den Weg läuft, fällt ihnen plötzlich wieder ein, daß sie auf dem Weg nach Elsinore sind, um den König (Wil Johnson) zu treffen und einen Auftrag für ihn auszuführen…

Wenn ich ganz ehrlich bin, ist Shakespeare ja nach wie vor nicht mein Lieblingsstückeschreiber und da sich ‚Rosencrantz and Guildenstern Are Dead‘ ganz stark von ihm inspiriert wurde, hätte ich mir das Stück nicht unbedingt angeschaut, wenn ich nicht neugierig auf Daniel Radcliffe als Rosencrantz gewesen wäre.
Zunächst finde ich die Idee ein Stück zu schreiben, das hinter die Kulissen eines anderen Stückes schaut, total interessant, doch konnte ich mit dieser speziellen Umsetzung um ehrlich zu sein, nicht ganz so viel anfangen.
Das liegt allerdings weder an Radcliffe, noch an seinem Gegenpart McGuire.
Beide agieren launig und gut aufeinander eingespielt, wobei McGuire den quirligeren Part erwischt hat und Radcliffe eher ruhig agiert.
Und ihre Dialoge beziehungsweise Monologe sorgen immer wieder für Lacher, auch wenn ich als Nicht-Muttersprachler sicher nicht jeden englischen Wortwitz mitbekommen habe.
David Haig als Chef der Theatertruppe fand ich gut, aber gerade am Anfang auch etwas überzeichnet und Luke Mullins als Hamlet hat mir gar nicht gefallen, weil er sehr zerfahren wirkte und mich seine Aufmachung an einen Filmvampir aus den Neunzigern erinnerte.
Mein darstellerisches Highlight des Castes war ganz klar Matthew Durkan als Schauspieler Alfred, der selbst in Frauenkleidung eine großartige Figur machte! Von ihm würde ich in Zukunft gern mehr sehen!!!
Ansonsten ist mir leider niemand im Gedächtnis geblieben, nichtmal die Darsteller von Ophelia, Gertrud oder Claudius, die allerdings hier auch alle nur kleine Rollen spielen.
Und ich muss sagen ich war unheimlich froh darüber, daß Stoppard mehr oder weniger ganz auf die Sprache Shakespeares verzichtet hat.
Die Kulisse für diese Inszenierung ist sparsam, erschien mir aber passend und vor allem die nahezu leere Bühne, die unheimlich groß wirkte, fand ich sehr wirkungsvoll für die beiden verloren wirkenden Jungs.
Bei einem Kameraschwenk am Ende habe ich übrigens Ben Batt im Publikum entdeckt, der demnächst in Woyzeck im Old Vic auftreten wird.
Insgesamt war ‚Rosencrantz and Guildenstern Are Dead‘ eine interessante und teilweise auch lustige Erfahrung, aber die Philosophie dahinter hat mich leider nicht richtig packen können und gefühlsmäßig müßte ich es mir nicht noch einmal anschauen.

Die Seite zm Stück bei NTlive

Der Trailer zur Übertragung:

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13 Antworten zu Rosencrantz and Guildenstern Are Dead (National Theatre London live)

  1. theatergeist schreibt:

    Ich finde es spannend, wie unterschiedlich wir beide Joashua McGuires Charakter empfunden haben. Zwar habe ich seinen Part auch als den textlastigeren gesehen, aber „quirlig“ war trotzdem irgendwie Radcliffe für mich. Vielleicht auch, weil er der tumbere der Beiden war, während McGuires Textanteil für mein empfinden Tiefgründiger war. Schade, dass du nicht direkt den Zugang zum Stück gefunden hast.

    Viele Grüße,
    Auri

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  2. Servetus schreibt:

    I really like this play (or I did, anyway, the last two times I’ve seen it — it’s been a while), but the prospect of Radcliffe is kind of a turnoff for me in a role like this.

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  3. Herba schreibt:

    @Theatergeist: Als tiefgründiger und intelligenter habe ich McGuire auch erlebt, aber eben auch als quirliger von der Darstellung her. Radcliffe erschien mir eher ruhig und dann auch sehr rührend wegen seiner Naivität.
    Ja, fand ich auch, aber man kann halt nicht immer alles großartig finden.
    Liebe Grüße zurück!

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  4. Herba schreibt:

    @Serv: Maybe I finally should watch the movie version with Iain Glen as Hamlet or at least the little snippet from the 50 years NT gala with Cumberbatch as one of the lead actors….

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  5. theatergeist schreibt:

    Ah, dann habe ich das beim Lesen falsch interpretiert 🙂 Und ja, es wäre fast auch schon langweilig, wenn jeder alles gleich gut finden würde. Hast du schon einen nächsten Besuch geplant?

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  6. Herba schreibt:

    @Theatergeist: Ja, nächste Woche läuft in meinem Kino ‚Obsession‘ mit Jude Law und eine Woche später ‚Who’s afraid of Virginia Woolf‘ mit Imelda Staunton, Conleth Hill, Luke Treadaway und Imogen Poots. Ich hoffe, daß ich es zu allen beiden Übertragungen schaffe!

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  7. theatergeist schreibt:

    Oh, ich beneide dich um Obsession. Leider habe ich an dem Abend einen beruflichen Termin. Virginia sehe ich mir aber auch auf jeden Fall an. Luke Treadaway ist tatsächlich einer meiner Lieblingsschauspieler. Ich freue mich sehr darauf.

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  8. Herba schreibt:

    @Theatergeist: Schade! Ich bin echt gespannt auf das Stück, aber wenn es so mau wird, die die kritiken, die ich dazu gelesen habe, ist auch nicht schlimm, dann schmachte ich einfach sinnlos Jude Law an (den ich nie richtig sexy fand, bis ich ‚The young pope‘ gesehen hatte *grummel*) 😉
    Luke ist mir bei einer anderen NTlive-Übertragung zum ersten Mal aufgefallen und ich bin gespannt, wie er sich seitdem entwickelt hat! Hast Du ihn schonmal live anschauen können? Er scheint ja öfter mal auf der Bühne zu stehen.

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  9. linnetmoss schreibt:

    This looks so fantastic! A modern classic, with an interesting cast. I have seen the snippet with Cumberbatch and loved it.

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  10. Hariclea schreibt:

    Tja for mich ist Stuck an sich sehr weit entfert von Shakespeare, ist eigentlich nur der Ansporn zum Theam, als Stil viel naher an Pinter als Shakespeare auf alle Falle. Ich fand es hatte ruhig 30 Min kurzer sein konnen, irgendwann war mir das im Kopf umdrehen und absurd diskutieren zu viel. Die Rolle von McGuire is viel komplizierter finde ich und er hat ausgesprochen gut gespielt. Ich wurde es mir nicht unbedingt wieder ansehen ausser es hat sehr interessante Schauspieler drin. Not my cup of tea wurde ich sagen zum ofters sehen aber interessant einmal.

    Bei Obsession rate ich auf Jude Law focusieren 🙂 dann vergeht die Zeit schneller LOL 😉 Wo’s afraid sollte aber gut sein 🙂 Ich geh morgen in den Ferryman 🙂

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  11. Herba schreibt:

    @Hari: Daß sich das Stück nur die Figuren von Shakespeare leiht und ansonsten nicht viel mit ihm zu tun hat, war mir dann hinterher auch klar 🙂
    Bei der Länge gebe ich Dir Recht, da hätte man stellenweise durchaus etwas kürzen können, gerade das ersten Zusammentreffen mit der Schauspieltruppe fand ich zu lang!
    Ich bin auf beide Stücke gespannt, auch wenn die Erwartungshaltung zu Obsession mittlerweile eher klein ist 🙂
    Ich hab gelesen, daß es Dir gefallen hat – trotz Sarah Caulfield? 😉

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  12. Hariclea schreibt:

    Jude Law hat mir gefallen 😉 oder besser gesagt sogar in dem.Stuck ist klar er ist ein guter Schauspieler. Aber es konnen einen nicht alle Stucke fesseln macht ja nights. Dafur war der Ferryman am Wochenende einfach unglaublich gut.

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  13. Herba schreibt:

    @Hari: Der Inhalt von Ferryman klingt total interessant und die Produktionsbilder fand ich auch klasse – schön, daß es dir gefallen hat!

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