Post für Mrs. Bromley von Stefan Brijs

Beim Ausbruch des 1. Weltkriegs im August 1914 melden sich sofort viele britische Männer freiwillig zum Kriegsdienst. Auch Martin Bromley, der eigentlich noch nicht alt genug ist, ist Feuer und Flamme, will unbedingt Soldat werden und tut alles, um seinen Milchbruder John Patterson dazu zu überreden, sich ebenfalls zu melden.
Doch John, der nach dem viel zu frühen Tod seiner Mutter bei seinem belesenen Vater in London aufwuchs und nun unbedingt englische Literatur studieren will, sträubt sich und so kommt es zum Bruch der beiden Freunde.
Martin gelingt es durch eine List die Altersbegrenzung zu umgehen und wird unter falschem Namen zum Soldat.
Als er stirbt, verheimlicht John Martin’s Mutter die schlimme Neuigkeit und als er selbst eingezogen wird, steht zu befürchten, daß die Wahrheit über Martin zusammen mit John stirbt…

Post für Mrs. Bromley‚ ist letztes Jahr auf meinem Leseradar gelandet, weil die Niederlande und Flandern Gastland auf der Frankfurter Buchmesse waren und ich unbedingt etwas von einem niederländischen/flämischen Schriftsteller lesen wollte.
Leider hat es etwas gedauert, bis ich dazu kam das Buch auch wirklich zu lesen, aber nun war es endlich so weit.
Stefan Brijs hat einen angenehm lesbaren Schreibstil, der mir in der ersten Hälfte des Buches zuweilen nur etwas zu ausschweifend wurde. Vielleicht kommt die Geschichte daher auch sehr langsam in Fluss und es dauerte, bis ich mir zu den Hauptfiguren eine Meinung bilden konnte.
Obwohl Martin Bromley für die Geschichte sehr wichtig ist, ist die zentrale Figur doch John Patterson.
Durch seine Augen werden alle mitwirkenden Personen vorgestellt, ihn begleitet man durch London und später auf den Kontinent und seine Gedanken und Gefühle werden genau beschrieben.
Je mehr ich über John erfahren habe, desto mehr habe ich ihn ins Herz geschlossen. Er ist ein wenig wie ein Wandler zwischen zwei Welten, weil er bei seinem immer noch um die Mutter trauernden Vater lebt und immer wieder die Familie Bromley besucht, um sich geborgen zu fühlen und Familienleben zu erleben.
Gleichzeitig kam er mir in seiner Umgebung oft ein wenig wie ein Fremdkörper vor, weil er sozial ein wenig über den Bromleys steht und zu seinem Vater keine wirklich liebevolle Beziehung pflegen kann, auch wenn er von ihm die Liebe zu Literatur mitbekommen hat.
Gut gefallen hat mir die geschilderte Freundschaft zu einem anderen Studenten, die John stark zum nachdenken animiert und ihn außerdem darin bestärkt sich nicht freiwillig zum Kriegsdienst zu melden, auch wenn er immer öfter deswegen angefeindet wird.
Ungefähr in der Mitte des Buches gibt es in Johns Leben ein Ereignis, das sein Leben von Grund auf verändert und ihn doch als Soldat nach Belgien führt.
Dieser Buchteil ist der weit spannendere für mich, weil einfach mehr passiert, als zuvor in London und in diesem Teil die Botschaft des Antikriegsbuches noch anschaulicher wird.
Historische Fakten stehen in diesem Buch nicht im Vordergrund, auch wenn die Figuren natürlich grob zeitlich in die reellen Geschehnisse eingebetet sind, aber es handelt sich definitiv um einen Roman und nicht um ein historisches Sachbuch.
Kriegshandlungen, in die John verwickelt wird, schildert der Autor anschaulich, aber nicht übertrieben effekthaschend und das Ende paßte für mich sehr gut zum Erzählstil und allgemein zum Ton des Romans.
Der Autor entwickelt übrigens genug englisches Flair, um den Schauplatz London glaubhaft zu machen, aber als extrem englisch habe ich den Roman nun nicht empfunden. Allerdings ist Stefan Brijs ja auch kein Brite und von daher bin ich mit dem was geboten wurde, vollkommen zufrieden.
Insgesamt kann ich ‚Post für Mrs. Bromley‘ durchaus weiterempfehlen, auch wenn es vermutlich für geschichtsinteressierte Leser wenig Neues zum Thema 1. Weltkrieg bieten kann und ich bin sehr froh, daß ich das Buch endlich in die Hand genommen habe!

Die Homepage des Autors
Stefan Brijs bei RandomHouse

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